Regeln für soziale Medien oder die Eltern mehr in die Pflicht nehmen?

Regeln für soziale Medien oder die Eltern mehr in die Pflicht nehmen?
Diskutierten über die Bildung: Andreas Wyss, Yvonne Hartmann, Flavia Wasserfallen und Nadja Umbricht Pieren (v.?l.). / Bild: hol
Rüegsau: Wie sieht die Schule in Zukunft aus? Über diese und weitere Fragen diskutierten verschiedene politische Persönlichkeiten am öffentlichen Bildungsanlass in Rüegsbach.

Lehrplan 21, Integration, selbstorganisiertes Lernen und der stetige Lehrpersonenmangel. Die Bildung ist und bleibt ein polarisierendes Thema. An einem parteiübergreifenden Podium diskutierten Ständerätin Flavia Wasserfallen (SP), Nationalrätin Nadja Umbricht Pieren (SVP), die Kirchberger Gemeinderätin Yvonne Hartmann (SP) und Gemeinderatspräsident Andreas Wyss (FDP), ebenfalls Kirchberg. Themen wie die Finanzierung der Schule, der Umgang mit sozialen Medien und das Fördern von Grundkompetenzen standen im Zentrum.


Chancengleichheit

«Bildung geht uns alle an. Es geht nicht nur um Strukturen und Lehrpläne, sondern auch um Chancengleichheit.» Mit diesen Worten zog der Rüegsauer Gemeindepräsident Andreas Hängärtner in seiner Begrüssung die Gesellschaft mit in die Verantwortung. Simon Graf, Vorsteher Amt für Kindergarten, Volksschule und Beratung des Kantons Bern, ergänzte, die Schule sei stetig im Wandel. Ein wichtiger Schritt in Richtung Chancengleichheit sei etwa die Anpassung des Volksschulgesetzes im Jahr 2022. Seither befinde sich die Organisation der Regelschule und die besondere Volksschule unter dem gleichen Dach. Wenn ein Kind auf ein Angebot der besonderen Volksschule angewiesen sei, liege die Verantwortung also nicht mehr bei den Eltern, einen geeigneten Platz zu finden, sondern beim Kanton.


Frage der Verantwortung

Ein Thema war in der anschliessenden Diskussion unumgänglich: «Eini­ge soziale Medien funktionieren wie Suchtmittel», erklärte Flavia Wasserfallen. Sie wünschte sich eine klare kantonale Regelung. «Bei Alkohol und Tabak betreiben wir auch Jugendschutz und haben eine Altersbegrenzung.» Momentan ist es den Schulen und den Gemeinden überlassen, wie sie mit Handys auf dem Schulareal umgehen. Und so soll es auch bleiben, fand Andreas Wyss: «Affinität für Medien wird durch eine Regulierung oder ein Verbot nicht direkt gegeben.» Auch könne es nicht sein, dass die Schule diese gesamte Verantwortung übernehmen müsse, ist sich Nadja Umbricht Pieren sicher. «Man kann nicht alles der Schule delegieren. Eltern müssen Verantwortung für ihre Kinder übernehmen welche Medien sie konsumieren und wie viel.» Und dennoch dürfe man nicht vergessen, fügte Yvonne Hartmann an, dass nicht alle Eltern die gleiche Medienkompetenzen mitbringen würden.


Grundkompetenzen fördern

Vieles ist im Kanton Bern aber auf gutem Wege. Positiv hervorgehoben wurden mehrfach die flexiblen Einstiegsmöglichkeiten in den Lehrberuf und das Teilzeitstudium an der PH Bern. Sorgenfalten gab es bei den Podiumsteilnehmenden aber trotzdem. Flavia Wasserfallen etwa hoffte, dass zukünftig nicht am falschen Ort gespart werde: «Bei der Bildung sprechen wir von Investitionen und nicht von Kosten.» Investieren möchte auch Nadja Umbricht Pieren, und zwar in die Förderung der Grundkompetenzen. Man könne wieder mehr Leistung verlangen, schliesslich funktioniere das später auch so. Und sie fügte an: «Das Verstehen der Unterrichtssprache sollte eine Voraussetzung sein.»

26.02.2026 :: Lisa Willener (lwh)