Zirkus ist eine Kunst - und bald ein Bildungsgang am Gymnasium Plus

Zirkus ist eine Kunst - und bald ein Bildungsgang am Gymnasium Plus
Jugendliche der Zirkusschule Tortellini bei einem Auftritt. / Bild: Arthur Häberli
Schüpfheim: Das Gymnasium Plus bietet ab Sommer einen neuen Talentbereich an: Zirkuskunst. Dies als Ergänzung zum bestehenden Angebot. Mit im Boot ist eine Zirkusschule.

Zirkus am Gymnasium - das tönt erst einmal ungewöhnlich. Nicht so an der Kantonsschule Schüpfheim, wo am Gymnasium Plus bereits seit 20 Jahren junge Talente gefördert werden (siehe Kasten). Diese weisen in einem der fünf Bereiche Sport, Musik, Schauspiel, Tanz sowie Kunst und Design spezielle Begabungen auf. 10 bis 15 Stunden pro Woche setzen die Schülerinnen und Schüler für ihre Talententwicklung ein. Das Gymnasium absolvieren sie deshalb in fünf statt wie sonst üblich in vier Jahren. Ab dem neuen Schuljahr wird nun Zirkuskunst das Angebot ergänzen.


Mehr als eine Abfolge von Nummern

«Das Gymnasium Plus bietet in der darstellenden Kunst mit den Bereichen Musik, Schauspiel und Tanz bereits ein breites Angebot. Zirkuskunst passt ideal dazu», erklärt Rektor Thomas Berset. Diese Sparte habe sich in den letzten Jahren unglaublich entwickelt. Zirkuskunst sei keine Abfol­ge einzelner Nummern, sondern eine künstlerisch gestaltete, interdisziplinäre Bühnenform. Schauspiel, Musik, Artistik, aber auch visuelle Kunst, wenn man an das Bühnenbild und die Kostüme denkt, treffen zusammen. Das neue Profil sei eine sinnvolle Erweiterung zu den bestehenden Talentbereichen, so Berset. Mit den Profilen Schauspiel, Musik, Tanz und Sport könnten Synergien genutzt werden. «Wer sich für Zirkuskunst entscheidet, ist in verschiedenen Sparten unterwegs, das macht diesen Bildungsgang auch besonders attraktiv.» Akrobatik und Artistik dagegen könnten nicht am Gymnasium Plus unterrichtet werden. «Deshalb arbeiten wir mit der Zirkusschule Tortellini in Luzern zusammen», sagt der Rektor. Die Schülerinnen und Schüler werden dazu einen Nachmittag pro Woche die Zirkusschule besuchen, wo zudem auch Kurse in Dramaturgie und Choreografie angeboten werden. Für Ursi Caflisch, Leiterin der Zirkusschule, ist das neue Angebot eine einmalige Chance für junge Menschen, die sich im Zirkusbereich weiterentwickeln wollen. «Natürlich werden später nur einzelne Schülerinnen und Schüler professionell in einem Zirkus auftreten. Doch dank der breiten Ausbildung stehen ihnen im Bereich darstellende Kunst viele Möglichkeiten offen», erklärt Caflisch. Und selbst wer später nicht auf einer Bühne stehe, habe eine gute Basis, etwa für einen bewegungstherapeutischen oder pädagogischen Beruf.


Erste Aufnahmegespräche

Thomas Berset ist überzeugt, dass der neue Bildungsgang auf Interesse stossen wird. Dies auch, weil es in der Deutschschweiz das einzige derartige Angebot ist; in der Westschweiz ist die Verbindung von gymnasialer Ausbildung und Zirkustraining bereits bekannt. Die ersten Reaktionen stimmen den Rektor positiv. «Seit der Ausschreibung Ende Januar haben wir bereits fünf Aufnahmegespräche geführt.» Gefordert wird, wie in den anderen Talentbereichen auch, mehrjährige Erfahrung, in diesem Fall in Geräte-, Kunstturnen, Sportgymnastik, Schauspiel oder ein Besuch einer Zirkusschule. «Wir haben einen leistungsbezogenen Auftrag und nehmen nur Jugendliche auf, die bereits eine Vorleistung erbracht haben», führt Berset aus. Auch während der fünfjährigen Ausbildung müssten sie deutlich mehr Zeit in ihr Talent in­vestieren als am Kurzzeitgymnasium. Sportlerinnen und Sportler etwa trainierten rund fünfmal pro Woche. Berset rechnet damit, schlussendlich mit vier bis fünf Schülerinnen und Schülern im Profil Zirkuskunst zu starten. Das sind gleich viele wie im Bereich Schauspiel, der sich ebenfalls noch im Aufbau befindet. Bis in fünf Jahren könnten sich so am Gymnasium Plus 25 Jugendliche in Zirkuskunst üben.

Breitere Abstützung dank Talentförderung

Die Kantonsschule Schüpfheim bietet zwei gymnasiale Wege an: das vierjährige Kurzzeitgymnasium und das fünfjährige Gymnasium Plus. Vor 20 Jahren wurden am Gymnasium Plus erstmals die Maturitätszeugnisse übergeben. Die Schülerzahl nahm seitdem kontinuierlich zu, ab Sommer werden 220 Schülerinnen und Schüler unterrichtet. «Schon bei der Gründung war die Idee, ein Gymnasium für den ganzen Kanton, und nicht nur die Region zu führen», sagt Thomas Berset, der seit drei Jahren Rektor an der Kantonsschule ist. Mit dem Talentförderbereich Gymnasium Plus gelang es, die Kantonsschule breiter abzustützen. 70 Prozent der Talente stammen heute von ausserhalb des Entlebuchs, teils auch aus anderen Kantonen. Um attraktiv zu bleiben, werde sich das Gymnasium Plus weiterentwickeln müssen, sagt Berset. Das neue An-gebot Zirkuskunst weist da den Weg. «Wir wollen wegkommen vom reinen Spartendenken. Die Praxis verlangt nach Künstlerinnen und Künstlern, die breit ausgebildet und flexibel sind.» Da werde auf der Bühne von ein und derselben Person zum Beispiel getanzt, gemalt und gesungen.

26.02.2026 :: Silvia Wullschläger (sws)