Stephan Haldemann und die Türe zum Pfarrhaus, die allen Besucherinnen und Besuchern offensteht. / Bild: Benjamin Stocker-Zaugg (sbr)
Signau: Vor 30 Jahren kam Stephan Haldemann als junger Pfarrer nach Signau. Rasch fand er Wege, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen: mit Gesprächen, Predigten – und Liedern.
Das Wohnzimmer im Pfarrhaus wirkt mit der Holzdiele, dem Kachelofen und den grossen Fenstern gemütlich und gastlich. Hier zog vor 30 Jahren Stephan Haldemann als junger Pfarrer ein. Gerne erinnert er sich an die erste Zeit im ländlichen Signau: «Ich war gerade 25 Jahre alt und damit der jüngste Pfarrer im Kanton Bern. Ich kam mit grossem Respekt hierher, weil ich davon ausging, dass ich in der Vollzeitstelle auf mich alleine gestellt bin. Das wichtigste für mich war aber das Vertrauen auf Gott.»
Bei einem Gespräch betont der reformierte Pfarrer, wie wichtig für ihn der Kontakt zu den Menschen ist. Da er selbst Emmentaler Wurzeln hat, seien ihm die Gewohnheiten und die Eigenart der Menschen schon damals vertraut gewesen. «Ich wollte die Dorfbewohner persönlich kennenlernen», sagt der Theologe und erwähnt dabei ein schönes Erlebnis: «Ich fühlte, dass die Gemeinde mir einen Vertrauensvorschuss entgegenbringt und dass ich als junger Pfarrer willkommen bin.»
Die Kirche bleibt wichtig
An der offenen Pfarrhaustüre posiert Stephan Haldemann für ein Foto und weist auf den Symbolgehalt hin. Seine Türe stehe allen Besucherinnen und Besuchern offen. Schliesslich sei er für die Menschen da – und nicht umgekehrt. Bei jedem Kontakt sieht der Pfarrer die Individualität. Und, wie er selbst mehrfach erklärt, die Geschöpflichkeit: «Mein Gegenüber ist nicht einfach eine Person, ich sehe in ihr das Geschöpfliche und damit auch den Schöpfer.» Nein, ein ausgeprägter Missionar sei er deshalb nicht. Aber nach christlichem Verständnis sei jeder Mensch von Gott erschaffen und damit einzigartig und wertvoll.
Hat die Kirche an Bedeutung verloren? Wenn Haldemann auf die Entwicklung der vergangenen drei Jahrzehnte zurückblickt, findet er eine klare Antwort: «Hier in Signau steht die Kirche immer noch im Dorf.» Er ist überzeugt, dass sie den Menschen nicht weniger wichtiger geworden ist. Die Verbindlichkeiten zur Kirche seien aber nicht mehr dieselben wie früher. Der Mensch habe heute viel mehr Möglichkeiten, das Leben zu gestalten. «Die Kirche muss sich in unserer modernen Zeit behaupten, das ist nicht einfach.» Der Pfarrer hat eine Antwort auf die Frage, wie sich die Kirche diesem Trend stellen kann: «Die Menschen bemerken, dass ich den Kontakt zu ihnen suche und ihnen Wertschätzung entgegen bringe. Daran erinnern sie sich vielleicht später, wenn sie Rat suchen oder Hilfe benötigen.»
Mit Wort und Musik
Musik und der Jodelgesang spielen im Leben von Stephan Haldemann eine wichtige Rolle; mit seinem Ehepartner Jürg Wenger absolviert er zahlreiche Auftritte im Jahreskreis. «Ich bin mit Leib und Seele Pfarrer», sagt Stephan Haldemann und fügt pointiert hinzu: «Und mit Haut und Haaren Jodler.» Zwischen dem Engagement als Jodler und dem Pfarramt sieht Haldemann keinen Widerspruch. Eher im Gegenteil: «Als Pfarrer kann ich die Herzen mit Worten erreichen. Und als Jodler mit Musik und mit den Inhalten meiner Lieder.»