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Erstmals seit 1998/99 kommen alle SCL Tigers-Ausländer aus Kanada
SCL TIGERS: Kanadisch wie als NLA-Aufsteiger
02.09.2010 Curtis Murphy, Brendan Brooks, Pascal Pelletier und Mike Iggulden. Die SCL Tigers starten in einer Woche mit vier Kanadiern zur Meisterschaft. Wie zuletzt vor zwölf Jahren als NLA-Aufsteiger.
Werner Haller
Einen rein kanadischen «Ausländer-Look» wie jetzt hatten die Langnauer letztmals in der Saison 1998/99 als NLA-Neuling mit dem Verteidiger Mario Doyon und den Topskorern Todd Elik und Greg Parks. Während der Meisterschaft wurde der NHL-Erstrundendraft Sylvain Turgeon für fünf Spiele verpflichtet und Wayne Hynes für die Playouts. Dazu stürmte am Flügel ein gewisser John Fust, ein in Montreal und Toronto aufgewachsener Kanadier mit Schweizer Pass. Er «verewigte» auf der Autogrammkarte seinen Wunschtraum: Einmal Headcoach der Langnauer zu sein. Seit einigen Monaten ist er es. Führungsspieler in den Farmteams Als neuer Cheftrainer musste Fust nach dem Verzicht auf Vertragsverlängerungen mit Naumenko und Daigle zwei Ausländerpositionen neu besetzen. Er entschied sich für die beiden Stürmer Pascal Pelletier und Mike Iggulden, hat aber dabei, wie er sagt, «nicht auf den Pass geschaut. Ausschlaggebend waren die Angebote auf dem Transfermarkt und unsere beschränkten finanziellen Möglichkeiten.» Fust hat grossen Respekt vor den vielen europäischen Spielern, «die in den letzten Jahren das Eishockeyspiel in Nordamerika positiv beeinflusst und noch attraktiver gemacht haben.» Der Headcoach der SCL Tigers kennt aber auch die Qualitäten seiner Landsleute: «Murphy, Brooks, Pelletier und Iggulden gehörten in den Farmteams der NHL-Klubs zu den Führungsspielern. Sie sind willig und ehrgeizig und haben im Verlauf ihrer Karrieren gelernt, nie aufzugeben, sondern unermüdlich für eine neue Chance zu kämpfen. Und für uns enorm wichtig: Sie sind alles echte Mannschaftsspieler.» Geschäft ohne Sentimentalitäten Die vier Kanadier der SCL Tigers mussten sich während Jahren mit der undankbarsten Rolle, die es im nord- amerikanischen Spitzeneishockey gibt, abfinden: Zu gut für die höchste Farmteamliga, die AHL; zu wenig gut für die NHL. Murphy, Brooks, Pelletier und Iggulden wurden nie von einer NHL-Organisation gedraftet. Sie wurden aber zu diversen NHL-Trainingscamps eingeladen und auch in Testspielen eingesetzt. Sie hofften, dass ihr NHL-Traum irgendeinmal in Erfüllung gehen würde. Zuletzt wurden sie aber doch immer wieder in die Farmteams «abgeschoben». «Das Eishockeygeschäft in Nordamerika ist unerbittlich», sagt Pelletier. «Es gibt nicht die geringsten Sentimentalitäten. Entweder du stehst zum genau richtigen Zeitpunkt am genau richtigen Ort und machst Karriere oder eben nicht. So einfach ist das, aber auch so brutal hart.» Pelletier (13), Iggulden (12), Murphy (1) und Brooks (0) wurden zusammen in nur gerade 26 NHL-Spielen eingesetzt. In den Mannschaftskadern der weltbesten Liga sorgten sie für genügend Breite, waren aber trotzdem stets zweite Wahl. Erste Wahl waren sie nur, wenn es darum ging, in einem NHL-Team eine Lücke zu schliessen. Iggulden beispielsweise wechselte im April 2009 innerhalb von nur sieben Tagen für bloss zwei NHL-Spiele gleich vier Mal das Team: Von Bridgeport nach New York zu den Islanders, zurück nach Bridgeport. Kaum angekommen erneut nach New York und wieder retour. Früher oder später hatten die SCL Tigers-Kanadier genug vom ständigen Hin und Her, vom Leben aus dem Koffer, von der Ungewissheit, was der nächste Tag wohl bringen werde. Murphy, Brooks, Pelletier sowie Iggulden suchten nach neuen Herausforderungen und fanden sie in Europa bei den SCL Tigers. «Hier», sagt Headcoach John Fust, «sind sie nicht mehr zweite, sondern allererste Wahl. Sie sind Stammspieler und Leader, gesetzt im Power- und Boxplay. Sie stehen im Rampenlicht und können sich zeigen.» Im Gegensatz zu Murphy und Brooks sind Pelletier und Iggulden Neulinge in der höchsten Spielklasse der Schweiz. Sie wissen, dass die Messlatte für ausländische Spieler in der National League A sehr hoch liegt. Sie haben sich vor ihrer Unterschrift unter den Vertrag mit den SCL Tigers ausgiebig informiert. Mike Iggulden unterhielt sich bei Riga mit den beiden ehemaligen Langnauer Stürmern Martin Kariya und Robert Petrovicky und führte lange Telefonate mit Mike Knoepfli (Fribourg-Gottéron), seinem besten Kumpel aus den College-Hockey-Zeiten in Cornell. Pascal Pelletier bei Derek Armstrong (ex-SCB), mit dem er letzte Saison bei Peoria spielte. Beide sind nicht unglücklich, dass sie in Langnau mit zwei Landsleuten das Ausländerquartett bilden: «Es macht unseren sehr schwierigen Job etwas leichter», meint Iggulden.
SCL Tigers verpflichten
NLB-Topskorer Bucher Eine Woche vor Meisterschaftsbeginn haben die SCL Tigers den 21-jährigen Stürmer Tobias Bucher vom NLB-Playoff-Finalisten Visp verpflichtet. Der Frauenfelder vermochte die Verantwortlichen der Emmentaler während seiner einmonatigen Probezeit in den Trainings und Testspielen zu überzeugen und erhielt einen Einjahresvertrag. Tobias Bucher gelang letzte Saison bei Visp unter John Fust, dem jetzigen Headcoach der SCL Tigers, der Durchbruch in der NLB. Er erzielte in 62 Qualifikations- und Playoffspielen 74 Punkte (24 Tore/50 Assists) und war damit hinter neun Kanadiern der erfolgreichste NLB-Skorer mit Schweizer Pass. Der ehemalige Junioren-Internationale ist nach Joel Genazzi (letzte Saison 66 Punkte in 61 Spielen) der zweite hoffnungsvolle Visper Stürmer, welcher John Fust ins Emmental gefolgt ist. Noch im Juniorenalter bestritt Tobias Bucher für Zug im Verlauf von drei Saisons 50 NLA-Spiele, erhielt aber nie eine echte Chance. Dafür liess er bei den Zuger Elitejunioren seine Skorerqualitäten erkennen. In 156 Spielen erzielte er 232 Punkte und damit einen Durchschnitt von 1,49 pro Partie.
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