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Walter Siegenthaler – ein urwüchsiges Jodlertalent
Walter Siegenthaler –  ein urwüchsiges Jodlertalent Schangnau: Seit vielen Jahren singt Walter Siegenthaler im Jodlerklub «Hohgant» mit. Er war auch Dirigent und ist Komponist. Nun erscheinen seine Lieder auf einem Tonträger.
«Die Musik hat mich schon immer fasziniert», sagt der heute 75-jährige Walter Siegenthaler. Nebst seiner Arbeit als Bauarbeiter, Milchkontrolleur und Landwirt begleitet ihn die Musik seit Kindertagen. In der Schule habe er begonnen, sich das Notenlesen anzueignen. Dann, mit 16, sei er dem Jodlerklub «Hohgant» beigetreten, sinniert er und schaut ins Weite. Er sitzt auf der Terrasse seines Heimwesens «Rossweidli». Der Hof liegt auf einer Anhöhe unweit des Weilers «Wald» in Schangnau. Der Blick ist frei – trifft auf das Kirchlein und die Strasse Richtung Bumbach, am Horizont macht die «Sichle» den Abschluss. Walter Siegenthaler, mit seinen wachsamen Augen, erzählt aus seinem Leben, von der Musik und dem Jodeln.

Einen Naturjutz für die Jodler
«Ideen für eigene Lieder habe ich schon lange gehabt, aber nie den Mut, sie zu veröffentlichen», gesteht Siegentaler. Erst ein Arbeitsunfall änderte dies. Die Genesung verlief harzig und eine Rehabilitation in Heiligenschwendi wurde nötig. Der Besuch seiner Jodlerkameraden gab ihm neuen Mut und berührte ihn tief in seinem Innern. Er wollte ihnen mehr geben, als nur einen Geldbetrag – und besann sich seines versteckten Talentes. Bald darauf überreichte er den Jodlern auf selbstgezogenen Notenlinien den «Waldfluh-Jutz». Walter Siegenthaler ist überzeugt: «Jodeln trägt einen in schweren Zeiten und ist mehr als nur eine Freizeitbeschäftigung.» Anregung für neue Lieder findet der Komponist oft bei Jodlerfesten oder Jodlerkonzerten. Seine spontanen Einfälle muss er unmittelbar einfangen können. «Wenn ich dann gerade kein Schreibpapier zur Hand habe, muss manchmal ein Stück Futtersack genügen. Fünf Linien sind ja schnell gezogen», meint er und lächelt. Dabei lasse sich nichts erzwingen. So habe er zum Beispiel bei «Mys Heimatdörfli» die erste und dritte Strophe rasch gehabt, aber an der zweiten ewig «knorzet».

Ein Naturjutz «gyget» anders
Die endgültige Form erhalte eine Neukomposition sowieso erst bei der Chorprobe. Er muss es wissen. Zusammen mit Ruedi Trauffer teilte er sich 20 Jahre lang das Dirigentenamt. Dabei war Walter Siegenthaler mehr für die Dynamik und das Gestalterische zuständig. Ein Gebiet, das ihm sehr am Herzen liegt. «Urwüchsig, nicht verbildet und nicht gekünstelt muss ein Jutz tönen», meint er und fährt fort: «Der Naturjutz ‹gyget› anders, das kann man nicht lernen. Das Talent und Gefühl dafür muss der Sänger bereits in sich tragen.» Was aber nicht heisse, dass die Stimme nicht geschult werden solle. Er ist froh, manch solches Naturjutz-Talent im Jodlerklub zu wissen.
Nun freut er sich auf den 5. September. Dann findet in der Turnhalle Bumbach die CD-Taufe «Mys Heimatdörfli» des Jodlerklubs «Hohgant», Schangnau, statt. Vier Kompositionen von Walter Siegenthaler werden darauf verewigt sein.

Infos zur CD: www.jodlerklub-schangnau.ch
27.08.2015 :: Annarös Bärtschi
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