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«Solang der Spass da ist, ist der Aufwand für uns kein Problem»
NLA-Frauenfussball: Lia und Meret Wälti aus Langnau – beide zählen sie zum Kreis der

ambitionierten Fussballerinnen in der Schweiz. Das Geschwisterpaar

investiert viel Zeit in den Fussballsport beim BSC Young Boys Bern, doch wichtig ist ihnen auch die

Ausbildung und die Schule.
«Ich wollte eigentlich gar nicht Fussball spielen», sagt die knapp 16-jährige Meret Wälti aus Langnau. Die Gymnasiastin ist in den Fussballsport «hineingerutscht», weil sie als kleine Meret von Vater Andreas Aebi, der Langnauer Sekundarlehrer war damals Trainer der E-Junioren beim FC Langnau, zu den Trainings mitgenommen wurde. «Zuschauen war mir dann auf die Dauer zu langweilig, deshalb machte ich im Training mit», beschreibt die am 2. März 1995 geborene Langnauerin den Start zu ihrer Fussballkarriere. Heute ist Andreas Aebi Trainerassistent beim U18-

Frauenteam des BSC Young Boys und in diesem Team spielt auch Tochter Meret mit. Die 16-Jährige wechselte im Sommer 2009 nach einem Hallen-

turnier nach Bern zum BSC Young Boys. Ein Beobachter des Berner Vereins hätte sie hier gesehen und nach einer Einladung zu einem YB-Training, sei der Wechsel vollzogen worden, so die Langnauerin. «Es ist nicht immer einfach im gleichen Team zu spielen, wo auch der Vater als Trainer engagiert ist», beantwortet die Gymnasiastin die Frage, ob es ein Vor- oder Nachteil sei, im Team des Vaters zu

spielen? Meret Wälti steckt sich im Fussball keine Ziele. «Im Moment habe ich Spass in diesem Team zu spielen und ich hoffe auf einen guten Rang in der Meisterschaft. Solange mir Fussball Spass macht, bleibe ich dabei. Was mir die sportliche Zukunft später bringt, werde ich dann sehen.»

Lia «suchte» den Fussballsport

Nicht zufällig, sondern eher gesucht oder gezielt begann die um knapp zwei Jahre ältere Lia mit dem Fussballsport. «Ich wollte Fussball spielen», betont die am 19. April 1993 geborene Sport-KV-Lehrtochter, die diese Ausbildung beim VBS absolviert. Weil sie aber zu dieser Zeit für die B-Juniorinnen beim FC Langnau zu jung war, spielte sie in den «Giele»-Teams der E-, bis hinauf zu den C-Junioren. Schnell einmal bemerkten die richtigen Leute, dass Lia talentiert ist. Im Sommer 2007 schaffte sie den Sprung ins Fussball-Ausbildungszentrum in Huttwil. Rund Zehn Mädchen pro Jahrgang werden hier während zwei Jahren gezielt auf ihre spätere Karriere vorbereitet. Neben der Schule mit Stützunterricht trainieren die Talente mindestens einmal pro Tag unter fachkundiger Leitung.

Über die U14- und U15-«Giele»-Teams von Bern West wechstelte Lia im Sommer 2009 in die U16-Knaben-Mannschaft des BSC Young Boys. Seit Sommer 2010 spielt die Langnauerin im YB-Frauenteam in der Nationalliga A. Trainer Rolf Kirchhofer ist sehr zufrieden mit der Leistung der Emmentalerin. «Lia ist erst 17-jährig und ist im Schnitt vier bis fünf Jahre jünger als ihre Mitspielerinnen. Für dieses Alter ist sie spielerisch sehr stark und abgeklärt», betont Kirchhofer. Sie habe einen aufgestellten Charakter, sei aber ab und zu auch nachdenklich, so Kirchhofer weiter. «Lia ist selbstkritisch und stellt sich nie in den Vordergund. Ich hoffe sehr, dass sie noch etwas bei uns bleibt, denn wenn sie so weitermacht, so kann sie sportlich noch sehr viel erreichen.» Die Emmentaler NLA-Fussballerin fühlt sich im Team des Berner Traditionsvereins wohl. «Mir gefällts sehr gut in dieser Mannschaft. Es herrscht ein sehr guter Teamgeist und ich werde sicher noch einige Zeit hier spielen.» Langfristiges Ziel setzt sich Lia Wälti keines. Kurzfristig möchte sie mit YB in der laufenden Saison mindestens einen Pokal holen. «Wir sind im Cup weiter dabei und im Rennen um die Meisterschaft ist YB ebenfalls noch auf Kurs». Lia Wälti sieht in der Meisterschaft ein Titel-Dreikampf zwischen Yverdon, Basel und YB. Für ihre sportliche Zukunft macht sie sich momentan keine grossen Gedanken. «Ein erfolgreicher Lehrabschluss steht für mich klar im Vordergrund.» Auch deshalb strebt die Langnauerin ein Auslandengagement nicht mit allen Mitteln an. «Ich spiele gerne in der Schweiz und was in einigen Jahren ist, weiss niemand.» Die KV-Lehrtochter setzt vor allem auch auf die berufliche Ausbildung, weil im Frauen-

fussball nicht soviel Geld verdient wird, dass man später davon auch noch Leben kann.

Im Vorzimmer der Nationalteams

Während Lia Wälti im letzten Herbst für das zweite WM-Barrage-Rückspiel gegen Italien erstmals ein Aufgebot für die A-Nationalmannschaft erhielt, so zählt Meret zum Kreis einer Vor-

auswahl für das U17-Nationalteam. Weitere Natiaufgebote wären für beide Lohn ihrer Anstrengungen. «Für mich ist es von der Arbeit her, einfacher Nationalmannschafts-Termine wahr zu nehmen», sagt Lia. Für Meret sei dies im Gymer sicher viel schwieriger. Verpasste Lektionen müssten hier später nachgearbeitet werden. Beide trainieren pro Woche bis sechs Mal und dazu kommt in der Phase der Meisterschaft ein Spiel. Neben 21 Stunden Arbeit wöchen-

tlich für Lia oder 30 Schullektionen für Meret ist dies wahrlich ein volles Programm. «Solang der Spass da ist und ab und zu auch noch Zeit zu einem Kinobesuch mit Freunden bleibt, ist dies für uns kein Poblem», sind sich beide einig.
17.02.2011 :: Martin Burri
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