Rückenwind für Windräder?

Rückenwind für Windräder?
Die beiden Windräder in Entlebuch liefern seit über zehn Jahren Energie, im Durchschnitt 1,15 Gigawattstunden pro Jahr. Moderne und grössere Anlagen sind deutlich leistungsfähiger. / Bild: zvg
Kanton Luzern: Heute liefern im Kanton Luzern drei Windräder Energie. Bis 2050 sollen es viel mehr sein, lautet das Ziel des Regierungsrats. Mögliche Standorte – etwa das Gebiet Bock – sind im Richtplan Windenergie aufgelistet, welcher ab 29. November öffentlich aufliegt.

Windenergie ist derzeit in aller Munde – vor allem, um eine drohende Energielücke während der Wintermonate zu schliessen, wenn Photovoltaikanlagen weniger Strom liefern. Dass Regierungsrat Fabian Peter gerade jetzt den überarbeiteten Teilrichtplan Windenergie vorstellte, war aber mehr dem Zufall denn des drohenden Engpasses zu verdanken. Die zuständigen kantonalen Stellen hatten 2020 ein Windenergiekonzept erarbeitet, daraus ist der Richtplan entstanden. Heuer haben die zuständigen Stellen des Bundes das Papier geprüft. Nach einigen Anpassungen und der Genehmigung durch den Luzerner Regierungsrat startet am 29. November 2022 die öffentliche Auflage. 


Das Ziel: Ein Viertel Windenergie 

Gemäss dem Konzept Windenergie sollen im Kanton Luzern bis 2050 pro Jahr 250 Gigawattstunden Energie produziert werden: «Dies entspricht je nach Grösse 30 bis 60 Windenergieanlagen und rund einem Viertel des Stromverbrauchs aller Haushalte im Kanton Luzern.» Derzeit liegt die jährliche Produktion bei knapp vier Gigawattstunden, die von den drei bestehenden Windrädern stammen. Das Potenzial im Kanton Luzern sei gemäss einer 2022 veröffentlichten Studie des Bundesamts für Energie noch grösser als bislang angenommen, schreibt das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement (BUWD) auf Anfrage.

Neue Windräder könnten dereinst in den 22 Gebieten drehen, die im Richtplan aufgeführt sind. Diese mussten etlichen Ansprüchen genügen, um es überhaupt in dieses Papier zu schaffen. Zuerst muss das Windpotenzial gut sein. Dann haben Fachleute geprüft, ob die Gebiete nicht gegen einen der 24 Ausschlussgründe verstossen. Dazu gehören beispielsweise Moorlandschaften, Zugvogelreservate, Waldreservate oder Flugplätze. Letzteres, der Flugplatz in Emmen, ist der Grund, warum in der Agglomeration von Luzern keine möglichen Gebiete für Windparks zu finden sind. Auch im Entlebuch wurde ein Gebiet gestrichen: Günhorn-Buschachen in der Gemeinde Escholzmatt-Marbach weil sich dort Brutplätze seltener Vögel befinden (die «Wochen-Zeitung» berichtete). 


Gebiet Bock: «Positiver Trend»

Bereits geplant werden drei Windräder im Gebiet Höch-Turner-Bock unmittelbar an der Gemeindegrenze zwischen Escholzmatt-Marbach und Trub. Hinter diesem Projekt steht die Windenergie Schweiz AG. Wie das Unternehmen auf Anfrage mitteilt, seien im Rahmen des Vorprojekts erste Unterlagen bei den kantonalen Stellen eingereicht worden. Zudem wurden während gut einem Jahr Windmessungen durchgeführt. Die detaillierten Zahlen würden derzeit noch ausgewertet, heisst es bei der Windenergie Schweiz AG. Der Trend sehe aber sehr positiv aus. 

Der Richtplan ist bei jedem Projekt der erste Schritt. Wie geht es dann weiter? «Für die konkrete Umsetzung eines Windenergieprojekts braucht es später zusätzliche Anpassung der Nutzungsplanung», ist von den zuständigen kantonalen Stellen zu erfahren. Das heisse konkret, dass für die Erstellung eines Windenergieprojekts zuerst eine Zone geschaffen werden müsse, welche von der Gemeinde zu genehmigen sei. Wenn die Umzonung in Kraft ist, kann dann das Baugesuch eingereicht werden, über das dann wieder die Gemeinde und kantonale Stellen befinden. 


Es soll schneller gehen 

Von der Idee eines Windparks bis zu dessen Realisation vergehen meist Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte. Wie der Luzerner Regierungsrat in der Medienmitteilung zum Start der Richtplan-Auflage schreibt, wolle er den Ausbau der Windenergie vorantreiben. Gedenkt er, das Bewilligungsprozedere zu beschleunigen? «Wir sind auf kantonaler Ebene dran, die Verfahren zu straffen», schreibt das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement (BUWD) auf Anfrage. Dies würden auch zwei Vorstösse aus dem Kantonsrat fordern. «Für Vorhaben, die von überkommunaler Bedeutung sind, prüfen wir, ein kantonales Plan- und Projektbewilligungsverfahren einzuführen.» Dafür müsse das Planungs- und Baugesetz angepasst werden, was sich mit Bestrebungen des Bundes decke, wie das BUWD weiter informiert. Die Vernehmlassung dazu werde bald starten. 

Dass künftig die Energie des Windes vermehrt genutzt werden muss, ist für Regierungsrat Fabian Peter klar: «Wir sehen heute deutlich, dass Klima- und Energiepolitik auch Sicherheitspolitik bedeutet. Eine Energieversorgung, die auf verschiedenen regionalen, erneuerbaren Energiequellen gründet, ist deshalb besonders wichtig.»  

Bern muss aktiv werden

Auch im Kanton Bern wird derzeit der Richtplan Windenergie überarbeitet. Ein Grund dafür ist die Einführung des Klimaartikels in der Kantonsverfassung. Dieser fordert, dass sich der Kanton aktiv für die Klimaneutralität einsetzen muss. «Die Anpassungen des Richtplans befinden sich bis Ende November in der Vernehmlassung innerhalb des Kantons sowie zur Vorprüfung beim Bundesamt für Raumentwicklung», teilt das Amt für Gemeinden und Raumordnung auf Anfrage mit. Gemäss dem Papier sind alle Regionen gehalten, ihren Beitrag «zur Erreichung der Ziele der Energiestrategie 2050» zu leisten. Neue Gebiete für Windparks sind im Richtplan nicht aufgeführt. Im Gebiet der Regionalkonferenz Emmental würden derzeit keine Windparks geplant, wie auf der Geschäftsstelle zu erfahren ist. 

24.11.2022 :: Bruno Zürcher (zue)