Anlagen montieren und Kühe melken

Anlagen montieren und Kühe melken
Christian Schafroth weiss, «wie der Hase läuft». In seinen 50 Dienstjahren hat er manche Entwicklung mitgemacht. / Bild: Gabriel Anwander (agl)
Langnau: Sanitärmonteur Christian Schafroth arbeitet seit 50 Jahren im selben Betrieb. Für ihn habe immer alles gepasst, sagt er. Die Arbeit, die Teams und auch die Chefs.

Nach der Schulzeit hat Christian Schafroth, der auf einem Bauernhof in Bärau aufgewachsen ist, die Bauernlehre absolviert. Im Alter von 19 Jahren ist er in die Firma Lauber in Langnau eingetreten (heute Jürg Kühni AG). Seit 50 Jahren also montiert Chrigu, wie ihn alle nennen, sanitäre Anlagen und Einrichtungen in Neu- und Umbauten. Auf die Frage, wie er die Zeit durchgestanden habe, antwortet er gelassen. «Ich habe Glück gehabt, bin immer gesund geblieben.» Eine robuste Gesundheit erklärt einiges, aber längst nicht alles. Wasserleitungen montieren, die auch in mehrstöckigen Häusern auf der ganzen Linie dicht sind, Badezimmer einrichten, mit glänzenden Armaturen und leicht zerkratzbaren Wannen, oft auf engem Raum arbeiten, in laufend anderen Gebäuden und bei fortschreitenden Entwicklungen, das ist eine anspruchsvolle Tätigkeit. Daneben bewirtschaftet Schafroth zu Hause nach wie vor den eigenen Milchwirtschaftsbetrieb. Darum nochmals gefragt: 50 Jahre. Wie hat er das geschafft? Worin besteht das Geheimnis seines Durchhaltevermögens? Für ihn habe einfach immer alles gepasst, sagt er. Die Arbeit, die Teams, der Arbeitsweg und die beiden Chefs. «Der frühere wie auch der heutige Chef haben mir vertraut. Von Anfang an. Sie haben mir unter der Woche die Zeit gelassen, die ich zum Heuen gebraucht habe, zum Emden oder weiss ich was.» 

Auf Baustellen sind unzählige Leute anzutreffen, Architekten, Bauleiter, Monteure, Handwerker und die Bauleute selbst. Wie ist Schafroth damit zurechtgekommen? «Ich halte mich an die Wahrheit», sagt er ernst. «Gegenüber allen und jedem. Es bringt nichts, jemanden anzulügen, oder Fehler zu vertuschen.» 

Gut geplant, ist halb montiert

Ob es manchmal stressig gewesen sei, abends auf der Baustelle nicht ganz fertig zu werden, während zu Hause die Kühe gemolken werden wollten? Genau deshalb lege er grössten Wert auf die Arbeitsvorbereitung, antwortet Schafroth. «Ich bin nicht der, der morgens auf die Baustelle kommt und gleich loslegt. Erst wenn alles bereit und geklärt ist, beginne ich mit der Montage.» Und dann fügt er noch an, man müsse den Kopf sowieso immer bei der Sache haben. Dass es ihm nicht schwer fällt, den Kopf bei der Sache zu haben, hat Christian Schafroth auch auf andere Art bewiesen: Er ist zweifacher Schweizer Meister im Jassen. Im Differenzler, um genau zu sein. 

Was er gerne hört

Wie steht es mit Komplimenten? Gute Arbeit wird in aller Regel hochgeschätzt. Schafroth sagt dazu: «Im Emmental bedanken sich die Bauleute bei den Handwerkern noch mit einer traditionellen Aufrichte. Da kann es vorkommen, dass sie sagen: ‹Sollte ich in meinem Leben je nochmals so etwas bauen, würde ich wieder Ihre Firma wählen.› Das hört man natürlich gerne.» 

Und jetzt, lassen Sie sich feiern? Er nickt und lacht. «Die Firma hat einen Grillabend organisiert. Für die ganze Belegschaft.»

28.07.2022 :: Gabriel Anwander (agl)