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Kinderweisheit

Rösi freut sich, dass wieder Besuch ins Altersheim kommt, dass man draussen sitzen und mit Leuten ins Gespräch kommt. Auch Frieda sitzt hier draussen, mit Tochter und Grosstöchterchen Anna, und sie schauen den Wellensittichen zu. Die kleine Anna setzt sich zu Rösi und erzählt, dass sie mit Mami da ist und das Grosi besuchen. Das sei das Mami von ihrem Mami, erklärt die Kleine voller Stolz. Ja, das sei sehr schön, Besuch von den Kindern zu haben, meint Rösi.  Ob denn ihre Kinder auch kämen, will die Kleine wissen. Nein, sie habe leider keine Kinder, meint Rösi. Es ist eine Weile ruhig, dann fragt Anna ganz ernst: «Ja aber, dann  hast du wenigstens Grosskinder?» 

Die Mutter der Kleinen hört mit und es ist ihr ein wenig peinlich, dass ihr Kind so persönliche Themen anspricht. Sie solle entschuldigen. Kinder redeten manchmal einfach so daher, sie wolle sie nicht bedrängen.

Rösi muss lachen, nein, das sei schon gut und sehr nett von Anna, dass sie sich Gedanken mache.

Später erzählt sie Berthi davon und sie sind sich einig, dass diese Frage keineswegs dumm war, sondern einfach offen, offen für alle Möglichkeiten. Manchmal täte es auch gut, nicht in so festen Schienen zu denken, wie mans als Erwachsene oft tue. Man verpasse so oft Dinge, weil man meine, es gehe nicht.  Manchmal sei es halt dann nicht die Wunschversion oder der eigene Plan. Aber man könne, wenn man die Augen und das Herz offen habe, durchaus bereichernde Wege finden. Ja genau, meint Rösi. Sie habe zwar keine eigenen Grosskinder, dafür Nachbarskinder, die sie immer noch besuchten und ihr Zimmer mit Zeichnungen und allerhand Basteleien schmückten. Genau, meint Berthi, jetzt  habe ich von der kleinen Anna gelernt, was dieser Vers aus  der Bibel  bedeuten kann (Mk.10,27):» Jesus sprach: Bei den Menschen ists unmöglich, aber nicht bei Gott; denn alle Dinge sind möglich bei Gott.»

19.05.2022 :: Jasmin Steffen