Die Lage entspannt sich vorerst

Kanton Bern: Die Gefahr von Hochwasser scheint vorderhand gebannt. Die Pegelstände von Seen und Flüssen sinken kontinuierlich. Zu hoffen bleibt, dass es nun nicht stark regnet.

Bis morgen Freitagmittag überwiegt gemäss Prognosen sonniges und trockenes Sommerwetter. Einzig am Mittwoch steigt die Wahrscheinlichkeit für Regenschauer in den Hochalpen des Berner Oberlands etwas an. Aufgrund der hohen Seestände führt die Aare unterhalb der Seen weiterhin viel Wasser. 

Bielerseepegel stagniert 

Beim Brienzer- und Thunersee sind die Pegel pro Tag um 15 bis 20 Zentimeter gesunken. Auch am Bielersee ist der Pegel zunächst zurückgegangen. Der Abfluss aus dem Bielersee beim Regulierwehr Port beträgt ungefähr 720 Kubikmeter pro Sekunde. Der Abfluss wird somit rund 10 Prozent über dem Maximalabfluss gemäss Regulierreglement reguliert. Möglich macht dies der am Freitag von den betroffenen Kantonen und dem Bundesamt für Umwelt gemeinsam gefasste Beschluss. Nach einem deutlichen Absinken des Bielerseepegels über das Wochenende stagniert der Pegel. «Weil der Pegel des Neuenburgersees inzwischen leicht höher ist als jener des Bielersees, fliesst wieder Wasser aus dem Neuenburgersee in den Bielersee. Der hohe Gesamtzufluss in den Bielersee ist der Grund für die Stagnation beim weiteren Sinken des Bielerseepegels», steht in der Mitteilung des bernischen Regierungsrats.

Bis zum Normalniveau dauert es noch

Vorausgesetzt, dass es keine weiteren Niederschläge gibt, kann davon ausgegangen werden, dass die Hochwassergrenze am Bielersee gegen Ende der Woche unterschritten wird. «Das Erreichen des Normalniveaus wird aber noch längere Zeit dauern. Es kann von einer Grössenordnung von zwei bis drei Wochen ausgegangen werden, sofern während dieser Zeit keine relevanten Niederschläge auftreten», hält der Regierungsrat fest. Der Neuenburgersee wird bei trockenen Verhältnissen sein Normalniveau voraussichtlich erst in rund einem Monat erreichen. 

Die Seepolizei der Kantonspolizei hat in den vergangenen zwei Wochen in den ausgelegten Schwemmholzsperren über 4000 Kubikmeter Treibholz entnommen, fast drei Viertel davon aus dem Thunersee. Bisher rund 1000 Kubikmeter wurden aus dem Bielersee geborgen, wo der hohe Wellengang sowie die starke Strömung die Bergung auf dem See zeitweise verunmöglicht hatte. Das Schwemmholz wird laufend der Verwertung zugeführt (z.B. Fernwärme).

Ilfis, Emme, kleine Emme

Auch die Flüsse im Gebiet der «Wochen-Zeitung» sind wegen der intensiven Niederschläge stark angeschwollen. Bei der Messstelle in Emmenmatt wurde beispielsweise am Donnerstag, 15. Juli, eine Abflussmenge von 217 Kubikmeter pro Sekunde erreicht, was der Gefahrenstufe 2 entspricht. Mittlerweile ist die Menge um über 90 Prozent gesunken und beträgt noch rund 20 Kubikmeter pro Sekunde. 

Der Regierungsrat dankt

«In den letzten Tagen haben verschiedene Organisationen der Städte, der Gemeinden und des Kantons alle Anstrengungen unternommen, um die Schäden durch das Hochwasser so weit wie möglich zu begrenzen. Angehörige der Feuerwehren, der Polizei und der Seepolizei, der Regionalen Führungsorgane, des Zivilschutzes und weiteren Organisationen standen im Dauereinsatz», schreibt der Regierungsrat. Er würdigt ihre Arbeit und bedankt sich bei allen Einsatzkräften und Involvierten. Trotz der teilweise stark belastenden Situation habe auch die Bevölkerung mit grosser Solidarität und dem Einhalten der Regeln wesentlich zur Bewältigung der heiklen Situation beigetragen.

22.07.2021 :: Bruno Zürcher (zue), pd