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Abwarten und Tee trinken

Ich bin am Tee trinken. Nein, nicht irgendeinen Tee! Ich trinke Himbeerblättertee. Die Profis unter euch werden jetzt nicken und genau wissen, in welcher Lebenssituation ich mich befinde. Sie haben recht, ich bin am Warten auf unser erstes Baby. Ja, dieser Tee soll Wehen fördernd sein und wehe das stimmt nicht! Leinsamen essen, Heublumen-Sitzbäder machen, Schwangerschaftsyoga, Dammmassagen, Duftessenzen, Spaziergänge durch den Wald und Trepplein auf und ab gehen. Zum Glück arbeite ich schon einige Wochen nicht mehr, sonst hätte ich ja für alle diese Dinge gar keine Zeit. 

Dann noch all die Präparate, die ich täglich einnehmen muss: Eisen am Morgen mit Orangensaft, Magnesium am Abend und eine kombinierte Vitamintablette noch obendrauf. Ich bin eigentlich die ganze Zeit voll im Schuss und ziemlich gestresst von all den Entspannungsübungen und gesundheitsfördernden Massnahmen. Dazwischen koche ich mir natürlich auch abwechslungsreich und sehr gesund. Ich brauche auch reichlich Zeit für Mantras und Meditationen. Ab und zu kommt mir voller Schrecken in den Sinn, dass ich ja noch für das Kind Fläschchen kaufen sollte oder ein Nuggeli oder eine Wickelunterlage und dann renne ich zwischen den Entspannungsübungen noch schnell in die Stadt, sehr erleichtert, dass ich trotz dem vielen Stress noch an alles denken kann. Dazu kommt, dass ich einen ungeplanten Job übernommen habe. Ich bin nämlich neuerdings noch die Auskunft und ein Sorgen-Telefon. Ich beruhige besorgte Verwandte und Bekannte, weil es noch nicht losgegangen ist bei uns mit der Geburt des Kindes. Ich sage denen, dass schon alles gut kommt und informiere über aktuelle Ultraschall-News. E-Mails, Whatsapp, SMS, Telegramm, Threemaa, Briefe und auch Telefonate, alle warten sie darauf, entgegengenommen und fachgerecht beantwortet zu werden. Ein Familienmitglied hat mich letztens sogar angerufen und gefragt: «Uuund? Bist du noch nicht am Gebären?» Nun ja, was soll man da antworten? Soll man eine Showeinlage wagen und ins Telefon stöhnen: «Doch, ich bin mitten am Gebären, so schön, rufst du mich an, ich kann schon den Kopf sehen.» Oder belässt man es einfach bei einer sachlichen Antwort, die lauten würde: «Nein.» So oder so, meine lieben Leser und Leserinnen, nun seid auch Ihr informiert und ich muss auch schon wieder weiter. Ich muss unbedingt noch den Tee aufkochen. Nicht irgendeinen Tee, Sie wissen  schon, den Himbeerblättertee. Der soll nämlich Wehen fördern, und wehe, das stimmt nicht!

27.05.2021 :: Fabienne Krähenbühl