Wichtig sind Motivation und Deutsch

Wichtig sind Motivation und Deutsch
Filmon Tsegai an der Nagelmaschine für Spezialpalette. Er absolviert seit 2019 die Lehre als Holzbearbeiter. / Bild: Daniel Schweizer
Grünenmatt: Die Firma Lerch Holz AG setzt bei der Ausbildung zum Holzbearbeiter vermehrt auf Personen mit Flüchtlingshintergrund. Ein für beide Seiten erfolgversprechender Ansatz.

Er solle doch den Hammer, wenn dessen Kopf nicht mehr festsitzt, einfach in den Brunnen legen. So die Anweisung von Alexander Lerch an seinen Lernenden aus Eritrea. Dieser hätte ihn ungläubig angesehen und gezögert, bis es Lerch dann dämmerte, dass die Brunnen in Eritrea wohl anders gebaut sind als in der Schweiz und der Hammer dort wohl nicht mehr zu retten gewesen wäre. Alexander Lerch, Geschäftsführer der Lerch Holz AG, einem Sägewerk mit Kistenfabrik in Grünenmatt, muss schmunzeln beim Erzählen dieser Anekdote.


Einst Vorlehre, heute fest angestellt 

Die Firma Lerch Holz AG schreibt jedes Jahr zwei Lehrstellen als Holzbearbeiter/Holzbearbeiterin aus. Die Ausbildung dauert zwei Jahre und führt zu einem anerkannten Abschluss, dem eidgenössischen Berufsattest (EBA). Es habe sich aber gezeigt, so Lerch, dass bei Schweizer Bewerberinnen und Bewerbern das Interesse und die Motivation häufig nicht stark ausgeprägt seien. In einem Ausbildungslager für Helfer des Christlichen Vereins junger Menschen CVJM sei ihm ein Flüchtling aus Afghanistan aufgefallen. «Das war», so Lerch, «ein wirklich flotter Typ.» Er habe ihm dann in der Folge eine Vorlehre in seinem Betrieb angeboten, und der Mann sei jetzt bei ihm fest angestellt. Diese Erfahrungen habe ihn motiviert, bei der Besetzung der Ausbildungsplätze den Fokus auf Personen mit Flüchtlingshintergrund zu richten. Zudem sei in seinem Betrieb – insbesondere in der Produktion von Spezialpaletten – ein Arbeiten ohne hohe Sicherheitsanforderungen und ohne allzu grosse technische Hürden und Erläuterungen gut möglich. 

Wichtig seien für ihn die Motivation und genügend Deutschkenntnisse, betont Lerch. Ohne letztere seien weder im Betrieb noch in der Berufsschule die Lernziele zu erreichen. 


Gut aufgenommen worden

Seine Erfahrungen mit diesem Ausbildungskonzept sind für Alexander Lerch bis anhin sehr gut; dies nicht zuletzt auch deshalb, weil die Lernenden von den Mitarbeitenden gut aufgenommen und bestens im Betrieb integriert seien. Zwei Lernende hätten inzwischen die Ausbildung mit Erfolg bestanden; einer von ihnen habe auch eine Festanstellung gefunden. Auch fürs laufende Jahr biete er zwei Lehrstellen an, wovon eine noch nicht besetzt sei.

Zwar, so führt Lerch weiter aus, liege der Fokus der Betreuung auf dem beruflichen Aspekt, doch sei es für ihn selbstverständlich, seinen Leuten auch im privaten Bereich, falls nötig, unter die Arme zu greifen. So habe er gerade kürzlich einem Lernenden aus Eritrea eine Unterkunft vermitteln können.

Im Oktober 2021 feiert das Unternehmen sein 150-jähriges Bestehen. Schön, wenn die beiden Lernenden, welche im August ihre Prüfungen ablegen werden, ihren erfolgreichen Abschluss gleich mitfeiern könnten.

Filmon Tsegai ist vorläufig aufgenommen

Filmon Tsegai aus Eritrea ist seit fünf Jahren in der Schweiz. Er gilt als vorläufig aufgenommener Ausländer (Ausweis F). Er hat nach einer Schnupperwoche 2019 mit der Ausbildung zum Holzbearbeiter begonnen. Er fühle sich, so Tsegai, bestens integriert im Team von Lerch Holz. Und auch wenn der Ausbildungslohn etwas höher ausfallen könnte – sein Chef ist inzwischen ausser Hörweite – gefalle ihm die Arbeit bestens. Er sei zuversichtlich, diese Erstausbildung erfolgreich abschliessen zu können, um dann eine Festanstellung oder allenfalls eine weiterführende Ausbildung in Angriff zu nehmen.

29.04.2021 :: Daniel Schweizer