Nach 25 Jahren geben Susanne und Bernhard Krähenbühl die Verantwortung für ihre Tierarztpraxis ab. / Bild: Christina Burghagen (cbs)
Langnau: Per 1. Januar übergeben Susanne und Bernhard Krähenbühl ihre Tierarztpraxis am Bahnhof in jüngere Hände. Sie blicken auf eine schöne und intensive Zeit zurück.
«Uns ist es wichtig, dass die Praxis reibungslos weiterläuft», versichern Susanne und Bernhard Krähenbühl wie aus einem Munde. Der Faustregel folgend, schon Jahre vor der Pensionierung über eine Übernahme nachzudenken, sei jetzt der richtige Zeitpunkt aufzuhören. Nach rund 25 Jahren im Dienst der Tiergesundheit setzt sich das Ehepaar zur Ruhe. «Wir machen jetzt noch den Weihnachtsdienst und halten uns dann ganz raus, damit sich das neue Team entfalten kann.» Die Geschäftsführung besteht ab Jahresanfang nun aus Roland Lanz, Wiederkäuer, Pferdezahnmedizin, Daniela Hulsebos-Vogelsang, Kleintiere, und Martin Blaser, Chirurgie, Grosstiere.
Herausfordernde erste Jahre
Susanne und Bernhard Krähenbühl lernten sich im ersten Semester ihres Tierarztstudiums an der Universität Bern kennen. Bald schmiedete das junge Paar Pläne für eine eigene Praxis. Fündig wurden sie 1996 in Langnau, wo sie an der Bahnhofstrasse 3 die Praxis von Hans Müller übernahmen. Ein Kraftakt, wie sich herausstellte: Denn zwei kleine Krähenbühls, Sohn und Tochter, forderten ebenfalls Aufmerksamkeit, nebst aufwändigen Renovierungsarbeiten am Haus. Hinzu kam die Grosstierpraxis als zweiter Standort in Trubschachen. Als sei das nicht genug, bekam Bernhard Krähenbühl massive Rückenprobleme. «Es war eine harte Zeit», erinnert sich seine Frau, «aber wir haben das durchgestanden!» Im oberen Teil des Hauses lebte die junge Familie, unten befanden sich die Praxisräume. Treppauf, treppab pendelte das Tierarztpaar zwischen Privat- und Berufsleben, doch nach ein paar Jahren platzte die Praxis aus allen Nähten. 2002 folgte der Umzug an die Bahnhofstrasse 29, wo die Praxis ein Stockwerk erwerben konnte. Ein Röntgenraum und jede Menge weitere Arbeitsplätze waren nun möglich.
Inzwischen beschäftigt die Tierarztpraxis am Bahnhof AG 23 Mitarbeitende. Während Bernhard für die Grosstiere zuständig war, widmete sich Susanne Krähenbühl den Kleintieren. «In der Medizin ist es wichtig, einen Schwerpunkt zu setzen, um bei der Weiterbildung am Ball bleiben zu können», erklärt die Kleintier-Ärztin. Grosstiere zu behandeln, hätte sie sich als Bauerntochter allerdings auch vorstellen können.
Die Katze im Ofen
Viele Geschichten sind in 25 Jahren zusammengekommen. Glücklich endende wie traurige. Was die beiden immer beschäftigt, sind Tiere, die vernachlässigt oder zu spät zum Arzt gebracht werden. Schwierig seien auch Fälle, bei denen die Halterinnen und Halter ihr Tier nicht gehenlassen können, obwohl es leidet. Herausfordernd war auch Orkan Lothar 1999: Bernhard Krähenbühl war auf dem Weg zu einer kranken Kuh, musste aber immer wieder aus dem Auto steigen und die Strasse freiräumen. Er kam zu spät.
Susanne Krähenbühl ihrerseits erinnert sich an einen Welpen-Hausbesuch bei einer Zucht für Berner Sennenhunde. «Die Tiere waren luxuriös untergebracht, aber die Züchterin lebte in jämmerlichen Verhältnissen.» Das habe sie sehr irritiert. Einmal steckte eine Katze in einem Schwedenofen: Das Tier war im kalten Ofen steckengeblieben. Eine Betäubungsspritze habe dann dafür gesorgt, dass die Katze herausgezogen werden konnte. Oft begegneten den beiden auch Markknochen, die sich um den Unterkiefer von grossen Hunden verkeilten. Dann musste das Tier «plem» gespritzt und der Leckerbissen mit Sägedraht zerteilt werden. Beide müssen lachen, wenn sie die Geschichte eines anderen Hundes erzählen, der Gift gefressen hatte. Er kotzte ein Päckchen mit der Aufschrift «Nicht einnehmen»... und überlebte!
Weiterhin Amtstierarzt
Das Paar mit Jahrgang 1961 und 1963 geht es nun langsamer an. Aber zur Ruhe setzen, steht noch nicht auf dem Programm. Die beiden teilen ihr Zuhause mit den Katern Leonardo, Dante und Julius, die als Findeltiere zu ihnen kamen. Susanne Krähenbühl freut sich, mehr Zeit mit ihrer Mutter zu verbringen. Auch ab und zu eine Praxisvertretung kann sie sich vorstellen oder auch die Seniorenuni. Bernhard Krähenbühl wird weiter als Amtstierarzt tätig sein. Was das Schönste in ihrem Beruf sei, weiss das Paar sofort: Geburten!