Schmerzphysio ist neuer Schwerpunkt

Schmerzphysio ist neuer Schwerpunkt
Kay-Uwe Hanusch ist Experte in Schmerzphysiotherapie. / Bild: zvg
Emmental: Vor Kurzem hat erstmals in der Schweiz der Schwerpunkt Schmerzphysiotherapie an der Berner Fachhochschule gestartet. Leiter ist Kay-Uwe ­Hanusch vom Spital Emmental.

In der Schweiz leiden rund 16 Prozent der Bevölkerung an chronischen Schmerzen. Diese bedingen in der Physiotherapie andere Ansätze als akute Schmerzen. «Viele Physiotherapeutinnen und -therapeuten tun sich erfahrungsgemäss noch sehr schwer im Umgang mit dieser speziellen Patientengruppe und fühlen sich verunsichert. Zum einen fehlt es ihnen an Sicherheit, um die Behandlungssituation richtig einzuschätzen, und zum anderen an adäquaten Behandlungsoptionen, um die Schmerzerkrankungen positiv zu beeinflussen», sagt Kay-Uwe Hanusch, Abteilungsleiter der Physiotherapie des Spitals Emmental und Schmerzspezialist SPS (Swiss Pain Society).  

BFH in der Vorreiterrolle 

Um Fachpersonen für Schmerzphysiotherapie auszubilden, hat Kay-Uwe Hanusch gemeinsam mit der Berner Fachhochschule (BFH) das Konzept für den neuen Schwerpunkt Schmerzphysiotherapie entwickelt, den die Studierenden im Rahmen des Masterstudiengangs Physiotherapie belegen. Er hat ein Team an nationalen und internationalen Dozenten und Dozentinnen auf die Beine gestellt und hält selber einen Grossteil der Vorlesungen. «Die BFH ist schweizweit die erste Hochschule, die das Angebot Schmerzphysiotherapie im Vorlesungsverzeichnis aufführt», schreiben das Spital Emmental und die BFH in einer gemeinsamen Mitteilung. Im Laufe des Studiums entwickelten sich die Studierenden zu Spezialisten im Bereich der nicht-ärztlichen Schmerztherapie. «Sie erfahren, wie nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen Schmerzerkrankungen entstehen und wie diese zwischen chronisch, psychosomatisch, neuropathisch und anderen differenziert werden können.» Zudem lernten sie, Schmerzen adäquat zu analysieren und zu interpretieren sowie entsprechende Behandlungskonzepte zu entwickeln. 

«Die Absolventinnen und Absolventen werden eine wichtige Versorgungslücke schliessen. Durch ihre Expertise und die interprofessionelle Zusammenarbeit schützten sie Patientinnen und Patienten mit Schmerzerkrankungen vor unnötigen Behandlungen, so Kay-Uwe Hanusch.

08.10.2020 :: pd