Was wissen wir schon?

Ein kleines Virus hat in den letzten Monaten nicht nur unsere Welt durcheinandergewirbelt, sondern auch unsere Weltanschauung. Was vorher selbstverständlich war, gilt plötzlich nicht mehr. Was darf man und was muss man eigentlich? Wer sagt die Wahrheit? Wem darf man glauben? Soll man vorsichtig sein, Maske tragen und sich impfen lassen, so bald das möglich ist? Oder ist genau das schädlich? Dürfen wir der Regierung trauen oder ergreift sie gerade jetzt die günstige Gelegenheit, uns zu bevormunden und zu missbrauchen? In Zeiten, wo Forscher sich öffentlich gegenseitig widersprechen, schwindet auch das Vertrauen in die Wissenschaft. Stimmt das, was mein Arzt sagt? Aber vielleicht wird uns heute nur klar, dass wir schon immer gar nicht so viel wussten. Und mehr glaubten. Wir wähnten uns in Sicherheit und merken jetzt, wie trügerisch sie war. Halten wir diese Ungewissheit aus? Es ist bequemer, denen zu glauben, die es ganz genau wissen, die auf alle Fragen eine klare Antwort haben. Aber eine solche Sicherheit gibt es nicht im Leben. Wir müssen mit Widersprüchen leben, sind ja auch selber manchmal widersprüchlich. Wir müssen Entscheidungen treffen, ohne zu wissen, ob es richtig ist. Wir gehen unseren Weg, ohne Garantie, dass wir dort ankommen, wo wir möchten. Wir können nur vertrauen, dass da ein Gott ist, der mit uns durch dieses Wagnis geht und uns beisteht, wenn wir aufrichtig sind. Wir können darauf vertrauen, dass er uns Gaben mitgegeben hat, die uns helfen: Unseren gesunden Menschenverstand, unsere lieben und kritischen Mitmenschen – und auch eine grosse Portion unverdientes Glück. Und wir können darauf vertrauen, dass es mit unserem Leben gut kommt, auch wenn nicht -alles nach unseren Plänen läuft. Und irgendwann werden wir es wissen…

20.08.2020 :: Samuel Burger