«Hier möchte ich wieder einmal hin»

«Hier möchte ich wieder einmal hin»
Die engste Stelle der Schlucht – welche jahrelang verstopft war – kann nun wieder passiert werden. / Bild: Pedro Neuenschwander (pnz)
Schangnau/Eggiwil: Nach sechs Jahren Sperrung als Folge der Verstopfung durch das Unwetter 2014 ist das Räbloch nun geräumt und seit drei Wochen wieder hindernislos begehbar.

«Seit rund 65 Jahren durchquere ich die Räblochschlucht vier bis fünf Mal jährlich. Schon mein Vater hat mich als junger Bursche in die Schlucht mitgenommen», sagt der rüstige 76-jährige Tourenleiter Hans Hiltbrunner aus Aeschau. Nach dem Architekturstudium betrieb Hiltbrunner die vom Vater übernommene Sägerei in Aeschau bis in die Neunzigerjahre. Anschliessend leitete er für eine Reisegesellschaft Canyoning- und Kanureisen in diversen europäischen Ländern. Learning by doing ist seine -Devise. Dabei halfen ihm die militärischen Gebirgskurse, die Risiken einzuschätzen und allfällige Rettungs-
aktionen zu meistern. «Lange sechs Jahre musste ich warten, bis ich die Schlucht nach der Verstopfung wieder durchqueren konnte. Heute ist meine zweite Begehung als Führer nach der Räumung», gibt Hiltbrunner voller Tatendrang bekannt.

Muntere Gästeschar

Hiltbrunner sitzt im «Löwen» Schangnau und wartet auf seine heutigen Gäste: Beatrice, Cornelia, Lydia und Gregor, die sich schon aus der Schulzeit kennen, sowie Markus und Albin. Sie fassten schon lange den Entschluss, eine Räbloch-Durchquerung zu wagen. Nach der Begrüssung und dem Kennenlernen gehts ab zur Emme runter. Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen: Als erstes müssen die zwei Boote bereitgestellt, Helme zum Schutz vor Steinschlag aufgesetzt und Schwimmwesten angezogen werden. In wasserdichten Plastiktaschen werden die eigenen Utensilien eingepackt. 

Endlich kann die Erkundung beginnen. Die Spannung über das bevorstehende Abenteuer ist bei den Teilnehmern spürbar. Der Einstieg in die Schlucht, die ersten 100 Meter, sind ziemlich beschwerlich und nicht jedermanns Sache. Über Steine, Felsbrocken und durch reissendes Wasser erreicht man die erste Vertiefung der Emme. Heruntertropfende Wasserperlen fallen auf die Teilnehmer. Der tiefblaue Himmel leuchtet hoch über den Köpfen und zaubert eine tolle Stimmung in die Schlucht. Hans Hiltbrunner führt das erste Boot mit drei Passagieren sicher durch die verengte, tiefe Wasserstelle. Gregor übernimmt gekonnt das zweite Boot, «beladen» mit den gut gelaunten Kollegen. Hindernis um Hindernis wird zu Fuss und per Boot bewältigt. Vor dem Tunnel, über den weit oben der Wanderweg quert, gibts eine willkommene Zwischenverpflegung. Die Fahrt durch die enge, rund 1,5 Meter breite und 50 Meter lange Tunnelröhre – die noch vor zwei Monaten mit Holz und Schlamm verstopft war – stellt ein Highlight der heutigen Expedition dar. Glücklich und froh meistern die Teilnehmer die letzten Hürden. Nach dem erfrischenden Bad in der Emme erfolgt noch das Tüpfchen auf dem «i». Der steile Aufstieg zur Schallenbergstrasse fordert die Teilnehmer ein letztes Mal. 

«Schön, dass wir dieses Abenteuer realisieren durften, Flusswandern könnte meine neue Leidenschaft werden», meinte Beatrice am Ende des Tages zufrieden. «Die Nagelfluhwände und die wilde Emme sind spektakulär und herrlich abgelegen. Hier möchte ich wieder einmal hin», ergänzt Gregor. Und Albin hakt nach: «Es hat mich einmal mehr erstaunt, welch schöne Plätze und Orte es in der Schweiz und besonders in unserer Nähe gibt.»

Absolute Vorsicht ist geboten

Während früher ein alter Velo- oder Autoschlauch zur Sicherheit diente, sind heute Schwimmwesten unumgänglich, um das Räbloch passieren zu können. Ein Boot zum Durchqueren tiefer und enger Passagen ist ratsam, wobei diese Stellen auch durchschwommen werden können. Wer eine Begehung plant, tut gut daran, Hiltbrunners Ratschläge zu befolgen: «Der Wasserstand muss ideal und die Luft warm sein. Stabiles, schönes und beständiges Wetter ist Voraussetzung», gibt Hans Hiltbrunner bekannt. «Schon einige Durchquerer wurden durch plötzlich steigende Wasserführungen der Emme als Folge von überraschenden Gewittern weit hinten im Tal überrascht und benötigten Hilfe», führt der routinierte Tourenleiter aus.

Buchungen für Räbloch-Gruppenführungen nehmen entgegen: Christian Wüthrich, Mobile 079 327 40 30 und Hans Hiltbrunner, Mobile 079 697 44 48.