Differenzen im Verwaltungsrat der ARA Kiesental AG

Differenzen im Verwaltungsrat der ARA Kiesental AG
Die ARA in Kiesen soll ausgebaut werden, um auch das Abwasser aus dem oberen Kiesental reinigen zu können. / Bild: zvg
Kiesental: Unruhe im Verwaltungsrat der ARA Kiesental AG: Der Präsident und ein Mitglied treten zurück. Auch der Geschäftsführer hat gekündigt. Ist das ARA-Projekt in Gefahr?

Moritz Müller aus Bowil mag seinen Rücktritt aus dem Verwaltungsrat der ARA Kiesental AG nicht kommentieren. Nur so viel: Er habe auf den 5. Mai kurzfristig demissioniert. Seinen Rücktritt erkärt hat auch Verwaltungsrat Walter Hostettler, offiziell auf die nächste Generalversammlung hin. Bei Geschäften rund um die Planung des ARA-Projekts in Kiesen (siehe Kasten) sei er aber per sofort nicht mehr dabei. Hostettler war zudem bis zum Ablauf der Amtszeit Ende Juni Vizepräsident der ARA Oberes Kiesental, eine der drei Aktionärinnen der ARA Kiesental AG. «Wir stehen nach wie vor hinter der Idee, gemeinsam die ARA in Kiesen auszubauen und zu betreiben; das macht finanziell und ökologisch Sinn.» Jedoch hapere es im Verwaltungsrat auf zwischenmenschlicher Ebene. Nicht alle beteiligten ARA würden gleichwertig behandelt. Mit seinem Rücktritt wolle er ein Zeichen setzen und wachrütteln, denn ein Scheitern des Projekts sei nicht ausgeschlossen. «Dann stünden wir vor einem Scherbenhaufen», betont Hostettler. 

In Zugzwang sind die beiden ARA Oberes Kiesental und Grosshöchstetten, deren Betriebsbewilligung ausläuft (siehe Kasten). Hingegen besteht in Kiesen kein Handlungsbedarf. 

Geschäftsführer geht auch

Ebenfalls auf die nächste Generalversammlung hin zurücktreten wird der Geschäftsführer der ARA Kiesental AG, Heinz Berger von der Finances Publiques AG in Bowil. Er hat dieses Mandat auf Neujahr 2019 übernommen. Als Grund führt er unterschiedliche Meinungen innerhalb des Verwaltungsrates an. Ebenfalls legt er sein Amt als Kassier und Sekretär bei der ARA Unteres Kiesental nieder; dasselbe Mandat bei der ARA Oberes Kiesental behält er. An und für sich sei das Projekt, miteinander eine ARA zu bauen für die Region, eine gute Sache. «Es gibt aber natürlich verschiedene Möglichkeiten, wie man ein solches Projekt angehen kann; dazu gab es im Verwaltungsrat Differenzen.»  

Fünfmal mehr Land gesichert 

Herbert Riem, Vizepräsident des Verwaltungsrats der ARA Kiesental AG und Präsident der ARA Unteres Kiesental, will sich nicht zu den Vorkommnissen im Verwaltungsrat äussern. Man werde nach der GV im September informieren. Dort würden die weitere Strategie besprochen und Wahlen abgehalten.

Im Geschäftsbericht 2019 der ARA Unteres Kiesental schreibt er, dass seine Orientierungen zum ARA-Projekt immer ähnlich klingen würden. «Tatsächlich geht es mir auch zu wenig schnell. Wir sind ein Gremium und Einigkeit ist halt eine zwingende Voraussetzung für Fortschritte.» 

Derzeit würden die Vorabklärungen zum Bauprojekt laufen, schreibt Herbert Riem weiter. Im März 2020 habe man mit der Rechtsamegemeinde Kiesen (eine Gesellschaft von Waldbesitzern nach altbernischem Recht) einen Baurechtsvorvertrag unterschrieben. Damit sichere sich die ARA Kiesental AG 20’000 Quadratmeter Land, um darauf die neue Anlage zu planen. Entschädigt werde am Schluss nur die Fläche, die tatsächlich beansprucht werde, hält Riem fest. 

Der siebenköpfige Verwaltungsrat der ARA Kiesental AG rechnet offenbar damit, dass es für den Ausbau der Anlage in Kiesen deutlich mehr Land brauchen wird als urspünglich angenommen. Zu Beginn ging man von 4000 Quadratmetern aus. 

Politik und Volk müssen zustimmen

Der nächste Planungsschritt in den Jahren 2021, 2022 und 2023 werde das Bauprojekt umfassen, hält Herbert Riem im Geschäftsbericht 2019 der ARA Unteres Kiesenal weiter fest. Anschliessend könnten die Gemeinden der Region über die neue ARA befinden. «Vorausgesetzt die politischen Instanzen und die Bevölkerung stimmen dem Projekt (...) zu, bauen wir zwischen 2023 und 2028 unsere neue Abwasserreinigungsanlage beim heutigen Standort Kiesen.» 

Und wenn das Projekt scheitert? Die ARA in Kiesen hätte lediglich finanziellen Schaden, denn sie kann, anders als die beiden andern, ihre Anlage weiterbetreiben. Dazu schreibt Riem im Geschäftsbericht 2018 der ARA Unteres Kiesental, dass die Planung des Zusammenschlusses 2,5 Millionen koste, abzüglich kantonaler Beiträge. «Unser maximales Risiko bei einem allfälligen Scheitern beträgt 375’000 Franken.»

Drei ARA planen 50-Millionen-Projekt

Die Betriebsbewilligung des Kantons für die ARA Oberes Kiesental in Freimettigen wird 2030 und jene für die ARA Grosshöchstetten 2035 auslaufen. Dies hauptsächlich deshalb, weil die Gewässer, in die das gereinigte Wasser abgeleitet wird, zu klein sind, um eine ausreichende Verdünnung zu gewährleisten. Aus diesem Grund soll die ARA Unteres Kiesental in Kiesen ausgebaut werden. Das ganze Projekt kostet rund 50 Millionen Franken. So könnte das Abwasser aus dem Raum Konolfingen und Grosshöchstetten künftig in Kiesen gereinigt werden. Zu diesem Zweck haben die drei ARA (Oberes Kiesental, Unteres Kiesental und Grosshöchstetten) 2014 die ARA Region Kiesental AG gegründet. 

Die Variante, zusammen mit Münsingen im Aaretal eine neue Gross-ARA zu bauen, fand während der Mitwirkung Ende 2016 insbesondere bei den Gemeinden des Unteren Kiesentals kein Gehör, worauf sich Münsingen zurückzog.