Ein bald 100-jähriges Denkmal mit Bezug zur heutigen Corona-Pandemie

Ein bald 100-jähriges Denkmal mit Bezug zur heutigen Corona-Pandemie
1921 wurde das Soldatendenkmal eingeweiht. Im Hinblick auf das Jubiläumsjahr soll es saniert werden. / Bild: Benjamin Stocker-Zaugg (sbr)
Langnau: Es erinnert an den Ersten Weltkrieg und an die heute noch bekannten «40er»: Das Soldatendenkmal ist ein Stück regionaler Militärgeschichte. Nun soll es gründlich saniert werden.

Die Jahrzehnte haben ihre Spuren am Denkmal hinterlassen, viele der Bodenplatten sind brüchig geworden, dazwischen wuchern Grasbüschel und Kleeblätter. «Die alten Platten rund um das Denkmal stammen noch aus dem Jahr 1921, als es eingeweiht wurde», erklärt Andy Schmutz bei einer Besichtigung. «Zudem haben sich viele Platten verschoben oder abgesenkt, es besteht Stolpergefahr.» Die Offiziersgesellschaft (OG) Langnau und Umgebung, die seit 2007 für den Unterhalt des Denkmals sorgt, hat sich deshalb im Hinblick auf das Jubiläumsjahr 2021 zu einer Gesamtsanierung entschlossen. Andy Schmutz weiter: «Es ist nicht möglich, nur einzelne Platten zu ersetzen, es müssen alle erneuert werden. Zudem wollen wir die eingemeisselte Schrift auffrischen, da viele Namen kaum mehr lesbar sind.» Schliesslich soll eine Tafel angebracht werden, die über die Geschichte des Denkmals informiert. 

An der Spanischen Grippe gestorben

Das Soldatendenkmal auf dem Kirchhof in Langnau ist eine imposante Erscheinung. Es besteht aus mehreren Steinblöcken, die eine Bronzefigur mit Helm, Fackel und Schwert tragen. Gewidmet ist es den Wehrmännern des Gebirgsbataillons 40, die während des Ersten Weltkrieges starben – die meisten von ihnen an der Spanischen Grippe. Zur Bedeutung des Monuments befragt, äussert sich Andy Schmutz, der die OG Langnau präsidiert, wie folgt: «Das Soldatendenkmal erinnert mich an das Leben unserer Vorfahren, das zu jener Zeit deutlich mühsamer und trister war als unser heutiges. Ein grosser Teil der arbeitsfähigen Männer wurde zum Dienst am Vaterland eingezogen. Aufgrund fehlender Hygiene, ungenügender Ernährung sowie beengter Unterbringung breitete sich die Spanische Grippe rasch aus und brachte den Tod zu den Soldaten und zur Zivilbevölkerung.» Im Banne der aktuellen Pandemie komme deshalb dem Denkmal eine neue Bedeutung zu!

Erinnerung an die «40er»

Viele Soldaten des Gebirgsbataillons 40 lebten in der Region Oberemmental und Lützelflüh, deshalb waren die «40er» in der Region gut verankert. Ein Kenner des 1937 aufgelösten Emmentaler Bataillons ist Alt-Regierungsstatthalter Simon Bichsel: «Man kannte sich nicht nur vom Militärdienst, sondern pflegte untereinander auch wirtschaftliche Beziehungen und tauschte sich beispielsweise auch anlässlich des Marktes in Langnau aus. Langnau war nicht nur das geografische und wirtschaftliche Zentrum, sondern auch Einrückungs- und Mobilmachungsort.» Aus heutiger Sicht wichtig sei die Solidarität, die es in der Truppe gab: «Schon ein halbes Jahrhundert vor der Einführung der Erwerbsersatzordnung auf Bundesebene wurde ein bataillons-interner Unterstützungsfonds geäufnet. Wer einen höheren Sold hatte, legte einen Teil davon in einen Fonds zur Unterstützung bedürftiger Wehrmänner.»

Kosten und Baubeginn

Für die Sanierung rechnet die Offiziersgesellschaft mit Kosten von 25’000 bis 30’000 Franken. Allerdings könne nur ein Teil aus dem vorhandenen Vermögen finanziert werden. Es gebe zur Deckung der Kosten mittlerweile Zusagen von verschiedenen Institutionen, von der reformierten Kirche Langnau und von Einzelpersonen, sagt Andy Schmutz. Im August soll mit der Auswechslung der Bodenplatten ein erster Sanierungsschritt realisiert werden. Geplant ist, dass alle Arbeiten am 31. Juli 2021 abgeschlossen sind. Dann nämlich will die Offiziersgesellschaft das 100-jährige Bestehen des Soldatendenkmals feiern; dazu sind auch Zaungäste willkommen!

Auch in der Schweiz gab es Kriege

Das Soldatendenkmal steht auf dem Kirchhof in Langnau nicht alleine da. Zwei weitere Ehrenmäler erinnern an Konflikte vergangener Zeiten. Links neben dem Eingang zur Kirche finden Besucher einen Pylon, der an den Sonderbundskrieg von 1847 erinnert. Unter einem Schwert mit Kranz sind die Namen der damals gefallenen Berner eingraviert. Der Sonderbundskrieg war die letzte militärische Auseinandersetzung in der Schweiz; mehrere katholische Kantone schlossen sich zum Sonderbund zusammen, der die Schaffung eines zentralen Bundesstaates ablehnte. Einen direkten Bezug zur Region gibt es beim Leuenbergerdenkmal, das gut sichtbar unterhalb der Kirchenmauer am Bärenplatz steht. Der Findling erinnert an den Bauernführer Niklaus Leuenberger aus Rüderswil, der im Sommer 1653 zusammen mit Christian Schybi ein Bauernheer gegen die Truppen der Tagsatzung anführte. Zum Konflikt kam es, weil die Landbevölkerung nach dem Ende des Dreissigjährigen Krieges zunehmend unter den auferlegten Lasten der Obrigkeit zu leiden hatte.