«Auch den anderen fehlen die Trainings»

«Auch den anderen fehlen die Trainings»
Abtun will geübt sein: Die Jüngsten bekommen kleine Schindeln und beginnen mit Tennisbällen. / Bild: Olivia Portmann (opk)
Hornussen: Bei den Erwachsenen war es relativ schnell klar: Die Meisterschaft wird abgesagt. Der Hornusser-Nachwuchs hingegen darf sich nun doch noch messen. Die Freude ist gross.

Das T-Shirt ist so lang, dass auch die Hose damit verdeckt wird und die Schindel ist fast zu schwer, als dass sie getragen werden könnte. Die kleinsten Hornusser der HG Oberdiessbach sind aufgeregt, dürfen sie endlich wieder ins Training. Die grösseren freuen sich ebenso, gibt es endlich wieder etwas anderes nebst der Schule. Sie stehen nicht nur cool herum, sondern helfen tatkräftig bei den Vorbereitungen mit: Da die Abdeckung wegnehmen, dort noch einen Kübel Nousse bereitstellen. Bei den Nachwuchshornussern sind Kinder und Jugendliche vom Kindergartenalter bis 16 Jahre alle in der gleichen Mannschaft. 

Dann sind alle bereit für das zweite Training dieser Saison. 20 Kinder und Jugendliche zählt der Oberdiessbacher Nachwuchs. «Wir sind stolz auf diese grosse Zahl», erzählt Peter Lüthi, der als Helfer des Nachwuchsbetreuers, die Liste der Anwesenden führt. Auch das ist ein Teil des Corona-Schutzkonzepts, dass stets nachverfolgbar ist, wer wann im Training war. Ansonsten läuft alles fast wie gewohnt.


Ordnung muss sein

Während die Grossen sich auf dem Ries einlaufen, bekommen die Kleinen die Instruktionen, wie und wo sie ihr Material holen können. «Jeder hat ein Fächli mit seinem Helm drin und auch die Schindel ist angeschrieben», erklärt Lüthi. «Schaut genau, wie es versorgt ist, bevor ihr es nehmt, damit ihr wisst, wie ihr es am Schluss wieder einräumen müsst.» Mittlerweile hätten sie schon fast zu viele Kinder für eine Gruppe, erklärt Lüthi weiter. Aber zum Glück haben sie genug Betreuer, die den Nachwuchsverantwortlichen Sandro Stettler unterstützen. «So können wir die Gruppe teilen, zwei nehmen sich den jüngeren an und die anderen arbeiten mit den älteren.» 

Die Jüngeren haben sich nun, mit Helm und Schindeln ausstaffiert, in eine Reihe gestellt und werden vom ebenfalls mithelfenden Betreuer Stefan Dänzer mit Tennisbällen beworfen, die sie mit ihren kleinen Schindeln abtun müssen. Das ist ein Spass, und jeder will mal zuvorderst sein. «So lernen sie spielerisch und tasten sich langsam an den harten Nouss heran», erklärt Dänzer. Die Trainings der Nachwuchshornusser unterstehen dem Jugend- und Sport-Programm. Alles wird ganz genau durchdacht und geplant, erklärt der Vizepräsident, Urs Vogel, der ebenfalls bei den Jüngsten mithilft. «Während es bei den Älteren hauptsächlich um den Feinschliff des Abschlags geht, schaut man bei den Kleinen, dass es Spass macht und die Bewegung nicht zu kurz kommt.» Da werde polysportiv gearbeitet, etwa mit Stafetten. Beim Abschlagen brauche es Geduld, einerseits bis jeder seinen Platz eingerichtet habe und andererseits bis es klappe und der Nouss richtig fliege, so Vogel.


Zwischendurch braucht es eine Pause

Die Jüngeren brauchen nach einer Stunde eine kurze Pause. Dabei erzählen die zwei Schwestern Alina und Joline Eisenhut aus Herbligen, wie sie sich darauf gefreut haben, endlich wieder ins Hornussen kommen zu dürfen. «Am liebsten schlage ich», erklärt die bald neunjährige Joline. Aber beim Abtun müsse sie noch üben, richtig hinzustehen und die Schindel gerade hochzuhalten. Auch der gleichaltrige Silas Vogel freut sich, wieder mit dem Spaten seinen Abschlagplatz vorbereiten zu können und erzählt stolz: «Ich habe schon getroffen!» Während die Jüngeren ständig in Bewegung sind, kommt es bei den Älteren vor, dass man mal warten muss bis man an der Reihe ist. Bekommt einer beim Schlagen noch zwei, drei Tipps vom Trainer, so wartet der nächste bis er dran ist. Der 15-jährige Lukas Huber aus Brenzikofen erzählt: «Das Schöne am Hornussen ist, dass man nicht alleine schuld ist, wenn man verliert. Ich freute mich darauf, die Kollegen zu sehen und wieder etwas anderes machen zu können, als nur an die Schule zu denken.» Auf die Meisterschaft angesprochen, hat er klare Vorstellungen: «Wir dürfen die Gegner nicht unterschätzen. Schön wäre es, wenn wir jeden Match gewinnen könnten und so wenig Nummern wie möglich kassieren würden.» Auch der gleichaltrige Remo Dubach aus Brenzikofen würde sich über den Erfolg freuen, hat aber doch noch einige Bedenken: «Ich hoffe einfach, dass wir das mit dem Virus in den Griff bekommen. Im Training habe ich keine Angst, da kenne ich ja alle. Aber bei den Meisterschaftsspielen treffen wir  ja auch auf andere.» Was die fehlenden Trainings anbelangt, meint er: «Die anderen konnten ja auch nicht trainieren, also ist es für alle gleich.»

Am 27. Juni geht es los für die Nachwuchshornusser

Jede Mannschaft bestreitet vier Spiele für die Meisterschaft. Die Paarungen werden vom Zweckverband ausgelost. Die erste Runde findet am 27. Juni statt und die letzte muss spätestens am 22. August gespielt werden. Bei einem Spiel treten jeweils 16 Kinder und Jugendliche gegeneinander an. Im Nachwuchs darf man spielen bis zu dem Jahr, in welchem man 16 Jahre alt wird. Das Ries wird separat abgesteckt, das erste Zieli steht 50 Meter vom Bock entfernt. Die Rieslänge beträgt 150 Meter und ist in Felder von zehn Metern unterteilt. Jedes Feld bedeutet einen Wertungspunkt. Bei einem Match gibt es jeweils zwei Durchgänge, wobei jede Mannschaft zweimal am Bock schlägt und zweimal im Ries abtut. Beim Schlagen hat jeder Spieler vier Chancen. Es werden die Einzelwertungen notiert und für die Mannschaftswertung werden alle Punkte addiert. Spielentscheidend sind jedoch, wie bei den Grossen, die Nummern. Wer weniger hat, gewinnt.

25.06.2020 :: Olivia Portmann (opk)