Ein Oberburger Schwesternduo auf dem Weg an die Radsportspitze

Ein Oberburger Schwesternduo auf dem Weg an die Radsportspitze
Auch die repräsentativen Anlässe gehören zum Profi-Dasein wie der Sport selber: Fabienne (links) und Noëlle Buri. / Bild: zvg
Radsport: Die beiden Schwestern Noëlle (19) und die 21-jährige Fabienne Buri aus Oberburg sind drauf und dran, die Schweizer Radsportszene im Sturm zu erobern.

Angefangen hat alles in den Familienferien – Veloferien, um genau zu sein, mit Zelt. Die Leidenschaft des Vaters sprang schon bald einmal auf die nächste Generation über. Mit dem Eintritt in den Rad-Verein Ersigen trafen die Schwestern Noëlle und Fabienne Buri auf Gleichgesinnte und bestritten bereits ihre ersten Bike-
rennen, als andere Kinder noch kaum wussten, was ein Hobby ist. Mit zunehmendem Alter und Erfahrung zeigt sich, dass die zwei veloaffinen Schwestern für höhere Aufgaben bereit sind. Im Rahmen von Sichtungstagen von Swiss Cycling schaffte Fabienne 2017 den Sprung ins Junioren-Nationalkader. Ausschlaggebend für eine solche Nomination sind einerseits die Resultate von absolvierten Rennen, wie auch koordinative Fähigkeiten auf dem Fahrrad, welche mittels Parcours überprüft werden. Ein Jahr später kam auch die jüngere Schwester zum Kader. 


Zwei unterschiedliche Disziplinen

Nun trennen sich die Wege der beiden Schwestern aus Oberburg. Während sich Fabienne spätestens mit dem Sprung ins Nationalkader für den Strassenrennsport und das dazugehörige Zeitfahren begeistert, fährt Noëlle lieber mit dem Mountainbike durch Wald und Sumpf. «Die olympische Disziplin Cross-Country ist meine Lieblingsbetätigung, auch wenn ich ab und an noch Strassenrennen fahre», erzählt die Jüngere. Fabienne Buri hingegen fährt nun fix in einem Strassenrennteam: «Jeder ist selber für seinen Energiehaushalt verantwortlich, im Hinterkopf zählt aber immer der Teamgedanke und die Unterstützung des Teamleaders.» Auf die Frage, ob sie gerne in den Bergen fahre oder lieber im Flachen, antwortet sie lachend, dass sie wohl die bessere Rollerin als Bergsteigerin sei. 

«Durch unsere Vorbilder im Radsport kamen irgendwann erste Gedanken an ein Leben als Radprofi auf», erinnert sich Fabienne. So lautet das Ziel heute bei beiden, eines Tages vom Rennsport leben zu können. Da dies aber im Frauenradsport sehr schwierig ist, sorgen beide Schwestern jetzt bereits für optimale Bedingungen in ihrem Umfeld: Durch Teilzeitarbeit herrscht genug Flexibilität, um den Kaderzusammenzügen und geforderten Trainingsleistungen nachkommen zu können. Ausserdem können sie auf grosse Unterstützung seitens ihrer Eltern und eines extra gegründeten Fördervereins zählen. Allerdings würde all das ohne das nötige Training nichts bringen: Zwölf bis 18 Stunden pro Woche investieren beide auf ihren Rädern und im Kraftraum, streng nach individuellem Trainingsplan. «Eine WM- oder Olympiamedaille wäre natürlich das Grösste», meint Noëlle, fügt aber sogleich an, dass es bereits sehr starke Konkurrenz in der Schweiz gebe.

Corona-Umstände 

Auch im Hause Buri herrschen zurzeit spezielle Umstände: Trainiert wird mit virtuellen Rennen auf der Rolle im Wohnzimmer: Via Zwift, einer App, die ein «Mario-Kart»-ähnliches Erlebnis generiert, wird mittels Radwiderstand das Tempo bestimmt und zusammen mit den zugeschalteten Trainingspartnerinnen auf einem Bildschirm und einer virtuellen Rennstrecke gezeigt. Dass die Radsaison vom Weltverband UCI bis zum ersten Juli unterbrochen wurde, können die Schwestern nicht ändern: «Wir halten an unseren langfristigen Zielen fest, trainieren fleissig und machen das Beste aus der Situation.» Und spätestens wenn die Buri-Schwestern an einem Grossanlass eine Medaille holen, wirken die Quarantänetage dann wie ein leichter Nebel längst vergangener Zeiten.


Mehr Informationen und einen Steckbrief zu Fabienne und Noëlle Buri gibt es unter: www.buricycling.ch

23.04.2020 :: Yanick Etter (yez)