Da gibts nichts zu blöken

Da gibts nichts zu blöken
Schüpbach: An der Sie- und Er-Ausstellung präsentierten Schafzüchter ihre Tiere für -einmal paarweise.

Nun werden die 30 Finalisten-Paare in die Arena geführt. Es sind die Sieger ihrer jeweiligen Alterskategorie. Speziell daran ist, dass die Schafe im Voraus nicht individuell bewertet wurden, sondern als Paar. Aue und Widder sollten möglichst harmonisch zueinander passen. Nun geht es darum, vier Rassensieger zu bestimmen. Nebst den drei häufigsten Schafrassen im Kanton Bern werden in der vierten Kategorie sogenannt seltene Rasse zusammengefasst. Dazu gehören Suffolk, Texel, Walliser Schwarznasenschafe und Nolana.



«Mein Naherholungsgebiet»

Viele Züchter halten Schafe nicht beruflich, sondern als Hobby. «Die Schafzucht ist mein Naherholungsgebiet», sagt der gelernte Metzger und Futtermittelberater, Marco Schmid aus Heimberg. Nebst der Familie sind seine rund 40 Weissen Alpenschafe das Wichtigste in seinem Leben. Schon mit 13 Jahren kaufte sich der heute 48-Jährige die ersten Schafe. Seine Tiere zählen heute zu den Besten. Vor einer Ausstellung schneidet er ihnen die Klauen besonders sorgfältig, damit ihr «Fundament» gut zur Geltung kommt. «Zudem beriesle ich sie jeweils leicht mit Wasser», erzählt Schmid. Dadurch werde die Wolle auf der Oberfläche schöner. Ansonsten achte er darauf, den Schafen während des Jahres möglichst gute Bedingungen zu bieten, damit sie gesund bleiben. Im Sommer bringt er sie auf eine Alp im Diemtigtal. Bisher liess sich der Wolf glücklicherweise nicht bei ihm blicken. Dennoch hat Marco Schmid, wie die anderen befragten Züchter, wenig Freude am neuen Nachbar: «Mein Wunsch ist es, dass die Problematik betreffend der Grossraubtiere von der Bevölkerung und der Politik ernst genommen wird und allfällige Massnahmen frühzeitig ergriffen werden.» Mit Massnahmen meint er beispielsweise die Regulierung des Wolfsbestandes.



«Ein wahrer Traum»

Auch Urs Portmann aus Wiggen im Entlebuch geht mit den Schafen «z Bärg». Früher züchtete der Netzelektriker und Holzer das Braunköpfige Fleischschaf. Nun hat er diese Schafrasse seiner Tochter überlassen und sich einen lange gehegten Traum erfüllt: Vor drei Jahren kaufte er seine ersten Walliser Schwarznasenschafe. Für Portmann gibt es kaum etwas Schöneres. «Ein Lämmchen dieser Rasse ist ein wahrer Traum», schwärmt er. Die Walliser Schwarznasen seien zudem genügsam, lieb, anhänglich und ruhig. Portmann, der manchmal selber als Experte tätig ist, weiss, worauf es bei der Zucht dieser Rasse ankommt. «Die grösste Herausforderung ist es, dass die schwarzen Flecken an den Beinen und an der Nase am richtigen Ort sind.» Schöne, unverfilzte Wolle ist ebenfalls wichtig. Die Pflege des langen Wollkleides ist aufwändiger als bei anderen Rassen. «Ich bade die Schafe in einer extra dafür konstruierten Wanne.»

Der Heimweh-Entlebucher Christian Duss ist zwar mit Schafen aufgewachsen, doch erst vor ein paar Jahren fand er sozusagen zum Schaf zurück. «Seit ich in Faulensee wohne, habe ich etwas Land», begründet er seinen Entscheid, wieder Schafe zu halten. 2015 kaufte sich der Gründer der Band Chue Lee die ersten Braunköpfigen Fleischschafe. Seither züchtet er sie mit Begeisterung. Besonders stolz ist Duss auf die Titel Mister Schweiz und Miss Schweiz, die zwei seiner Schafe im Oktober 2019 erhielten. Von seinen 44 Tieren präsentierte er in Schüpbach drei Paare. Für Duss sind die Schafe ein guter Gegenpol zu seinen Auftritten. Das Gefühl bei den Schafen zu sein, sei fast mystisch, schwärmt der Musiker. «Bei ihnen hole ich mir meine Energie.»



Sieger aus der ganzen Schweiz

Endlich ist es so weit. Nacheinander werden die Rassensieger des Tages verkündet. Das schönste Weisse-Alpenschaf-Paar gehört Marco Schmid aus Heimberg. Die Familie Bernet aus Elm darf den Preis für zwei ihrer Braunköpfigen Fleischschafe entgegennehmen. Die schönsten Schwarzbraunen Bergschafe besitzt Daniel Hertig aus Oberbalm und als das schönste Paar der seltenen Rassen wird das Suffolk-Paar von Rolf Rüfenacht aus Röthenbach bei Herzogenbuchsee auserwählt. Christian Duss darf zwei Kategoriensiegerpaare sein Eigen nennen. Urs Portmann holte sich mit seinen Tieren den Kategoriensieg bei den Walliser Schwarznasen.

Jedes dritte Jahr
Organisator dieser Ausstellung ist der Verband Emmentalischer Schafzuchtorganisationen. Ihm gehören 14 Genossenschaften und Vereine an. Die Sie- und Er-Ausstellung ist eine Erfindung des -Verbands und findet alle drei Jahre statt. «Wir wollten etwas für die Schafzucht tun», nennt die Presseverantwortliche und Vizepräsidentin des Verbandes, Nicole Bieri, die Beweggründe. Die diesjährige Durchführung fand zum ersten Mal in der Emmental Arena in Schüpbach statt.