Schnitzel und Mohrenkopf

Das Gleichmass im Vergleich von «Wiener Schnitzel» und «Mohrenkopf» in der Auszeit in der «Wochen-Zeitung» vom 16. Juli zeugt von Verharmlosung eines Narrativs, das für bestimmte Menschen im Label Mohrenkopf, im Gegensatz zu Wiener Schnitzel, unter Umständen Erinnerungen wach ruft an schreckliches Leid ihrer Geschichte mit hunderttausenden von Toten, eine Geschichte, an der wir nicht unschuldig mitbeteiligt waren.

Das Label Mohrenkopf, über das ich mich weniger aufhalte als vielmehr über die standhafte Selbstgefälligkeit, mit der dieses Label verteidigt wird.

Ich meine, dass solche Verharmlosungen und Selbstgefälligkeiten im Zusammenhang mit krassen Menschenrechtsverletzungen, zumindest teilweise, für Ausbeutung von Mensch und Natur mitverantwortlich sein können, seien es Ausbeutungen von schweizerischen Bergbaukonzernen in Südamerika und Afrika, Fleisch- und Textilverarbeitungsbetriebe, nicht nur in Deutschland beziehungsweise England, und letztendlich auch zusammenhängend unser Konsumverhalten des Schnäppchenjägertums – meine Jagd mit eingeschlossen.

Peter Kägi, Langnau

Der Mohrenkopf

Da ist uns der Wilhelm Tell, -später auch der Winkelried, abhandengekommen, und jetzt auch noch der Mohrenkopf und unsere Identität ist im Eimer, die Identitätskrise wird zur Staatskrise.

Zum Glück sind da noch die selbstgefällig standhaften Herren Dubler und Glarner und geben uns wieder Orientierung, sagen uns, wo es lang geht und lassen unsere Machenschaften im Sklavenhandel in der Vergangenheit und in den Bergbaukonzernen in der Gegenwart vergessen.

Peter Kägi, Langnau

Rassismus war nie ein Thema

Den Tod von Georg Floyd verurteile ich aufs Tiefste, wie jegliche Gewalt. Ich verstehe, dass Menschen in Massen auf die Strassen gehen und demonstrieren, aber Sprechchöre und Spruchbänder gegen den «Rassismus in Amerika» stören mich zutiefst. Ich hatte das Glück, fünfundzwanzig Jahre in Los Angeles zu leben und war unzählige Male Zeuge eines überaus behutsamen und respektvollen Umgangs zwischen Schwarzen und Weissen. Täglich begegnete ich Menschen mit schwarzer Hautfarbe, mit einigen pflegte ich Freundschaften und sah ihre Kinder heranwachsen. Rassismus war nie ein Thema. Zweifellos haben amerikanische Städte mit einer grossen schwarzen Bevölkerung vielschichtige Probleme, aber vielerorts versucht man, mit viel Engagement etwas dagegen zu tun. So beispielsweise an der Universität in meinem Quartier, wo Kinder und Jugendliche aus ärmeren Schwarzenvierteln regelmässig zu kostenlosen, anspruchsvollen Wochenendprogrammen eingeladen wurden. Ich denke aber auch an die attraktiven Musikfestivals, die farbenfrohen Modeschauen und den Genuss kulinarischer Leckereien zwischen Schwarz und Weiss, um nur wenige derartige Programme zu nennen. Was mir unvergesslich bleibt, ist meine Bereicherung durch Begegnungen mit Menschen schwarzer Hautfarbe.

Veronika Däppen, Trub

Neue Sündenböcke kreieren

Es gibt viele Menschen, die brauchen einen Sündenbock. Im Alten Testament steht, dass der Sündenbock jeweils mit den Sünden der Menschen in die Wüste geschickt und dort von den wilden Tieren gefressen wurde. So wurden die Menschen von ihren Sünden befreit.

(3. Moses, Kapitel 16). Noch heute dient uns ein Sündenbock als Blitzableiter. Wenn es uns schlecht geht, dann brauchen wir einen anderen, der schuld daran ist. Das kann ein Nachbar sein, ein Verschwörungs-Theoretiker, ein Ausländer, ein Schwarzer, ein Grüner und viele mehr. Früher habe ich zum Trost oft einen «Moorenkopf» gegessen. Nicht weil ich dabei an einen »Neger» dachte, sondern, weil er mich mit seiner weissen, süssen, von dunkler Schokolade umgebenen und in Goldpapier eingewickelten Schönheit getröstet hat. Es gab nichts Besseres als Belohnung, wenn wir Kinder den ganzen Tag in der Sägerei geschuftet hatten.
Nun, 65 Jahre später, soll dieser «Moorenkopf» abgeschafft, nein, in die Wüste geschickt werden. Nicht im Traum hätte ich mir vorstellen können, dass diese Süsse einmal so schändlich an den Pranger gestellt werden könnte. Ich glaube nicht, dass es um den «Moorenkopf» geht, und auch nicht um die Schwarzen. Ich glaube, es geht darum, immer wieder neue Sündenböcke zu kreieren.

Elsi Reimann, Bärau

Was ist eine Milliarde?

Wir werden immer mehr mit Informationen zu Ausgaben, Schulden, Fehlbeträgen und so weiter in «Milliardenhöhe» konfrontiert, speziell in unserer heutigen Corona-Geschichte. Politiker beginnen, Ausgaben oder Einsparmöglichkeiten «von Millionen» bereits als unbedeutend im Gesamtkontext zu kommentieren. Doch wie können wir uns den Betrag einer Milliarde vorstellen?

Ein Beispiel: Ein 1-Fränkler wiegt 4,4 Gramm; eine Milliarde 1-Fränkler ergeben somit 4400 Tonnen. Ein 40-Tonnen-Lastwagen kann rund 24 Tonnen zuladen. Das heisst, für den Transport der Milliarde wären zirka 180 Lastwagen nötig. Werden diese hintereinander aufgereiht, ergibt sich eine Kolonne von mehr als zehn Kilometern. 

«Unsere» 100 Milliarden Corona-Kosten mit 40-Tönnern zu transportieren würde eine Kolonne bis an die Nordsee ergeben. Da erscheint mir, mit Sparen die Situation bereinigen zu wollen, tatsächlich etwas aussichtslos.

Fritz Schneider, Langnau

Was wir wirklich brauchen

Lieber Herr Brechbühl, lieber Herr Wittwer («Wochen-Zeitung» vom 14. Mai), um den 6-Milliardenkredit für Kampfflugzeuge zu rechtfertigen, muss nun also auch noch das Coronavirus herhalten. Ausgerechnet ein Widersacher, der sich nicht mit Waffengewalt und Artillerie, sondern mit Seife, Distanz und Solidarität bekämpfen lässt. Wenn die Covid-19-Pandemie etwas gezeigt hat, dann, dass wir im Ernstfall keine Helden der Lüfte brauchen, sondern diejenigen, die am Boden bleiben: in der Pflege, dem Detailhandel, der Logistik und in den Büros – die Liste ist lang und lässt sich im Rahmen dieser Replik nicht vollständig aufzählen. Klar ist: Die Armee leistet in der aktuellen Pandemie einen wertvollen Beitrag, und dies ganz ohne Flugzeuge. Covid-19 hat aufgezeigt, wo dringend Ressourcen gebraucht werden und wo nicht. Wiederum in der Pflege, dem Detailhandel, der Logistik... Faire Löhne und ein ausreichender Vorrat an Gütern wie Schutzmasken retten heutzutage Menschenleben – und nicht Kampfflugzeuge. Investieren wir also sinnvoll und schützen wir so alle Menschen in der Schweiz, unser Land und unsere Infrastruktur.
Peter Moser, 
Kehrgässli, Langnau

Corona-Mahnwachen

Es ist schon desaströs, wie selbst denkende, mündige Bürger, die an Mahnwachen teilgenommen haben (und zum Teil fast schon gefoltert werden), alle in einen Topf geworfen werden: als Rechtsextreme, Terroristen, Verschwörungstheoretiker und als Lügner schlechthin. Eigentlich sollten wir ihnen dankbar sein für ihren Einsatz für die Demokratie, Menschenrechte, Meinungsfreiheit und den Dialog, der sich keine Demokratie verschliessen sollte. Wie sieht es aus mit den vielen Ärzten, ganze Ärzteverbände, Virologen und sonstige Fachpersonen, sind das auch alles Irre? Wie wäre es im Gegenzug, wenn man die Massenmedien als Bill-Gates-Medien titulieren würde? Es trifft im Moment den Nagel auf den Kopf: Wer zu lange schläft, wacht in der Diktatur auf. Haben wir schon zu lange geschlafen?

Marko Caesar, Oberdiessbach

Verstoss gegen die Verordnung

Drei Monate verordnete Einschränkungen und bereits geht eine ganz kleine Minderheit auf die Strasse. Da kann man sich schon fragen, was erwarten diese Menschen von ihrem Leben, welcher Charakter und welche Intelligenz treibt sie zu diesem Ungehorsam? Ist es der Egoismus gegenüber den Mitmenschen? Leider gibt es zu diesen Fragen keine Studien.

Was, wenn – wenn eine komplette Ausgangssperre (wie in Teilen von China, von Italien) angeordnet wird, was passiert mit solchen Menschen? 

Hans König, Häusernmoos