Die Auffahrtsbrücke

Auffahrtsbrücke! So steht es weiss auf schwarz auf der Tafel, darunter eine liebevoll gezeichnete Holzbrücke. Das Geschäft bleibt über Auffahrt vier Tage geschlossen. Der Freitag zwischen den freien Tagen wird überbrückt.

Auffahrt bedeutet jedoch nicht Überfahrt, sondern Himmelfahrt. Lukas berichtet in seinem Evangelium, wie der auferstandene Jesus mit seinen Jüngern zur Stadt Jerusalem hinauszog. In der Nähe von Bethanien angekommen, hob er die Hände und segnete sie. Und noch während er sie segnete, schied
er von ihnen und wurde in den Himmel emporgehoben. Sie aber kehrten voller Freude
nach Jerusalem zurück (nach Lukas 24, 50-52).

Ganze drei Bibelverse umfasst die Geschichte, die uns diesen freien Donnerstag samt Brücke beschert. Eigentlich merkwürdig: Jesus verschwindet, und seine Freunde sind voller Freude. Wohin ist Jesus gegangen, und was bleibt?

Emporgehoben – hinauf in den Himmel. Bekanntlich gibt es im Englischen zwei Worte für den Himmel: «sky» oder «heaven». Mit dem ersten Begriff ist der Himmel über uns mit den Wolken gemeint, mit dem zweiten eine andere, unsichtbare Wirklichkeit, durchaus im religiösen Sinn. Wo ist Jesus hingegangen? Hier ist vermutlich der «heaven» gemeint, der für uns schwerer fassbar oder begreifbar ist. Die Himmels-Richtung ist nicht wichtig. Hinauf oder hinüber, es bedeutet dasselbe: Seit Auffahrt ist Jesus nicht mehr an einen Ort wie Bethanien gebunden, sondern er ist überall.

Und was bleibt? In der Szene aus Lukas 24 sehen wir ihn mit erhobenen Händen, mit einer segnenden Gebärde. So bleibt
er den Jüngerinnen und Jüngern in Erinnerung, mehr noch: ins Herz eingebrannt. Sie tragen von nun an ein Stück Himmel, «heaven», in sich. Der segnende Jesus: So will er uns begegnen, bis heute. Auffahrt bildet eine Brücke zwischen «heaven» und Erde: die Auffahrtsbrücke. Ich wünsche Ihnen gesegnete und erholsame Auffahrtstage!

13.05.2026 :: Kathrin van Zwieten

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