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Einander ergänzen statt bekämpfen

Zuerst möchte ich eine kurze Geschichte erzählen: 

Ein Blinder und ein Lahmer wurden von einem Waldbrand überrascht. Die beiden gerieten in Angst. Der Blinde floh gerade aufs Feuer zu. Der Lahme rief: Flieh nicht dorthin!» Der Blinde fragte: «Wohin soll ich mich wenden?» Der Lahme: «Ich könnte dir den Weg vorwärts zeigen, so weit du willst. Da ich aber lahm bin, nimm mich auf deine Schultern, damit ich dir angeben kann, wo du den Schlangen, Dornen, dem Feuer und anderen Gefahren aus dem Weg gehen kannst – und damit ich dich glücklich in die Stadt weisen kann.» Der Blinde richtete sich nach des Lahmen Worten, und so gelangten die beiden wohlbehalten in die Stadt. 

Jeder der beiden hatte seine Behinderung, seinen Mangel: der eine die Blindheit, der andere die Lahmheit. Doch jeder der beiden hatte auch seine eigene Stärke, eine, die der andere nicht hatte. Der Blinde hatte gute Beine und der Lahme gute Augen. Wären sie auf ihre Mängel fixiert gewesen, hätte dies ihren Untergang bedeutet. Dank ihrer kreativen Fantasie erkannten sie, dass es zum Überleben reicht, ihre Stärken zuammenspielen zu lassen: die gesunden Beine des Blinden und die guten Augen des Lahmen – so einfach war das! 

Der Blinde und der Lahme – das sind eigentlich jeder und jede von uns. Warum könnten wir uns nicht häufiger ähnlich verhalten wie die beiden in der Geschichte mit ihrer Behinderung? Was hindert uns? Der Stolz oder die Fantasielosigkeit? Der Apostel Paulus gibt uns diesbezüglich im Galaterbrief einen Rat, der auch heute noch beherzigenswert ist: Helft einander, eure Lasten zu tragen. So erfüllt ihr das Gesetz, das Christus uns gibt. Haben wir also den Mut, unsere Unbeweglichkeit und unseren Stolz abzulegen. Versuchen wir es also vermehrt mit dem bewährten Miteinander. Davon profitieren letztlich alle.

15.08.2019 :: Rudolf Vogel, röm.-kath. Pfarrer im Ruhestand, Schüpfheim

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