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«Ich möchte eine Brücke bauen»

Hier zuerst eine kurze Geschichte mit dem Gespräch, das ein Kind mit einem alten Brückenbauern führte. «Du hast einen schönen Beruf», sagte das Kind. «Es muss sehr schwer sein, Brücken zu bauen.» – «Es ist leicht, Brücken aus Steinen und Holz zu bauen. Die anderen Brücken sind viel schwieriger», sagte er, «die baue ich in meinen Träumen.» – «Welche anderen Brücken?», fragte das Kind. «Ich möchte eine Brücke bauen von der Gegenwart in die Zukunft, von einem zum anderen Menschen, von der Dunkelheit in das Licht, von der Traurigkeit zur Freude, von der Zeit in die Ewigkeit – über alles Vergängliche hinweg.»

Das Kind hatte aufmerksam zugehört. Es hatte nicht alles verstanden, spürte aber, dass der alte Brückenbauer traurig war. Darum sagte es: «Ich schenke dir meine Brücke.» Und es malte für den Brückenbauer einen bunten Regenbogen. 

Der Geist Jesu, der Heilige Geist, dessen Fest wir vor zehn Tagen an Pfingsten gefeiert ha-ben, will aus uns allen Brückenbauer machen, Menschen, die lieber aufbauen als zerstören und spalten. Von dieser Sorte Menschen gibt es ja überall auf der Welt genügend. Diese Spaltpilze aus Fleisch und Blut zerstören immer neu das, was geisterfüllte Menschen mühsam zum Wohl der Mitmenschen und der Gesellschaft aufgebaut haben. Zu ihnen gehören auch jene, die in aller Welt Kriege anzetteln, sowie jene, die in den sozialen Medien ein Mobbing betreiben, das ihre Opfer in die Verzweiflung, ja in den Tod treibt. Auch jene gehören dazu, welche Frauen und Männer, die sich in einem Parlament für das Gemeinwohl einsetzen, in den sozialen Medien beschimpfen und
bedrohen, weil sie nicht ihrer Meinung sind. 

Es ist nur zu hoffen, dass nicht sie, sondern die Brückenbauer das letzte Wort in unserer Geschichte haben.


20.06.2019 :: Rudolf Vogel, röm.-kath. Pfarrer im Ruhestand, Schüpfheim

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