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Zwischennutzung mit Bäckerei und Dorfplatz – verdichten oder nicht?
Zwischennutzung mit Bäckerei und Dorfplatz – verdichten oder nicht? Konolfingen:

Die Schmitte und ein weiteres Haus sollen einem Dorfplatz und einer Bäckerei mit Café weichen. Nun stellt sich die Frage, ob diese Zwischennutzung verdichtet gebaut werden muss.

Seit die Bar El Cannario ausgezogen ist, steht die Schmitte in Konolfingen leer. Dasselbe gilt für das Nachbarhaus. Beide Gebäude seien baufällig, sagt der Eigentümer Herbert Schüpbach, deshalb wolle er sie abreissen. Doch die Abbruchbewilligung erhalte er erst, wenn an dieser Stelle ein Bauprojekt bewilligt sei. Dies bestätigt Konolfingens Gemeindepräsident Heinz Suter: «Die Gemeinde will damit verhindern, dass auf diesem Platz eine Brache entsteht.» So hat der Gemeinderat eine Zwischennutzung gefordert, denn auf dem Areal zwischen Kreisel, Bernstrasse und Bahnlinie soll dereinst eine verdichtete Überbauung entstehen. Bis diese realisiert wird, dürften noch Jahre vergehen, sind doch verschiedene Grundeigentümer beteiligt. Bereits 2014 sah ein Projekt dort eine Wohn- und Geschäftsüberbauung vor. Darin integriert werden sollte eine Tankstelle mit Shop, welche Herbert Schüpbach mit seiner Tankstellenkette Gustoil betreiben wollte. Dagegen formierte sich Widerstand; es gab eine Gemeindeinitiative, die angenommen wurde. Damit war dieses Projekt vom Tisch.

Café mit Haken

Nun also eine Zwischennutzung, die auf zehn Jahre begrenzt wird. Vorgesehen sei, den frei werdenden Platz für eine Bäckerei und einen Dorfplatz zu nutzen, erklärt Herbert Schüpbach. Auf Wunsch des Gemeinderates sei auch ein kleines Café vorgesehen. «Das war eine gute Gelegenheit, nach der Schliessung des Chrützplatz-Kafis wieder ein ähnliches Lokal im Dorfzentrum zu schaffen», erklärt Gemeindepräsident Heinz Suter. Nur hatte dies einen Haken: Die Bäckerei und den Dorfplatz hätte die Gemeinde selber bewilligen können, bei einem Gastronomiebetrieb ist der Regierungsstatthalter die Bewilligungsbehörde. Dieser habe auf die Voranfrage der Gemeinde negativ reagiert, führt Suter aus. «Der Regierungsstatthalter vertritt den Standpunkt, dass selbst eine Zwischennutzung in verdichteter Bauweise erstellt werden muss.» Dies, weil die Zone mit Planungspflicht (ZPP), die dort gelte, eine solche vorschreibe. «Der Gemeinderat ist der Meinung, dass dies nur bei einer Gesamtüberbauung zum Tragen kommt und nicht bei einer befristeten Nutzung», betont Suter. 

Regierungsstatthalter Christoph Lerch beruft sich auf das Gemeindebaureglement. Dieses verlange in einer ZPP eine verdichtete Bauweise, teilt er auf Anfrage mit.

Projekt überarbeiten

Nach der Antwort des Regierungsstatthalters entschied sich Herbert Schüpbach, das Baugesuch zurückzuziehen. «Es gibt noch ein paar weitere Punkte, die wir anpassen wollen», erklärt Alain Wymann, Projektleiter bei Gustoil. Sie würden das Projekt überarbeiten und erneut eingeben. Zuerst aber sollen Gespräche mit den beteiligten Behörden geführt und das weitere Vorgehen besprochen werden. Sicher sei, so Wymann, dass sich das geplante Bauvorhaben verzögere. «In diesem Jahr kann sicher nicht mehr begonnen werden.»

Am Projekt selber will Herbert Schüpbach festhalten. Die Bäckerei, allenfalls mit dem Café, wird in einem eingeschossigen, rund 200 Quadratmeter messenden Holzbau untergebracht. Die Zufahrt erfolgt über die bestehende Strasse, auch zwölf Parkplätze sind eingeplant. 

Arbeit für Menschen mit Autismus

Die Bäckerei betreiben werde die Stiftung für berufliche und soziale Eingliederung (SBE) in Trubschachen, sagt Schüpbach, der Stiftungsratspräsident der SBE ist. Zwei der fünf Arbeitsplätze seien für junge Menschen mit einer Autismus-Spek-trum-Störung vorgesehen. «Sie sollen einfache Arbeiten ausführen und so in den Arbeitsmarkt eingegliedert werden können.» Die Geschäftsleitung und Produktion obliege der Firma Fürobe-Brot Häner AG, die nach einem speziellen Konzept arbeite, führt Herbert Schüpbach weiter aus. «Das Sortiment ist klein. Es werden eine Sorte Brot und ein paar süsse und salzige Backwaren hergestellt.» Kaufen könnten die Kundinnen und Kunden die Produkte direkt in der Backstube. In Balsthal und Nunningen würden bereits solche Betriebe bestehen.  

Vor der Bäckerei, dort, wo heute die Schmitte steht, soll ebenfalls als Zwischennutzung auf 600 Quadratmetern ein Dorfplatz entstehen. Die Umgebung werde mit Grünflächen und Sitzgelegenheiten so gestaltet, dass der Platz zum Verweilen einlade, schildert Herbert Schüpbach den Plan. Die Investitionen für die Zwischennutzung müssten sich im Rahmen halten. Er rechnet mit Kosten von insgesamt 600’000 Franken.

05.09.2019 :: Silvia Wullschläger
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