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Zwingli

 

In einem der teuersten und aufwändigsten Schweizer Filme, die je gedreht wurden, geht es um Religion. Daneben natürlich auch um Intrigen, Liebe und Tod. Letzte Woche war Kinostart für «Zwingli». Ich finde, der Spagat zwischen den historischen Fakten und den grossen Gefühlen ist gut gelungen. Zwingli wurde nicht zu einer vollkommenen Heldenfigur hochstilisiert, sondern hat durchaus seine Fehler. Das macht ihn menschlich, fassbar. Die altgläubigen Katholiken kommen dagegen eher schlecht weg. Als Zuschauer hat man wenig Verständnis dafür, dass die Kirche eine arme Witwe unter Druck setzt, für ihr letztes Geld Totenmessen für ihren verstorbenen Mann lesen zu lassen. Dass sie sich um Arme und Waisenkinder keinen Deut schert. Und dass sie sich dagegen wehrt, dass das Volk lesen und schreiben lernt. Zwinglis Haltung ist heute für Katholiken wie Protestanten selbstverständlich. Denn er und seine Mitstreiter haben mit ihrem aufklärerischen Geist nicht nur die reformierte Kirche geschaffen, sondern indirekt auch die katholische erneuert. Nicht lange nach der Reformation wurde das Ablasswesen abgeschafft, es wurden Bildungs-offensiven gestartet – und heute unterscheiden sich die beiden Kirchen an ihrer Basis wie theologisch fast nicht mehr. Es waren nicht die Religionskriege, die das bewirkten, sondern der Geist des Evangeliums und der Mitmenschlichkeit, der mutige Menschen bewegte, hinzuschauen, zu reden und anzupacken. Nicht für den Machterhalt der Kirche zu kämpfen, sondern da zu sein für alle, die Hilfe und Zuspruch nötig haben. Auch wenn noch Entwicklungspotenzial da ist, ich bin froh für alles, was wir in diesem Sinn erreicht haben. Und bin dankbar für diejenigen, welche vor 500 Jahren dafür den Anstoss gegeben haben. Bleiben wir auf ihren Spuren!

24.01.2019 :: Samuel Burger
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