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Zweites Eisfeld: Nun ist die Politik am Zug
Zweites Eisfeld: Nun ist die Politik am Zug Langnau/Schüpbach:

Viele Köche verderben den Brei, sagt ein Sprichwort. Beim Projekt «Zweites Eisfeld, neue Markt- und Reithalle in Schüpbach» scheint der Brei zu munden.

Eine siebenköpfige Delegation stand am Dienstag zwei Journalisten und einer Journalistin Red und Antwort, um über das zweite Eisfeld in Langnau und über die neue Viehmarkt- und Reithalle in Schüpbach zu informieren: Langnaus amtierender Gemeindepräsident Bernhard Antener; sein Nachfolger Walter Sutter; Christine Aeschlimann, Signauer Gemeinderätin mit dem Ressort Bau und Planung; Ernst Kühni, Verwaltungsrat der SCL Tigers AG und seit Neustem gemeinsam mit seinem Bruder, Ulrich, Besitzer der Reithalle im Hübelischachen; Hansueli Lüthi, Präsident des Verbandes Markthalle Oberes Emmental; Beatrice Wüthrich, Vertreterin des Oberemmentalischen Reitvereins Langnau und der Reithallengesellschaft Langnau sowie Peter Müller, Geschäftsführer der SCL Tigers AG. 

Alle ziehen am selben Strick 

Alle betonten, den aktuellen Plänen positiv gegenüber zu stehen. Oder wie es Walter Sutter formulierte: «Mit-t-
lerweile ziehen alle am selben Strick – und erst noch in dieselbe Richtung.» Sutter gehörte zu jenen, die sich dezidiert gegen eine kombinierte Eis- und Viehmarkthalle in Langnau ausgesprochen hatten. Die Einigkeit im Gemeinderat hat zur Folge, dass sich das Gemeindeparlament noch in diesem Jahr mit dem Geschäft wird befassen müssen. Zieht der Markthallen-Verband nach Schüpbach um, verzichtet er in Langnau auf sein Baurecht und erhält den Zeitwert des dortigen Gebäudes (rund 1,1 Millionen Franken) ausbezahlt. Vorgesehen ist, dass die Gemeinde Langnau 700’000 Franken bezahlt und die Jakob AG von SCL Tigers-Präsident Peter Jakob die restlichen 400’000 Franken (siehe Kasten). Bernhard Antener sprach bei der Aufteilung von einem «politischen Kompromiss». 

Genehmigt das Parlament die Abgeltung des Verbandes, kann dieser die 1,1 Millionen Franken in den neuen Standort in Schüpbach investieren. Das gleiche gilt für die Besitzer und Benützer der Reithalle Langnau. Auch sie wollen ihr Gebäude (zwischen der Firma Multi-Extrakt und der Ilfis) verkaufen und den Erlös in Schüpbach investieren. Es gebe bereits Interessenten für die Parzelle, erklärte Beatrice Wüthrich. 

Aktiengesellschaft gründen 

Die Landwirte und die Reiter beabsichtigen, eine gemeinsame Aktiengesellschaft zu gründen. Sie wollen dann die stattliche Halle in Schüpbach von Ernst und Ulrich Kühni erwerben und diese gemeinsam betreiben. 

Die Gemeinde Signau ihrerseits hat begonnen eine Überbauungsordnung (ÜO) für die neue Zufahrt zur Reithalle zu erarbeiten. Gemeinderätin Christine Aeschlimann stellte indes klar, dass dies einige Zeit in Anspruch nehmen werde. Schliesslich müsse auch die Gemeindeversammlung der ÜO zustimmen, was spätestens im Dezember 2018 der Fall sein soll. Langnaus Gemeindepräsident gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass Signau – falls die Abklärungen rasch vorankommen – vielleicht sogar eine ausserordentliche Gemeindeversammlung einberufen könnte. Bernhard Antener hat die beiden verknüpften Vorhaben in den letzten Monaten massgeblich vorangetrieben und auf eine konsensfähige Lösung zusammengestutzt. «Ich habe schon einige Geschäfte erlebt, aber so etwas Komplexes wohl noch nie», sagt der langjährige Gemeindepräsident. 

Ein altes Darlehen nutzen 

Im März, wenn sich Antener bereits alt Gemeindepräsident wird nennen können, wird das Langnauer Stimmvolk über eine Vorlage befinden, die auch in Zusammenhang mit dem Bau des zweiten Eisfeldes steht. Als die Ilfishalle 2012 saniert wurde, erhielt die Bauherrschaft im Rahmen der Neuen Regionalpolitik (NRP) ein zinsloses Darlehen von vier Millionen Franken. Das Geld war für den Annexbau (Tigersaal, Jakob-Galerie) gedacht, welcher durch die Jakob AG erstellt wurde. Diese verzichtete damals auf das Darlehen, die Gemeinde «parkierte» das Geld in ihrer Buchhaltung und konnte so auf anderes Fremdkapital verzichten. Eine Million Franken habe die Gemeinde mittlerweile zurückbezahlt, sagte Antener. Die verbleibenden drei Millionen möchte Peter Jakob nun für den Bau des zweiten Eisfeldes einsetzen – und darüber werden die Bürgerinnen und Bürger im März 2018 abzustimmen haben. 

Stützpunkt für Junioren-Nati? 

Ohne das NRP-Darlehen ist der zirka 18 Millionen teure Bau kaum zu realisieren. Dasselbe gilt für den Beitrag des Sport-Fonds und das Geld aus dem Nationalen Sportanlagenkonzept (Nasak) bei dem Sportanlagen von nationaler Bedeutung finanziell unterstützt werden. Langnau solle zu einem Stützpunkt der Junioren-Natio-nalmannschaften werden, lautet der Plan. Dabei sei der Umstand, dass das zweite Eisfeld «lediglich» über NHL-Masse verfügen werde, kein Nachteil, hielt Peter Müller, Geschäftsführer der SCL Tigers AG, fest. Insbesondere in der Vorbereitung auf Turniere in Kanada und den USA sei dies ein Vorteil. «Heute wird zudem oft auf kleinerem Raum trainiert, um das Tempo zu erhöhen», erklärte Müller. 

Tempo ist nun von der Politik gefragt: Soll in Langnau ein zweites Eisfeld Realität werden und sollen die Viehvermarkter und die Reiter der Region von einer besseren Infrastruktur profitieren können, müssen rasch Resultate vorliegen. Dies gilt insbesondere für die Nasak-Gelder.

Peter Jakob: «Eine gute Lösung, damit es weitergeht»

Peter Jakob ist glücklich ob der positiven Entwicklung des Projekts «Zweites Eisfeld». Der Verwaltungsratspräsident der SCL Tigers AG ist die treibende Kraft hinter dem Vorhaben. «Nun liegt eine Lösung auf dem Tisch, die für alle annehmbar ist», sagt Peter Jakob. Bei den Verhandlungen mit der Gemeinde Langnau und dem Markthallen-Verband musste auch Peter Jakob Federn lassen. So ist nun vorgesehen, dass sich die Jakob AG mit 400’000 Franken an der Entschädigung für den Verband Markthalle Oberes Emmental beteiligt. Dies, obwohl alleine die Gemeinde Langnau in den Neunzigerjahren dem Verband das Baurecht gewährt hat. «Klar habe ich keine Freude an der Zahlung, zumal mir die Gemeinde 2011 das Baurecht für den Anbau beim Ilfisstation kostenlos gewährt hat», meint Peter Jakob. «Es ist aber schlicht die einzige Lösung, damit es weiter geht.» 

Auch wenn es nun vorwärts geht: Mit der Detailplanung für das zweite Eisfeld werde erst begonnen, wenn die Verträge unterzeichnet seien, hält Peter Jakob fest. 

 

16.11.2017 :: Bruno Zürcher
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