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Wo es Forellen und Groppen gefällt
Wo es Forellen und Groppen gefällt Wildtiere vor unserer Haustür:

In den Bächen des Entlebuchs und Emmentals (von Schüpfheim bis Oberburg) leben zwei Fischarten. Während fast jeder schon mal eine Bachforelle zu Gesicht bekommen hat, ist die Groppe weniger bekannt.

Hier an der Emme in Eggiwil scheint die Welt in Ordnung zu sein. Zwischen flachen Kiesbänken hindurch sucht sich das Wasser seinen Weg an Büschen und Bäumen vorbei, zeitweilig gebremst durch Steinblöcke, Totholz und Wurzelwerk. Ein renaturiertes, 180 Meter langes Paradies für Fische, erschaffen vom Fischereiinspektorat und der Gemeinde Eggiwil im vorletzten Winter. Mitinitiant dieses Projekts war Thomas Maurer. Als kantonaler Leiter des Fischereiaufsichtskreises 4 ist er zuständig für alle Gewässer im Emmental und weiss, was Bachforellen und Groppen brauchen. «Nebst kaltem und sauerstoffreichem Wasser benötigen sie einen sauberen Untergrund aus Kies und gut strukturierte Versteckmöglichkeiten», so Maurer. «Je mehr Verstecke, desto mehr Biomasse.»

Versteckt von allem Anfang an

Wenn die Bachforelle als tannennadelgrosse Larve nach rund 105 Tagen aus dem Ei schlüpft, liegt über ihr noch der Kies, mit dem ihre Mutter den Laich zum Schutz vor Fressfeinden bedeckt hatte. Nach dem Schlupf verbirgt sich die Larve weitere vier bis sechs Wochen im Kies. In dieser Zeit ernährt sie sich von ihrem Dottersack und verwandelt sich nach und nach in ein winziges Fischlein. Wie schnell sie sich entwickelt, hängt stark von der Wassertemperatur ab. Ist der Dottersack aufgebraucht, sucht sich die kleine Forelle, nun Brütling genannt, ein Versteck in Ufernähe, wo die Strömung nicht zu stark ist. Diesen Ruheplatz verlässt sie nur, um zu jagen. «Bachforellen sind territoriale Tiere», erklärt Thomas Maurer. «Ihr Revier ist zu Beginn nur so gross wie ein A4-Blatt und wird von Anfang an verteidigt.» Als Brütling ernährt sich die Bachforelle von kleinsten Insektenlarven. Wenn sie wächst, wachsen auch ihre Bedürfnisse: Das Territorium wird umfangreicher, das Versteck grösser und auch ihr Speiseplan passt sich an, wie Thomas Maurer weiss. «Im Sommer ernährt sich die ausgewachsene Bachforelle mehrheitlich von Anflugfutter.» Gemeint sind Fluginsekten aller Art, die sich über dem Wasser tummeln oder abgestürzt sind. Daneben frisst sie allerlei Wassertiere und kleine Fische – sogar jüngere Artgenossen. Die heranwachsende Jägerin muss also stets auf der Hut sein vor grösseren Fischen, aber auch vor Graureihern, Gänsesägern, Kormoranen und dem Menschen. 

Mit rund drei Jahren ist die Bachforelle geschlechtsreif und macht sich  während der Laichzeit vom Oktober bis Dezember auf die Suche nach einem Partner. Mehrere 100 Meter können die Tiere auf ihren Wanderungen zurücklegen – sofern keine unüberwindbaren Hindernisse im Bach den Weg zum Glück versperren.

Die unbekannte Nachbarin

Eine wesentlich schlechtere Schwimmerin ist die Groppe. Sie wird nur rund zehn bis 15 Zentimeter lang und kommt in rund einem Drittel aller Fliessgewässer im Kanton Bern vor. Weil sie die gleichen Ansprüche an den Lebensraum stellt wie die Bachforelle, ist sie häufig in denselben Bächen anzutreffen – wenn man sie findet. Denn die Groppe verbirgt sich tagsüber gut getarnt im Kies. Erst nachts macht sie sich auf die Suche nach Bodentieren, Fischlaich und Fischbrut. Ihr fehlt die Schwimmblase, was nebst ihrem keulenförmigen Körper und dem grossen Kopf dazu beiträgt, dass sie auch kleine Hindernisse kaum überwinden kann. Dafür aber betreibt die Groppe, ganz im Gegensatz zur Bachforelle, Brutpflege. Die zwei bis 2,5 Millimeter grossen, orangefarbenen Eier werden als Klumpen abgelegt und bleiben an Steinen haften. Das Männchen betreut und bewacht sie nun, bis die Jungfische nach drei bis sechs Wochen schlüpfen. Die Groppe kann bis zu acht Jahre alt werden.

Den Fischen helfen, nicht nur profitieren

Thomas Maurer ist seit dem Jahr 2000 im Amt als Fischereiaufseher. Auf den Fisch gekommen ist der Emmentaler jedoch viel früher. Bereits als Kind begleitete er den Vater zum Fischen. Einen Wendepunkt gab es im Jahr 1990, als der gelernte Spengler und Hobbyfischer als Aktivmitglied dem Fischereiverein Oberemmental/Langnau beitrat. Er wollte in seiner Freizeit auch etwas für die Tiere tun, statt nur von ihnen zu profitieren. Zu Beginn half Maurer beim Abfischen der Aufzuchtbäche mit. Die eingefangenen jungen Bachforellen wurden später an geeigneten Orten in der Ilfis und Emme ausgesetzt. Nachzuchten seien auch heute noch wichtig, erklärt er. «Manchmal wird ein Laich von Hochwasser weggeschwemmt oder die Fische sterben durch Wassermangel oder wegen zu warmem Wasser.» 

Überlebende Tiere in diesen Gewässern werden wenn nötig abgefischt und umgesiedelt – oft mit Hilfe der sogenannten Elek-trofischerei. Diese Fangtechnik, für die sich Thomas Maurer entsprechend ausbilden liess, ist sehr effizient: Die Fische werden vom Stromfeld scheinbar magnetisch angezogen und müssen nur noch abgeschöpft werden. «In diesem Jahr mussten wir schon im April ein erstes Mal zum Notfischen ausrücken», so Maurer. Manchmal sind Umsiedelungen auch wegen anstehenden Bauprojekten notwendig – wenn beispielsweise Baumaschinen in einen Bach fahren müssen. Doch in den letzten Jahren sind der niedrige Wasserstand und die zu hohen Wassertemperaturen das grösste Problem unserer kälteliebenden Fische. Ihr Überleben hängt also wesentlich vom zukünftigen Klima ab und davon, dass sich weiterhin Menschen, wie Thomas Maurer, für sie einsetzen. 

 

 

Lernen Sie nächste Woche die Zauneidechse kennen. 

 

08.08.2019 :: Rebekka Schüpbach
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