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«Wir müssen auch die krummen Rüebli essen»
«Wir müssen auch die krummen Rüebli essen» Langnau:

Vergangenen Freitag diskutierten Politikerinnen und Politiker über den Klimawandel. Dabei standen vor allem lokale Auswirkungen und Handlungsmöglichkeiten im Fokus.

Auf dem Pausenplatz des Sekundarschulhauses in Langnau trafen sich am Freitagabend etwa 40 Personen, um die Podiumsdiskussion zum -Klimawandel mitzuverfolgen. Es sprachen vier Politikerinnen und Politiker und ein Klimastreik-Mitglied über die Klimaveränderung. Durch das Gespräch führte Moderator Salim Staubli. 

Klimawandel in der Region

Die anwesenden Politikerinnen und Politiker waren sich in der Podiumsdiskussion in einer Sache einig: In Bezug auf den Klimawandel muss gehandelt werden. Im Gespräch wurde aber klar, dass es verschiedene Ansätze gibt, wie und wo diese Handlungen stattfinden sollten. Michel Seiler, Grossrat der Grünen und Selbstversorger war der Meinung, dass vor allem auf der lokalen Ebene etwas passieren müsse und dass bei den Landwirten ein Umdenken stattfinden sollte: «Wir Bauern sind in der Natur, wir sehen und spüren die Zusammenhänge vom Klimawandel mit unserer Umwelt viel eher als alle anderen. Gerade darum sollten Landwirte klimafreundlicher zu denken beginnen.» Alfred Bärtschi, Grossrat SVP und ebenfalls Landwirt, entgegnete, dass bereits die meisten Bauern umweltbewusst denken würden, ihnen aber fehlende Bewilligungen und die fehlende Nachfrage auf dem Weg zur Umstellung im Wege stünden. Da konnte sich Saambavi Poopalapillai, Jungfreisinne Emmental, anschliessen. Sie betonte mehrmals die Verantwortung der Konsumentinnen und Konsumenten: «Wir müssen die Landwirte unterstützen und im Supermarkt nicht nur die schönen Rüebli kaufen, sondern auch die krummen, nicht so schönen essen!»

Systemwandel: nötig oder nicht?

Braucht es Vorschriften, um dem Klimawandel entgegen wirken zu können? Und kann innerhalb des Systems, in dem wir im Moment leben, überhaupt genug geändert werden, um den Klimawandel zu stoppen? Für Saambavi Poopalapillai und Alfred Bärtschi war klar: Netto-Null-Emis-sionen sind mit der freien Marktwirtschaft vereinbar, ein Systemwandel ist nicht nötig. Bärtschi meinte, dass guten Unternehmen mehr Freiraum gelassen werden sollte: «Wenn die sehen, dass sie mit umweltbewussten Produkten etwas verdienen können, wird eher in solche investiert.» 

Dagegen hielten Tanja Blume, Co-Präsidentin Juso Bern und Pascal Kipf vom Klimastreik. Für Blume war klar: «Unser jetziges System ist auf Profit und ständiges Wachstum ausgerichtet. Wir von der Juso stellen uns als Alternative eine demokratisierte Wirtschaft vor, bei der alle mitbestimmen können, was und wieviel produziert wird.» Pascal Kipf, der an der Diskussion nur für sich und nicht für die ganze Bewegung Klimastreik sprach, sah im Wachstumszwang ebenfalls ein Hauptproblem: «Eine Welt mit endlichen Ressourcen und ein System, das auf unendliches Wachstum ausgelegt ist, das kann nicht funktionieren!», meinte er. Michel Seiler forderte fairen Handel mit der ganzen Welt: «Der Boden gehört schliesslich allen, darum soll es auch allen gut gehen können, nicht nur uns im Westen». 

Die Podiumsdiskussion wurde mit dem Einbruch der Dunkelheit offi-ziell beendet. Die Besucherinnen und Besucher diskutierten aber in kleineren Runden noch weiter über das vielseitige Thema Klimawandel.

 



05.09.2019 :: Jana Wyss
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