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Wie sich Langnau baulich entwickeln möchte
Wie sich Langnau baulich entwickeln möchte Langnau:

Land einzonen wird auch in Langnau die Ausnahme bleiben, wenn es darum geht, Wohn- und Gewerberaum zu schaffen. Besser genutzt werden sollen die bestehenden Bauzonen.

«Danke, dass ihr euch Zeit nehmt für die Entwicklung von Langnau und dadurch mithelft, einen Mehrwert zu schaffen für alle.» Diesen Dank richtete Gemeinderat Bernhard Gerber an die knapp 30 Personen, welche letzte Woche die Mitwirkungsversammlung zur Ortsplanungsrevision besuchten. Ihnen erklärten Bernhard Gerber, der Ortsplaner Philipp Hubacher sowie der Bauverwalter Ronald Aeschlimann, wie die Ortsplanung nach deren Revision aussehen soll. 

Mehr verschiedene Zonen

Vorgesehen sind verschiedene Nutzungszonen. Wie bisher gibt es Wohnzonen, Mischzonen, Arbeitszonen und neu auch Kernzonen. Während die maximale Bauhöhe im bisherigen Baureglement über die Gebäudehöhe geregelt ist, wird sie neu über die traufseitige Fassadenhöhe in Kombination mit der Dachneigung geregelt. Aufgrund der neuen Messweise kann die traufseitige Fassadenhöhe 0,5 bis 1,5 Meter höher sein als bisher. 

Um die Siedlungsentwicklung nach innen zu fördern, gibt es sowohl fürs Arbeiten als auch fürs Wohnen Zonen, in welchen ein Stockwerk höher gebaut werden darf als bisher. Das heisst, neu gibt es die viergeschossige Wohnzone und auch Arbeitszonen, in welchen höher gebaut werden darf. Beispielsweise im Schärischachen sollen bis zu 20 Meter hohe Gebäude hingestellt werden dürfen. Auch wenn das Einzonen von Landwirtschaftsland die Ausnahme sein wird: im Schärischachen ist eben diese Ausnahme vorgesehen. 

Unten arbeiten, oben wohnen

Wichtig sei die Art der Nutzung in der Kernzone, betonte Philipp Hubacher. Sie bietet Platz sowohl fürs Wohnen als auch fürs Arbeiten. Sie umfasst die gestalterisch empfindlichen, historischen Ortskerne von Langnau und Bärau. Es gibt zwei Arten dieser Kernzonen: die K1 mit offener Bauweise und Grenzabständen sowie die K2 mit annähernd geschlossener Bauweise. Um den Dorfkern zu stärken, soll das Parterre dort, wo jetzt gearbeitet wird, in Zukunft ausschliesslich als Gewerberaum genutzt werden. «Der schleichenden Umnutzung des Erdgeschosses in Wohnnutzungen soll damit angemessen entgegengewirkt werden», steht im Erläuterungsbericht zur Ortsplanungsrevision. «Die Erfahrung zeigt: Sind einmal Wohnungen im Erdgeschoss, ist es unwahrscheinlich, dass diese später wieder zu Arbeitsraum werden», begründete der Ortsplaner an der Versammlung diese Änderung. 

Aus Weilerzone soll Bauzone werden

Der Ort Gohl, welcher heute als Weilerzone ausgeschieden ist, möchte der Gemeinderat für Bauland umzonen. «Wir haben dort sowohl eine Käserei als auch eine Schmiede. Es macht Sinn, wenn diese Betriebe nahe bei der Landwirtschaft stehen. Hierfür müssen sie sich aber entwickeln können», begründete Bernhard Gerber dieses Ansinnen.  

Für und gegen die Fachberatungen

Nebst Baureglement und mehreren Plänen ist in den Mitwirkungsunterlagen auch die Verordnung über die Fachberatung zu finden. Dieser ständige Fachausschuss soll bei Bedarf tagen und durch die Verwaltung beigezogen werden können. Die Zusammensetzung dieses Gremiums soll aus unabhängigen Fachpersonen mit Wohn- und Geschäftssitz ausserhalb der Gemeinde bestehen. Dies war an der Versammlung der einzige kontrovers diskutierte Punkt. Mit sogenannt qualifizierten Verfahren wie Wettbewerbe, Studienaufträge, Workshops- und Gutachterverfahren – und neu eben mit der Fachberatung, soll in Langnau die Qualität bezüglich Bau- und Aussenraumgestaltung gesichert werden. «Wir haben bereits genügend  Instrumente. Diese vorgesehene Fachberatung ist absolut unnötig», fand ein Votant. Er erhielt Unterstützung von weiteren Anwesenden. Es brauche kein Fachausschuss, hinter welchem sich die Verwaltung und die zuständigen Kommissionen verstecken könnten, diese sollten ihre Verantwortung nicht weiter delegieren, doppelte einer nach. Diese Fachleute würden viel kosten, so würden entweder die Bauwilligen oder die Steuerzahler zur Kasse gebeten. Es gab aber auch einer, der anregte, dass die Fachberatung von sich aus solle aktiv werden können, wenn sie dies als sinnvoll erachte. 

Dauerts länger oder weniger lang?

Gemeinderat, Ortsplaner und Bauverwalter verteidigten die Einführung der Fachberatung, so wie sie in der Revision vorgesehen ist.  Solche Unterstützung hätten Verwaltung und Kommission bereits bisher anfordern können. Zudem gaben sie sich überzeugt, dass die kantonalen Instanzenwie die OLK (Kommission zur Pflege der Orts- und Landschaftsbilder) die Fachberatung begrüssen und deren Arbeit anerkennen würden. So käme die OLK bei einem Bauvorhaben möglicherweise gar nicht ins Spiel. Bauverwalter Ronald Aeschlimann stellte in Aussicht, dass die Verfahren, von einem Fachausschuss begleitet, eher kürzer würden als länger, wie dies von den Kritikern befürchtet wird. Das Bauen sei sehr komplex geworden. Durch die Unterstützung des Fachausschusses könnten unter Umständen Beschwerden, die ein Projekt verzögerten, verhindert werden.   

Planung ist in der Halbzeit

Die Arbeiten für die Ortsplanungsrevision laufen bereits seit Anfang 2018. Wir sind jetzt etwa in der Halbzeit, sagte Ronald Aeschlimann. Noch bis am 30. August können sich die Bürgerinnen und Bürger im Mitwirkungsverfahren zur baulichen Entwicklung Langnaus äussern. Die Planer gehen davon aus, dass das Gemeindeparlament Ende nächsten Jahres über die revidierte Ortsplanung beschliessen kann, und der Kanton sie dann im ersten Quartal 2021 genehmigen wird.

11.07.2019 :: Jakob Hofstetter
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