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Wie geht es dir? – psychische Störungen betreffen viele Leute
Wie geht es dir? – psychische  Störungen betreffen viele Leute Langnau:

Am internationalen Tag der psychischen Gesundheit wurde der Film «Aus tiefster Seele» vorgeführt. Er war der Auftakt für weitere Anlässe im Kanton Bern. 

«Jeder zweite Schweizer und jede zweite Schweizerin hatte schon Komplikationen mit psychischen Störungen, 700’000 Schweizer konsumieren gegen diese Symptome regelmässig Medikamente», war am vergangenen Donnerstag von verschiedenen Seiten zu vernehmen. Aus Anlass des internationalen Tages der psychischen Gesundheit organisierte die Psychiatrie Emmental gemeinsam mit regionalen Institutionen und Beratungsstellen eine Filmvorführung sowie eine Podiumsdiskussion in der Kupferschmiede in Langnau. 

Wie geht es Dir?

Unter Moderation von Jüre Lehmann, Radio Neo1, beteiligten sich Alexandra Ullmann, Familienbegleiterin und Pflegefachfrau Psychiatrie des Regionalspitals Emmental; Gerold Bayer, Leitender Arzt der ambulanten Kinder- und Jugendpsychiatrie Region Emmental-Oberaargau, sowie Krankheits-Betroffener Lukas Hohl, studierter Pfarrer, am Podiumsgespräch. «Bereits im Alter von zwölf Jahren verspürte ich die ersten Störungen, als ich 46 Jahre alt war fiel ich in eine schwere Depression, berufliche und private Gründe waren die Ursache», berichtete Lukas Hohl. «Heute mit 60 Jahren geht es mir dank diverser Therapien wieder besser. Für die Organisation Pro Mente Sana mache ich heute Beratungen.» 

«Wann reagiere ich, wenn ich spüre, dass etwas mit einer mir bekannten Person nicht stimmt, wenn ich meine, psychische Symptome bei jemandem festzustellen?», fragte Alexandra Ullmann. Vielfach nützte die Frage «Wie geht es Dir?» um vertiefte Antwort auf den Gesundheitszustand einer Person zu erhalten. Fingerspitzengefühl beim Nachfragen ist auf alle Fälle erforderlich, um niemanden zu brüskieren. Psychische Krankheiten gehören zu den häufigsten, einschränkenden und volkswirtschaftlich bedeutsamsten Krankheiten überhaupt. «Für Störungen können genetische Gründe sprechen – muss aber nicht sein. Gewisse Sachen hat jeder selbst in der Hand, externe Einflüsse sind aber oft unvermeidbar», führte Gerold Bayer aus. 

Film mit Tiefgang

Gezeigt wurde der Film «Aus tiefster Seele» (Originaltitel: Canvas) über das Schicksal einer Familie, in welcher die Mutter an einer ausgeprägten Form der Schizophrenie leidet. Psychischer Stress, Ausgrenzung und finanzielle Probleme belasten den Familienalltag sehr. Mary Marino leidet an Schizophrenie und weigert sich, ihre Medikamente zu nehmen. So muss ihr Mann John sie immer wieder in eine Nervenklinik einweisen lassen, weil er sich nicht anders zu helfen weiss. Doch am meisten leidet wohl ihr Sohn Chris unter der Situation. Seine Mutter blamiert ihn in der Öffentlichkeit – in der Schule wird er deswegen gehänselt. Die vielen Behandlungen belasten die Familienkasse stark. Trotzdem erfüllt sich der handwerklich begabte Familienvater den Traum, ein Boot zu bauen. Beim ersten Segeltörn kann Mary noch nicht dabei sein, denn die Medikamente versetzen sie in einen dämmrigen Geisteszustand. Die ursprünglich geplante Fahrt als komplette Familie holen die drei aber später nach. Mary hat sich offenbar entschlossen, den ärztlichen Verordnungen Folge zu leisten. Im preisgekrönten US-Filmdrama von 2006 hat Regisseur und Drehbuchautor Joseph Greco Erlebnisse seiner eigenen Kindheit mit einer schizophrenen Mutter nachgezeichnet. Der Film gewann 2006 und 2007 verschiedene Preise, darunter den Publikumspreis auf dem Nantucket Film Festival und dem Sarasota Film Festival. Schauspieler Devon Gearhart war 2008 für den Young Artist Award nominiert. 

Die Familie miteinbeziehen 

Auch wenn alle Eltern im Alltag von Zeit zu Zeit an ihre Grenzen stossen, ist der gesellschaftliche Druck, perfekte Eltern zu sein, enorm. Aus Angst, als Mutter oder Vater in Frage gestellt zu werden, suchen viele Eltern keine Hilfe, wenn sie selber psychisch erkranken. Wenn sie jedoch therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, wird nicht bloss dem erkrankten Elternteil geholfen. Eine Therapie bietet auch die Möglichkeit, über die Situation der Kinder und der Familie zu sprechen.

Wie kann Betroffenen geholfen werden? Eine ambulante, wöchentlich einmalige Behandlung ist oft sinnvoll, auch Hausbesuche können unterstützend wirken. Tageskliniken mit aktiver Beschäftigung, wo der Betroffene abends wieder in sein trautes Heim zurückkehrt, hätten sich bewährt, war an dem Anlass in der Kupferschmiede zu erfahren. Bei schwerwiegenden Fällen seien stationäre Angebote zur Betreuung von kranken Personen unumgänglich, führte Pflegefachfrau Alexandra Ullmann aus. 



Informationen

Die Berner Aktionstage psychische Gesundheit bei Kindern, Jugendlichen und Bezugspersonen dauern noch bis zum 22. November 2019. 

17.10.2019 :: Pedro Neuenschwander
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