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Wie den ÖV nutzen, wo weder ein Bus noch eine Bahn fährt?
Wie den ÖV nutzen, wo weder ein  Bus noch eine Bahn fährt? Emmental:

Rufbus, Sammeltaxi oder Car-Sharing könnten im Emmental den öffentlichen Verkehr ergänzen. Die Regionalkonferenz erarbeitet derzeit ein Konzept.

Zahlreiche Einwohnerinnen und Einwohner des Emmentals – rund ein Viertel der Bevölkerung – sind nicht mit dem öffentlichen Verkehr erschlossen. Dies sei der schlechteste Wert im Kanton Bern, sagt Walter Scheidegger. Der Gemeindepräsident aus Hasle präsidiert auch die Kommission öffentlicher Verkehr der Regionalkonferenz Emmental. 

Eine Massnahme des regionalen Gesamtverkehrs- und Siedlungskonzepts Emmental lautet, alternative Erschliessungsformen für vom ÖV nicht oder sehr schlecht bedienten Räume zu prüfen. So könnte allenfalls ein minimales Mobilitätsangebot für nichtmotorisierte Personen der Region geschaffen werden. 

Die Regionalkonferenz Emmental hat nun – als erste im Kanton Bern – durch ein spezialisiertes Büro ein Konzept erarbeiten lassen und dies den Gemeinden zur Mitwirkung zugesandt. 

Nicht jede Streusiedlung erschliessen

Ziel dieses Konzept sei es nicht, die Streusiedlungsgebiete flächendeckend zu erschliessen, heisst es in einem Bericht zum Konzept. Die dort bestehenden räumlichen Voraussetzungen stellten eine grosse Herausforderung für den ÖV dar, selbst für alternative Angebotsformen. Die ansässige Bevölkerung habe sich auf die Nutzung des privaten Autos eingestellt. «Der Fokus liegt viel mehr auf denjenigen Gebieten und Achsen, die zwar bereits mit dem ÖV erschlossen sind, deren Erschliessung aber noch örtliche, zeitliche und finanzielle Defizite aufweisen», so das Fazit im Bericht.

Was es gibt und geben könnte

Laut Adriano Miceli, stellvertretender Geschäftsstellenleiter der Regionalkonferenz Emmental und Projektleiter, kennt man in der Region bereits mehrere alternative Erschliessungs- und Angebotsformen. Einige davon haben sich nicht durchgesetzt. Beispielsweise das einfache System mit dem gelben, auf dem Trottoir aufgemalten Punkt an bestimmten Orten. Wer eine Mitfahrgelegenheit suchte, stand auf diesen Punkt. Ebenfalls nicht erfolgreich war das Mitnahme-System Carlos (Car-los). Es wurde von 2002 bis 2005 in Burgdorf als -Pilotbetrieb geführt. 

Aktuell bestehend sind Hauslieferdienste mit E-Bikes und Velovermietungsstationen. Auch sie zählen zu den alternativen Angebotsformen, da durch ihre Nutzung auf ein Auto verzichtet werden kann. 

In Trubschachen-Kröschenbrunnen und Rüderswil verkehren Bürgerbusse, die ebenfalls eine Alternative zum ÖV darstellen. Rufbusse oder Sammeltaxi existieren laut Adriano Miceli im Emmental noch nicht.

Luthern machts vor

Ein Modell, nach welchem auch Emmentaler Gemeinden schielen, funktioniert hinter dem Napf, in Luthern. Es ist das Mitnahmesystem (Ride-sharing) Taxito. Walter Scheidegger ist an den Erfahrungen der Gemeinde aus dem Luzerner Hinterland interessiert, da diese bezüglich Topografie ähnlich gelagert sei wie viele Emmentaler Gemeinden. Der zuständige Gemeinderat aus Luthern, Lukas Lustenberger, ist des Lobes voll. Die Automobilisten und die Mitfahrenden schätzten vor allem die einfache Nutzung. «Zudem ist die Anwendung sicherer als etwa gewöhnlicher Autostopp», sagt er. Für viele sei wichtig, dass sie keine App aufs Handy laden müssten. An der Haltestelle schickt der Passagier seine gewünschte Destination per SMS an Taxito. Diese erscheint an der Tafel. Wenn ein Auto anhält, sendet der Fahrgast die Autonummer wiederum per SMS an Taxito – und steigt ein. Fahrpreis: zwei Franken. Die Kosten für den Pilotbetrieb übernahm der Kanton. Über den Kostenteiler für die Zukunft sei man derzeit mit dem Kanton in Verhandlung, so Lustenberger.

Alternative für den Kröbu

Die Gemeinden Trub und Trubschachen haben sich in der Vernehmlassung zum Konzept dahin geäussert, dass sie bereit wären, an einem Pilotprojekt teilzunehmen. «Für den Kröbu (Kröschenbrunnen-Bus) zahlen wir jährlich um die 45’000 Franken. Das können wir uns auf Dauer nicht leisten, sagt Trubs Gemeindeverwalter Ernst Kohler. Wir müssen uns nach einer Alternative umsehen.»

Theo Rüegger, Finanzverwalter in Trubschachen und wie Walter Scheidegger Mitglied ÖV-Kommission der Regionalkonferenz, hat ähnliche Ideen wie Ernst Kohler. «Auch Trubschachen ist an einer Verbindung nach Kröschenbrunnen interessiert. Auf der vielbefahrenen Kantonsstrasse hätte der Taxito sicher gute Erfolgs-chancen», mutmasst er. 

Wer will das Auto teilen?

Der Schlussbericht zum Konzept soll Anfang Februar öffentlich zugänglich sein. Ob und allenfalls wie das Konzept schliesslich umgesetzt werde, sei ungewiss, dämpfen Scheidegger und Miceli zu grosse Erwartungen. Nicht überall sei dasselbe erfolgreich. Beispielsweise Taxito funktioniere nur, wenn Leute bereit seien, ihr Auto mit Fahrgästen zu teilen, und wenn die Gemeinden sich an den Kosten beteiligen würden. 

13.12.2018 :: Jakob Hofstetter
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