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Wertbeständig

Alfred hatte es versäumt, vor Benützung der Waschanlage das hintere Fenster seines Autos ganz zu schliessen. Als er nach der Reinigung die Überschwemmung im Wageninnern wahrnahm, liess er sich zum Ausruf hinreissen: «Ich bin der grösste Trottel, der auf Gottes Erdboden unterwegs ist.» Ein liebenswürdiger älterer Herr versuchte, den erbosten Alfred zu beschwichtigen: «Sie sind kein Trottel, Sie haben lediglich einen Fehler gemacht.» Diese Feststellung mag billig klingen, zumal Alfred seinen Fehler im wortwörtlichen Sinn selber ausbaden musste. Auf der anderen Seite ist es fatal, wenn ich meinen Wert als Mensch von meinem Gelingen oder Misslingen abhängig mache. Der Schüler, der in Französisch eine Drei geschrieben hat, fühlt sich als Versager, während sein Kollege, mit einer Topnote das Selbstvertrauen aufpolieren kann. 

Im Berner Kunstmuseum hängt ein Bild, das eine junge, einsame Frau als eingeschlafene Trinkerin zeigt. Dieses Bild ist nicht wegen dieser Darstellung äusserst wertvoll, sondern weil es von Picasso gemalt ist. 

Als Mensch verdanke ich meinen Wert nicht meinem Schaffen und Mühen, sondern dem lebendigen Schöpfergott, der mich nach seinem Ebenbild geschaffen hat. Warum? «Weil du teuer bist in meinen Augen, wertvoll und ich dich liebhabe…» (Jesaja 43.4). Diese Zusage gibt Gott zuerst seinem Volk Israel. Mit dem nötigen Respekt darf ich sie auch für mich persönlich nehmen: «Ich bin teuer, wertvoll und geliebt in Gottes Augen.» Darum brauche ich mich für mein Versagen nicht selber abzuwerten oder zu bestrafen. Ich muss mein Schuldigwerden nicht wegdiskutieren, sondern darf Gott um Vergebung bitten. Weil ich in seinen Augen wertvoll bin, darf ich mich selber bejahen, sogar wenn ich beim Autowaschen mal vergessen sollte, das hintere Fenster zu schliessen.

07.06.2018 :: Herbert Held, reformierter Pfarrer, Röthenbach
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