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Werden keine Tiere mehr gehalten stellen sich Fragen zum Abwasser
Werden keine Tiere mehr gehalten stellen sich Fragen zum Abwasser Emmental: Der Strukturwandel in der Landwirtschaft betrifft auch die Abwasserklärung. Entweder wird das Haus an die öffentliche ARA angeschlossen oder eine eigene Anlage gebaut.

«Wir planen, unseren Landwirtschaftsbetrieb zu verpachten und machen uns Gedanken, wie es mit dem Abwasser weitergehen könnte», sagt Ulrich Linder von der Knubelmatte im Gohlgraben, Gemeinde Langnau. Linder ist nicht der einzige, der eine neue Lösung braucht, um das Abwasser zu klären. In Zusammenhang mit dem Strukturwandel in der Landwirtschaft würde sich diese Frage immer wieder stellen, sagt Gemeinderat Jürg Gerber, der das Ressort Umwelt, Ver- und Entsorgung sowie Land- und Forstwirtschaft betreut. 

Ist ein ARA-Anschluss zumutbar?

Solange auf den Heimwesen genügend Tiere gehalten werden – mindestens acht so genannte Düngergrossvieheinheiten – kann das Abwasser in die Jauchegrube eingeleitet werden und später vermischt mit der Gülle der Tiere auf den Feldern ausgebracht werden. Werden weniger Tiere gehalten, muss die Wohnung an die öffentliche ARA angeschlossen werden oder die Grundeigentümer bauen eine eigene Kleinkläranlage. «Wir haben vor rund drei Jahren begonnen, die Sache zu planen», sagt Ulrich Linder. Weil die Distanz zur nächsten ARA-Leitung gut 2,5 Kilometer betrage, sei rasch klar gewesen, dass eine Kleinkläranlage im Vordergrund stehe. Wann ein Anschluss an das öffentliche Netz zumutbar ist, richtet sich nach einem Gerichtsentscheid aus dem Jahr 2008. Gemäss dem Urteil sind 8400 Franken pro Zimmer für den Bau der Leitung inklusive der Anschlussgebühr zumutbar, wie das kantonale Amt für Wasser und Abfall (AWA) Abteilung Siedlungswasserwirtschaft auf Anfrage mitteilt. Weil die Leitung von der Knubelmatte in die öffentliche ARA-Leitung viel mehr Kosten würde, machte sich Linder daran, eine Kleinkläranlage zu planen, wie schon mehrere im Gohlgraben betrieben werden. «Wir haben uns schon länger überlegt, eine solche Einrichtung anzuschaffen. Zum einen ist es ein beträchtlicher Aufwand, das mit Gülle vermischte Abwasser auszubringen», berichtet Ulrich Linder, welcher den Landwirtschaftsbetrieb im Nebenerwerb führt. «Zum andern finden wir es nicht wirklich sinnvoll, Stoffe wie Seife ungeklärt auf die Felder auszubringen.» 

Mittlerweile haben die Linders Abklärungen vorgenommen und Offerten eingeholt. «Die Kleinkläranlage würde in unserem Fall 25’000 bis 30’000 Franken kosten. Bauen wird Linder die Kleinkläranlage aber nun nicht – weil sich andere Liegenschaftsbesitzer in dem Tal in derselben Situation befinden und es nun wohl eine gemeinsame Lösung gebe. 

ARA-Leitungen verlängern

Gemeinderat Jürg Gerber bestätigt, dass die Gemeinde dieses Jahr abkläre, die ARA-Leitung – die heute bis zum Camping-Platz führt – zu verlängern. Erweiterungen seien weiter auch in den Gebieten Gartegg und Hohwacht vorgesehen. 

Auch die Gemeinde Trub plant einen Ausbau. Wie Gemeindeschreiber Ernst Kohler erklärt, werde der Kredit für die Leitung in das Twärental an der nächsten Gemeindeversammlung traktandiert. Die Erschliessung mache Sinn, zumal der Twärengraben, in welchen das gereinigte Abwasser eingeleitet werde, im Sommer jeweils kaum mehr Wasser führe. Hinzu komme, dass der Kanton Druck mache für die Anschlüsse an die ARA und auch rund einen Viertel der Kosten übernehme. Gemäss Schätzungen werde die ARA-Leitung in das Seitental 350’000 Franken kosten. «Auf den ersten Blick ist das ein stolzer Betrag», meint Kohler. Aber: «Die Leitung hat eine Lebensdauer von rund 80 Jahren – die Kleinkläranlagen hingegen 20 bis 25 Jahre und diese muss regelmässig gewartet werden. Daher ist der Anschluss an die ARA in vielen Fällen günstiger.» Ein Anschluss sei unter Umständen auch für Landwirtschaftsbetriebe interessant, zumal ein viel grösseres «Bschüttloch» auch viel mehr kosten würde. Kleinkläranlagen hätten «näbenusse» aber durchaus ihre Berechtigung, sagt Ernst Kohler weiter. Alleine in der Gemeinde Trub seien 32 solcher Anlagen in Betrieb.  


 

Kleinkläranlagen: Anzahl nimmt leicht zu

Pro Jahr würden fünf bis zehn neue Kleinkläranlagen bewilligt, teilt das kantonale Amt für Wasser und Abfall (AWA) auf Anfrage mit. Gleichzeitig würden jährlich im Durchschnitt zwei bis fünf Anlagen aufgehoben, weil das Abwasser in die öffentliche Kanalisation geleitet werde. Die Zahl dieser Anlagen nimmt demnach leicht zu. 

«Im Kanton Bern werden hauptsächlich SBR- (Sequentielle Biologische Reinigung) sowie Tropfkörperanlagen realisiert», schreibt das AWA. Die jährlichen Unterhaltskosten einer Kleinkläranlage würden zirka 1500 Franken betragen. Darin enthalten seien Servicevertrag, Laboranalyse, Stromkosten und Schlammentnahme. 

Die Anlagen werden in der Regel ein- bis zweimal pro Jahr durch eine zertifizierte Firma oder vom Personal einer grossen ARA kontrolliert, schreibt das AWA, welches diese Firmen mittels Stichproben überwacht. 

09.01.2020 :: Bruno Zürcher
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