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Wenn einer eine Reise macht ...

«Die Reise gleicht einem Spiel. Es ist immer Gewinn und Verlust dabei und meist von der unerwarteten Seite».

(Goethe)

Ist es Ihnen auch schon so ergangen? Sie unternehmen unbekümmert eine Reise und dann kommt alles etwas anders, wie bei mir. Ich muss an eine Besprechung nach Oerlikon. Ich nehme den Bus nach Signau und steige in die S2 Richtung Bern. Plötzlich eine Durchsage: «Die S2 fährt nur bis Ostermundigen. Der Grund ist eine Stellwerkstörung. Bitte steigen Sie in die S1 um.» Als Sehbehinderter muss ich jemanden fragen, wo denn die S1 fahre. Wohl eine Touristin, sie sagt verlegen: «Sorry, I don’t know.» Also frage ich weiter und finde den Perron.

Jetzt warten, denn die Einfahrt der S1 ist in 25 Minuten. In Bern verpasse ich den Anschlusszug und warte wieder auf den nächsten Zug nach Zürich. Mein Hund Momo nimmt das gelassen hin, ich eher weniger.

Doch noch in Oerlikon angekommen, muss ich nach der Bushaltestelle fragen, denn der Bahnhof wurde umgebaut und die Bushaltestelle verlegt. Ich bin unsicher. Also gehe ich zu Fuss, denn den Weg kenne ich, bin aber etwas spät dran.

Die Besprechung verläuft gut und ich fahre zurück nach Zürich HB. Ich komme auf Gleis 31 an und frage mich: «Wo geht’s jetzt hier raus?» Plötzlich stehe ich beim Treffpunkt. Noch schnell ein Sandwich und ein Bier kaufen, es ist ja schon halb Sieben. Da die Züge zu dieser Zeit überbelegt sind, entscheide ich mich, den RE über Olten, Bern zu nehmen. Abfahrt: 19.06 Uhr, Gleis 17. Dieses habe ich einigermassen problemlos gefunden. Der Zug fährt ein und ich steige ein, teile mein Sandwich mit meinem Hund, aber nicht das Bier, und warte. Und dann kurz vor der Abfahrt die Durchsage: «Wir begrüssen Sie (...). Dieser Zug fährt nur bis Olten. Grund: ein stehen gebliebener Zug.» So langsam steht mein Verstand auch still. Was soll ich jetzt machen? In welchen Zug in Olten soll ich umsteigen? Direkt nach Bern oder besser über Burgdorf und Langnau nach
Aeschau? Ich entscheide mich für Burgdorf, warte dort wieder und steige nochmals um und komme dann endlich in Langnau an. Super, jetzt habe ich eine S2 nach Signau, muss dort wieder auf den Anschlussbus nach
Aeschau warten. Spät am Abend sitzen Momo und ich auf dem Sofa. Sie schaut mich müde an und scheint zu sagen: «Es war trotz allem schön, mit dir zu reisen und auf mich kannst du dich immer verlassen. Mach dir nichts draus, mit dem Zug ist es manchmal etwas anders. Aber morgen gehen wir beide zu Fuss.»


13.06.2019 :: Oswald Bachmann Aeschau
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