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Wenn der Pilzkenner durch den Wald streift
Wenn der Pilzkenner durch den Wald streift Pilze erkennen ist kein Kinderspiel:

Ein Rundgang mit dem Präsidenten des Vereins für Pilzkunde Emmental.

Ein Kenner am Werk 

Konzentriert, den Blick zum Boden gerichtet, führt Daniel Rüegseggers Weg in den Wald. Der Unterschied zu einem Laien wird bald offensichtlich. Rüegsegger, der nicht nur sammelt, sondern auch als Pilzkontrolleur und Kursleiter tätig ist, kennt nicht nur die gängigsten Arten. Langsam füllt sich der Korb mit noch mehr Steinpilzen und Maronenröhrlingen, aber auch mit Pfifferlingen und Bovisten, einem Goldröhrling, Schirmlingen, Scheidenstreiflingen, Perlpilzen, einem braunen Ledertäubling und blauen Lacktrichterlingen. Dazu gesellt sich der Rotstielige Ledertäubling und ein Mohrenkopf. Die Pilze werden sorgfältig aus dem Boden gedreht, zu alte oder wurmstichige Exemplare stehen gelassen. Dann kommt das Taschenmesser zum Einsatz: «Ich rüste die Pilze gleich vor Ort», sagt Rüegsegger. «So bleiben sie sauber und ich nehme nichts Überflüssiges mit nach Hause.» 

Auch im Restaurant Steingrube in Oberburg, wo der gelernte Metzger und Koch wirtet, verwertet er die selbst gesammelten Pilze. Für die tellergrossen Schirmpilze, die man ohne Stiel verwendet, hat Rüegsegger einen besonderen Tipp: «Die Schirme wende ich in einem Eierteig und brate sie in einer grossen Bratpfanne.» Das schmecke sogar Kostverächtern, hat der 45-Jährige die Erfahrung gemacht. Rüegseggers persönliche Favoriten unten den Speisepilzen sind jedoch der Steinpilz, das Schweinsohr und der Zigeuner. «Sie haben das beste Fleisch!»

Seine Leidenschaft für Pilze entdeckte Daniel Rüegsegger vor Jahren, als er noch in Schangnau wirtete und als Ausgleich im Wald spazieren ging. Dabei fand er ab und zu ein paar Exemplare und begann schliesslich mit dem Sammeln, wie er es als Kind schon gemacht hatte. Im Jahr 2008 wurde er Mitglied des Vereins für Pilzkunde Emmental. Und heute amtet der Vater zweier erwachsener Töcher dort als Präsident. Das Ziel des Vereins ist es, den Leuten die Pilze als günstiges Naturprodukt näherzubringen. Zudem soll Aufklärung Vergiftungen vermeiden, denn diese sind nicht selten, wenn auch selten schwerwiegend (siehe Kasten). «Häufig finde ich in den Körben bei Pilzkontrollen den bitteren Gallenröhrling», nennt Daniel Rüegsegger ein Beispiel. «Er wird oft mit dem Steinpilz verwechselt.» Auch der ungeniessbare Schönfussröhrling mit dem rotgelben Fuss werde manchmal für den ähnlichen, aber essbaren Hexenröhrling gehalten. Solche Verwechslungen können unangenehme Folgen haben. «Deshalb sollten einen die paar Franken für eine Kontrolle nicht reuen.»

Es gibt mehrere tausend Pilzarten

Rund 100 verschiedene Speisepilze findet Rüegsegger in Emmentaler Wäldern und auf Wiesen. Insgesamt gebe es jedoch 3000 bis 4000 Pilzarten in der Region, schätzt er, darunter viele Baumpilze und andere ungeniessbare Arten. Am kommenden Wochenende wird der Verein für Pilzkunde alle Hände voll zu tun haben. Rund 200 verschiedene Pilzarten –essbare und ungeniessbare – werden für die grosse Ausstellung in Langnau gesammelt und säuberlich beschriftet. Pilze sammeln liegt im Trend. Besteht da nicht die Gefahr einer Übernutzung? Daniel Rüegsegger winkt ab: «Solange jeder sich an die kantonalen Regeln hält und nicht mehr als zwei Kilogramm pro Person und Tag sammelt, gibt es für alle genug.» Nach gut einer Stunde ist das «Rundeli» beendet und die Ausbeute von einem Kilogramm kann sich sehen lassen. Daniel -Rüegsegger ist zufrieden. Besonders die Steinpilze hätten eine Top-Qualität. Auf die Frage, was er jetzt mit dem Sammelgut -mache, antwortet er: «Sie dürfen die Pilze nach Hause nehmen!» 

 

 

Pilzausstellung mit Pilzessen im CBZ Langnau beim Ilfiskreisel: Samstag, 7. September 2019, von 12.00 bis 21.30 Uhr (Restauration ab 11.00 Uhr) sowie Sonntag, 8. September 2019, von 10.00 bis 16.00 Uhr.

Viele Pilze, viele Vergiftungen

Gemäss dem Jahresbericht von Tox-Info Suisse (Telefon 145) wurden im Jahr 2018 schweizweit 107 Pilzvergiftungen regis-triert, davon verliefen die meisten leicht bis mittelschwer. Nur zwei Menschen erlitten eine schwere Vergiftung, beide durch einen Fliegenpilz. Todesfälle gab es gemäss dem Bericht glücklicherweise keine zu verzeichnen. Von allen Vergiftungen machten solche mit Pilzen im letzten Jahr 2,4 Prozent aus. 

Weil es in diesem Jahr mehr Pilze gibt als im 2018, werden auch mehr Vergiftungen erwartet. Alleine im Kanton Bern fanden bis Ende August bereits 52 Untersuchungen wegen Pilzvergiftungen statt. Im letzten Jahr waren es im selben Zeitraum nur deren 31. Die meisten Meldungen werden laut Tox-Info Suisse in den Monaten September und Oktober erwartet.

05.09.2019 :: Rebekka Schüpbach
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