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«Weit wie das Meer»
Auszeit:

Manchmal staune ich, wenn ich an meinen Arbeitsplatz auf Heiligkreuz komme. Dies besonders in den vergangenen Wochen: Ein riesengrosses Nebelmeer breitet sich unter einem stahlblauen Himmel aus. Was aus dem Nebel schaut, ist der Napf und – je nach Wetterlage – der Rauch des weit entfernten Atomkraftwerkes Gösgen. Die Menschen, die unter der undurchdringlichen Nebeldecke leben, bedaure ich oft sehr. Vielleicht werden sie neidisch, wenn sie im Wetterbericht hören, dass über dem Nebel das schönste Winterwetter anzutreffen ist. Ich zähle mich zu den Privilegierten. 

Letzthin ist mir wieder einmal das Lied «Weit wie das Meer ist Gottes grosse Liebe» zur Hand gekommen. Da habe ich an das Nebelmeer, über das ich so oft hinwegschauen darf, gedacht. Sind die Menschen wohl neidisch, weil sie nicht so privilegiert sind wie jene, die über dem Nebel wohnen? Ich denke besonders auch an jene Menschen, die keinen Zugang mehr finden zum Glauben. Ich denke auch an jene, die aus welchen Gründen auch immer, keinen Halt mehr finden. Jene Menschen stehen dann vor mir, die eine traurige Nachricht zu verdauen haben. Auch jenen schenke ich einen stillen Gedanken, die krank sind, die keine Arbeit haben oder die sich einfach in einer lebensbedrohenden Situation befinden.

Im erwähnten Lied gibt es die Strophe: «Und doch sind Mauern zwischen uns und anderen, wir sehn einander nur durch Gitter an.» Wenn das für Sie – liebe Leserin, lieber Leser – zutreffen sollte, dann lade ich Sie ein, einmal in aller Ruhe dieses Lied durchzulesen. Sie finden es in den Kirchengesangsbüchern. Und wenn Sie sagen: «Ich stecke gegenwärtig unter einer dicken Nebeldecke», dann nehmen Sie sich doch eine Auszeit, steigen Sie über den Nebel und bestaunen Sie die wunderbare Schöpfung Gottes. Ich vermute: Dies weitet Ihren Blick!

31.01.2019 :: Jakob Zemp
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