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Weihnachtsgeschichten

Sie gehören einfach dazu in diesen Tagen, vorgelesen am Familienfest in der guten Stube oder als leichte Lektüre an ruhigen Abenden. Ich habe auch etwa einen Laufmeter davon in meiner Bibliothek. Im Frühling oder Sommer liest das kein Mensch, aber wenn die Tage kürzer werden und die Nächte dunkel, da bekommt man Lust auf Weihnachtsgeschichten. Ich habe schon viele (vor-)gelesen und gemerkt: Das ist eine ganz eigene Gattung Literatur. So wie Krimis, Märchen, Ratgeber und Reiseführer je eigene Literaturgattungen mit eigenem Charakter sind. Und so unterschiedlich Weihnachtsgeschichten sind – lustig oder todernst, fantastisch oder realistisch, historisch oder postmodern – sie haben alle etwas gemeinsam: Hoffnung. Es geht meist um ein alltägliches Problem: Da ist Armut, Krankheit oder Einsamkeit, da hat jemand ein schweres Schicksal zu tragen, wird gemobbt, hat Pech oder sein Unglück sogar selbst verschuldet. Und im Verlauf der Geschichte geschieht dann etwas, das eine Lösung oder zumindest eine Hoffnung bringt. Aber das ist in der Regel nichts Dramatisches, kein Deus ex Machina, kein Blitz vom Himmel – das Problem löst sich, weil jemand ein wenig mutig, ein wenig menschlich ist, über seinen Schatten springt. Interessant ist ja, dass kein Amt für Kultur und keine Literaturkommission das vorgibt. Die Leser wollen das lesen und kaufen die Bücher, deshalb werden sie gedruckt. Wahrscheinlich suchen wir in dieser Zeit unbewusst diesen Trost. Und bekommen dazu auch gleich die Moral mitgeliefert: Der Trost kommt nicht von selbst, sondern weil Menschen sich mutig und menschlich verhalten. Und das passt gut zu Weihnachten, die uns zeigen will, wie Gott den Mut hatte, menschlich zu werden, aus seiner Komfortzone herauszukommen. Haben wir den Mut, es ebenso zu machen?

28.12.2018 :: Samuel Burger
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