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Warten

Wie halten Sie es mit dem Warten? -Reagieren Sie genervt, wenn Sie am Skilift, am Postschalter oder an der Kasse im Supermarkt warten müssen? Hupen und blinken Sie wie wild, wenn der Fahrer vor Ihnen nicht gleich losfährt, wenn die Ampel zu Grün wechselt?

Irgendwie mag ich das Warten. Und darum habe ich mir zu Hause ein Wartezimmer eingerichtet. Nicht für allfällige Besucher, sondern für mich selber.

Sie werden sich jetzt vielleicht fragen, wozu?

Sie kennen vielleicht den Werbespot dieser Firma mit dem «dipl. Ing» vorne dran. Man ruft an, weil der Kühlschrank streikt, aber noch bevor man sein Anliegen wirklich formuliert hat, drückt die nette Dame bereits den roten Alarmknopf und Sekunden später ist ein Service-Team schon unterwegs. Ich sah mich unlängst gezwungen, erwähnte Firma eines defekten Geschirrspühlers wegen anzurufen. Bevor ich die Nummer wählte, öffnete ich Tür und Tor, sperrte einen Parkplatz vor dem Haus für den zu erwartenden Einsatzwagen und schilderte den Weg zum defekten Gerät sorgfältig aus. Ich ging nämlich davon aus, dass die Servicetruppe noch vor Ende meines Anrufs eintreffen könnte. 

Ganz so schnell gings dann allerdings nicht. Das Warten dauerte etliche Tage! Ich harrte geduldig aus, setzte mich mal vor das Haus, wechselte bei Regen in die Wohnung und spähte durch das Fenster nach der erwarteten Reparaturtruppe, wagte mich schier nicht auf die Toilette – kurz und gut: ich stellte fest, dass ich für eine solche Warterei gar nicht eingerichtet bin.

Darum baute ich kurzerhand ein Wartezimmer. Da gibts jetzt Hefte und
Zeitungen, sogar eine Kaffeemaschine ist installiert und für hartnäckige Fälle verfügt mein Wartezimmer auch über eine Schlafgelegenheit. Ich glaubte also, für künftiges Warten gewappnet zu sein. 

Bis zu dem Zeitpunkt, wo ich mein Duvet reinigen lassen wollte. Sie kennen sicher auch die Werbung mit diesem netten älteren Herrn und der etwas jüngeren Dame, die inzwischen auch ab und zu ein paar Sätze beisteuern darf. Auch diese Firma verspricht ja, dass man grad auf das gereinigte
Bettzeug warten kann. 

Schön und gut. Aber mein Wartezimmer ist ja daheim.

Ich glaube aber, inzwischen die perfekte Lösung gefunden zu haben. Ich
baute einen Wohnwagen in ein mobiles Wartezimmer um. 

Wenn Sie also irgendwann vor einer Postfiliale, beim Skilift oder am geschlossenen Bahnübergang einen Wohnwagen stehen sehen, treten Sie ruhig ein, trinken Sie mit mir einen Kaffee und verkürzen auf diese Weise das Warten.

19.09.2019 :: Peter Leu
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