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Von Tunneln und Tälern

Vor jedem Autobahntunnel ist auf einem Schild dessen Länge angegeben. Oft berechne ich bei der Einfahrt, wieviel Zeit ich in diesem Tunnel verbringen würde. Fahre ich mit 120 Stundenkilometern, so dauert es bei einer Tunnellänge von vier Kilometern ganze zwei Minuten bis ich wieder das Tageslicht erblicke. Bei 100 Stundenkilometern versagen meine Rechenkünste, doch dürften es ungefähr drei Minuten sein. Die meisten Menschen sehnen sich danach, den Tunnel so schnell als möglich hinter sich zu bringen. Dies gilt besonders auch für Tunnelzeiten im Leben, ausgelöst durch eine Krankheit, Trennung, psychische Erschöpfung, den Verlust eines lieben Menschen oder durch andere Herausforderungen. Wer wünscht sich nicht, sobald als möglich zur Normalität zurückzukehren. Doch je länger das Licht am anderen Ende des Tunnels auf sich warten lässt, desto mehr schwindet die Hoffnung, dass es überhaupt noch einen Ausweg gibt. Im biblischen Psalm 23 ist von keinem Tunnel, dafür von einem finsteren Tal die Rede: «Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal, fürchte ich kein Unglück, denn Du, Herr, bist bei mir.» Die wenigsten kommen mit einem Sprint durchs finstere Tal hindurch. Eine Wanderung dauert in der Regel länger, ganz besonders nachts. Kommt dazu, dass vor dem finsteren Tal kein Schild mit einer Zeitangabe befestigt ist. Doch gibt es im Psalm die tiefe Zusage, dass der lebendige Gott mich auf diesem ungewissen, finsteren und womöglich gefährlichen Weg nie allein lässt. Er wartet nicht erst auf der anderen Seite des Tales auf mich. Mitten in der Finsternis ist er bei mir, um mich zu begleiten – auch in Zeiten, wo ich ihn weder spüre noch erkenne. Falls Sie momentan in einem finsteren Tal unterwegs sind, vielleicht bereits seit Monaten oder sogar Jahren, dann wünsche ich Ihnen genau diese Zuversicht: «Du, Herr, bist bei mir.»

22.11.2018 :: Herbert Held, reformierter Pfarrer, Röthenbach
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