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Vom Massenstart zum Einzelläufer: Zwei Emmentaler Elite-Triathleten
Vom Massenstart zum Einzelläufer: Zwei Emmentaler Elite-Triathleten Triathlon: Schwimmen, Velofahren, Rennen – und in der Wechselzone das richtige Material finden. Andrea Salvisberg und Lisa Berger erzählen von ihrer Leidenschaft: Triathlon.

«Eigentlich bin ich doof, habe ich Triathlon als Sport gewählt. Dafür muss man soviel trainieren – bis zu 30 Stunden pro Woche», gibt der 30-jährige Andrea Salvisberg gleich als erstes zum Besten, auf die Frage: Wieso Triathlon? Beim Cappuccino erklärt der sympathische, gestylt gekleidete Athlet weiter: «Es sind die Rennen, die sehr viel Spass machen.» Das bestätigt auch die 26-jährige Lisa Berger aus Grosshöchstetten, die als Kind mehr wollte, als Handball im Dorfverein spielen. Die Eltern waren von dieser zeitaufwändigen und intensiven Sportart zuerst nicht begeistert. «Mittlerweile haben sich meine Eltern damit abgefunden, sie kommen auch ab und zu an ein Rennen», erzählt die angehende Pflegefachfrau besonnen und nippt trotz sommerlichen Temperaturen an einer warmen Schokolade.

Anders war es bei Salvisberg, dessen Bruder Florin Salvisberg auch erfolgreicher Triathlet ist: «Der Zieleinlauf 2004 von Sven Riederer an den Olympischen Spielen entzündete in mir und in meinen Brüdern den Spirit of Sport: Das Olympische Feuer!» Der Einstieg in die Triathlon-Welt erfolgte für Salvisberg und seine Brüder spielerisch über die Eltern, die beide Triathleten waren. So erinnert sich Andrea Salvisberg an eines seiner ersten Rennen: «Das war in Solothurn, als wir Kinder einfach mit den Badehosen an den Start durften. Da war viel Spass dabei». 

 

Motivation und starker Wille

Vieles haben sie gemeinsam, die zwei Emmentaler Triathleten: Sie gehören beide zur Schweizer Elite und dort zu den Hoffnungsträgern. Beide durften sie letzten Herbst am Team-Wettkampf (Mixed Relay) der Europameisterschaften in Glasgow teilnehmen und gleich zusammen mit Sylvain Fridelance und Nicola Spirig die Silbermedaille einheimsen. Dieses Jahr durfte Andra Salvisberg zusammen mit Nicola Spirig, Jolanda Annen und Sylvain Fidelance in Hamburg am WTS-Mixed Relay partizipieren, jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Lisa Berger wurde bei den Elite-Frauen als drittbeste Schweizerin 44. am WTS-Rennen in Hamburg. 

Berger wie auch Salvisberg sind hungrig auf den Erfolg und gewillt, nebst harten und lange Trainingseinheiten, auf die Ernährung zu achten und auf vieles zu verzichten. Beide haben nämlich ein Ziel: Die Olympischen Spiele in Tokyo 2020. 

 

Schwimmen, das unbeliebte Training

Doch die Voraussetzungen der beiden könnten nicht unterschiedlicher sein. Andrea Salvisberg (B-Kader, Swiss Triathlon) kann sich derzeit als Profisportler voll und ganz auf sein Training konzentrieren, für einen effizienten Trainingsgestaltung wohnt Salvisberg in einer Sportler-WG in Wallisellen. Lisa Berger (C-Kader, Swiss Triathlon) kann noch nicht alles auf die Karte Sport setzen, denn sie ist noch an der Berner Fachhochschule eingeschrieben, wo sie Pflege studiert. «Ich schaffe höchstens zwei Trainingseinheiten pro Tag», erzählt die vife Sportlerin. Gleich nach den Vorlesungen oder dem zur Ausbildung gehörenden Praktikum gehe sie schwimmen, weil ja sonst das Bad schon wieder geschlossen habe. «Es ist schwierig mit dem Schwimmtraining, oftmals muss ich alleine gehen, dann noch in der Öffentlichkeit. Das ist nicht so effizient und auch nicht lustig», erzählt Berger und lacht, auch wenn sie ein Hallenbad vor der Haustüre habe, sei Grosshöchstetten nicht geeignet für ihr Training. Und nach dem Schwimmen steht dann noch die Laufrunde oder das Radfahren auf dem Programm.

Das Schwimmtraining gehört auch bei Andrea Salvisberg definitiv nicht zur Lieblingseinheit, immerhin ist es in Wallisellen einfacher, weil das dortige Hallenbad den Swiss-Triathlon-Verband unterstützt und die Athleten somit freien Eintritt wie auch extra für sie gesperrte Bahnen bekommen. «Manchmal gibt es Tage, an welchen ich keine Lust habe, die vom Trainer vorgegebenen sieben Kilometer zu schwimmen, dann kürze ich auf fünf ab. Aber natürlich melde ich ihm das, wir sind täglich miteinander im Kontakt», erklärt Salvisberg. Denn grundsätzlich würde er sehr gerne schwimmen, das sei eine seiner Stärken. «Aber sieben Kilometer – das geht ewig und man muss sich konzentrieren und die Längen zählen, da kann ich nicht mal meinen Gedanken nachhängen, wie beim Laufen.» Mit Kollegen zusammen oder im Trainingslager falle es ihm leichter, die geforderten Längen zu schwimmen. 

 

Traineranweisungen per WhatsApp

Auch wenn er als Profisportler nicht einer geregelten Erwerbstätigkeit nachgehe, sei sein Tag sehr durchstrukturiert, erklärt Salvisberg: «Jeden Abend erhalte ich von meinem Trainer per WhatsApp die Anweisungen für den nächsten Tag. Es wechseln sich die Lauf- mit den Schwimm- und Velotagen ab. An einem Schwimmtag, zum Beispiel, gehe ich morgens um 08.00 Uhr ins Hallenbad, schwimme meine Längen. Zurück daheim esse ich ein Frühstück bevor ich so gegen 11.00 Uhr laufen gehe. Am Nachmittag stehen zwei bis drei Stunden Velo an. Zwischendurch halte ich meine, vom Schlafexperten verordnete Nickerchen und erledige den Haushalt. In unserer Sportler-WG fällt viel Wäsche an». Finanziell könne er gut von seinen Sponsoren leben, erklärt Salvisberg. Mit den Olympischen Spielen als Ziel vor Augen, ist er sehr froh, kann er sich nur auf den Sport konzentrieren.

Auch Lisa Berger würde es reizen sich nur auf das Training zu konzentrieren, aber erst, wenn das Studium nächsten März abgeschlossen ist. «Ich würde gerne wissen, was ich erreichen kann, wenn ich nur Sport mache. Vielleicht müsste ich gar nicht unbedingt mehr Trainingseinheiten haben, aber mehr Zeit für Erholung wäre gut. Das fehlt mir jetzt zwischen Praktikum und Lernen und den Trainingseinheiten».

 

Motivationsschub: Trainingslager

Wie Andrea Salvisberg hat Lisa Berger einen Trainer, der nicht physisch an jedem Training teilnimmt. Zwar sähen sie einander immer wieder und würden zusammen die Trainingspläne erstellen, doch trainiert jeder Athlet für sich. Andrea Salvisberg vertraut dem Australier Brett Sutton und Lisa Berger dem Franzosen Pierre Pompili.

Vieles können beide sehr gut, alleine oder mit Kollegen trainieren. Gewisse Dinge aber, wie zum Beispiel die sogenannte vierte Disziplin, in der Wechselzone und der Massenstart beim Schwimmen, werde gezielt in den Trainingslagern mit vielen Teilnehmern trainiert, erzählt die Grosshöchstetterin: «Im Lager quetschen wir uns manchmal alle zusammen auf eine Bahn, um den Start an einem Rennen zu simulieren. Dass man dabei mal einen «Chlapf» auf den Kopf kriegt, ist durchaus normal», lacht die zierliche Berger. Sie müsse lernen, sich beim Schwimmen mehr durchzusetzen, das würden dann schon die bis jetzt fehlenden fünf bis zehn Sekunden im Wasser ausmachen.

Als nächstes steht für Lisa Berger die Teilnahme am Probelauf der Olympischen Spiele in Tokyo auf dem Programm. Danach hofft sie auf ein Teilnahme-Ticket für das Grand Final der WTS-Rennserie in Lausanne, bei welchem Andrea Salvisberg auch teilnehmen wird. (Beim WTS-Grand werden nur die Top65-Athleten der Welt zugelassen), also ein Höhepunkt der Saison, dazu noch in der Schweiz.

11.07.2019 :: Olivia Portmann
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