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US Open: Dominic Stricker im Viertelfinal
US Open: Dominic Stricker im Viertelfinal Tennis:

Seit etwas mehr als einem Jahr reist Dominic Stricker aus Grosshöchstetten um die Welt. Statt Sightseeing sammelt der 17-Jährige Punkte an den Tennis-Junioren-Turnieren.

«Ich habe sehr viel Freude am Tennisspielen. Und seit ich an internationalen Turnieren teilnehmen darf spornt mich das noch mehr an», erzählt der 17-jährige Dominic Stricker. Es kommt selten vor, dass er sein Zuhause bei den Eltern in Grosshöchstetten geniessen darf. Was nicht heisst, dass er wie andere Teenager nach seinem Geburtstag lange ausschlafen könnte und frei über den Tag verfügen könnte. Der gerade  17 Jahre alt gewordene Tenniscrack muss auch am freien Wochenende sein Trainingsprogramm abspulen, inklusive Konditions-Training früh morgens. 

Internationale Erfolge

Gelohnt hat sich sein Einsatz allemal. Ein paar Tage nach dem Interviewtermin spielt sich Dominic Stricker in Kanada am «Grade One»-Turnier im Einzel in den Viertelfinal und im Doppel, zusammen mit Leandro Riedi, in den Final, den sie knapp gegen die Nummer 1 des Turniers mit 6:4, 2;6 und 6:10 verloren. Letzte Woche spielte Dominic an den US Open, dort erreichte der 17-Jährige im Junioren-Turnier sensationell den Viertelfinal. Auf dem Weg dorthin hat er sich gegen die Nummer zwei der Welt (Junioren) Holger Vitus Rune, durchgesetzt. Von den acht Spielern, die an den US Open bis den Viertelfinal vorgestossen sind, waren sieben mit Jahrgang 2001 – Dominic Stricker war der einzige Spieler mit Jahrgang 2002.

 

Eltern managen selber

Dominics Eltern, Stephan und Sabine Stricker, halten dem Tennistalent den Rücken frei. «Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die Dominic selber machen muss, wie zum Beispiel seinen Instagram-Kanal bewirtschaften», erklärt der Vater.  «Sonst gibt es viel zu tun. Homepage bearbeiten, Sponsoren suchen, Anmeldungen bei Turnieren und die Absprache mit Trainern. Die finanzielle Belastung ist riesig», erklärt Stephan Stricker. «Wir sind dankbar um jede Unterstützung, die wir erhalten.» Neu wird Dominic auch von der Sporthilfe unterstützt und dank den sportlichen Erfolgen Dominics konnten die Strickers mittlerweile Ausrüstungsverträge abschliessen. Auf einen Manager verzichten sie bewusst, erklärt die Grosshöchstetter Familie. Solange sie selber alles organisieren können, möchten sie sich nicht an einen Vertrag mit jemanden binden. 

 

«Mann muss lernen loszulassen»

«Kurz nachdem er Schweizermeister geworden war, musste ich ihn am Flughafen in die Obhut einem mir noch unbekanntem Trainer geben – damit hatte ich schon Mühe», erinnert sich die Mutter, Sabine Stricker. Mittlerweile habe sie sich daran gewöhnt, sich ständig von ihrem Sohn verabschieden zu müssen und ihn in Städte rund um die Welt ziehen zu lassen. «Solange Dominic Freude am Tennisspielen hat und ich merke, dass er im Ausland zurechtkommt, unterstütze ich das». Dass ihr Bub ein gutes Ballgefühl hat, hätten sie schon ziemlich früh gemerkt, erzählt die Mutter: «Wir konnten mit ihm stundenlang auf dem Stubentisch Tischtennis spielen. 100 Bälle hin- und her. Er retournierte jeden». Danach hat sich der Junge in mehreren Sportarten versucht: Fussball, Eishockey, Turnen. Doch wirklich leuchtende Augen bekam er beim Tennis. Mit fünf Jahren begann Dominic Stricker seine Tenniskarriere. «Wir haben ihn nie unter Druck gesetzt», sagt die Mutter. Er selber bestätigt das: «Ich habe einfach Freude daran. Und ich schätze es sehr, dass meine Eltern mir das ermöglichen. Bis jetzt habe ich nie daran gezweifelt, dass es nicht der richtige Weg wäre.»

 

Sportlerlehre als Plan B

Schon kurz nach den ersten Kids-Tennis-Kursen in Münsingen wurde der Initiant der CIS Academy Heimberg Roger Meylan auf Dominic Strickers Talent aufmerksam. Meylan förderte Dominic Stricker gemeinsam mit seinem Sohn Joël Meylan. Es folgten erste Turniersiege und immer mehr Trainings. Für Dominic war es nie ein Müssen: «Es macht Spass auf dem Platz zu stehen und sein Bestes zu zeigen», erzählt er. Mittlerweile lebt und trainiert er hauptsächlich in Biel, im nationalen Leistungszentrum des Schweizer Tennisverbands. Nebenbei absolviert er noch ein Sport-KV-Lehre. «Die Entscheidung, von zu Hause auszuziehen, fiel mir nicht leicht. Aber ich habe hier meine zweite Heimat gefunden.» Wohl nicht zuletzt, weil er mit Joël Meylan einen alten Bekannten als Zimmergenossen hat. 

«Mittlerweile kenne ich auch die anderen Spieler an der Spitze», erzählt Dominic Stricker, der sich unterwegs und während den spielfreien Zeiten an Turnieren bestens zu arrangieren weiss. «Ich bin froh, unterstützt mich die Schule, dass ich immer weiss, was ich zu tun habe. Eigentlich bin ich froh, kann ich am Abend etwas Schulstoff büffeln, statt ewig am Handy zu hängen», erklärt ein weitsichtiger Jugendlicher. Er wolle einen Plan B und deshalb das Sport-KV absolvieren – falls es doch nicht mit der Tennis-Karriere klappen sollte.

12.09.2019 :: Olivia Portmann
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