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Unterwegs in eine unsichere Zukunft: Postauto auf der Panoramastrasse
Unterwegs in eine unsichere Zukunft: Postauto auf der Panoramastrasse Sörenberg: Postauto überprüft alle touristischen Linien auf ihre Wirtschaftlichkeit: Sörenberg–Glaubenbielen–Giswil soll gestrichen werden. Nun wird nach einer neuen Lösung gesucht.

«Gegenwärtig beträgt der Kostendeckungsgrad rund 20 Prozent», teilt das Unternehmen Postauto auf Anfrage mit. Möchte man einen kostendeckenden Betrieb ausschliesslich durch die Fahrausweiserlöse erreichen, «müssten wir fünfmal so viele Fahrgäste befördern, falls die Preise unverändert bleiben». 

Null bis 59 Passagiere

Die Zahl der Passagiere ist logischerweise stark witterungsabhängig. Bei den stichprobeweise gemachten Erhebungen wurden in Richtung Sörenberg maximal 59 Personen gezählt; Richtung Giswil wies die höchste Belegung 49 Personen aus. Andererseits seien bei Regenwetter auch Fahrten registriert worden, bei denen die Chauffeure alleine unterwegs waren. 

In der letzten Saison – das Postauto verkehrt von Mitte Juni bis Mitte Oktober von Sörenberg über den Glaubenbielenpass nach Giswil – sind auf den je drei Kursen insgesamt knapp 7500 Passagiere gezählt worden. Dies entspricht rund elf Passagieren pro Fahrt, wobei der Sonntag jeweils die höchste Frequenz aufwies. Die Zahlen sind in den letzten Jahren gestiegen: 2018 konnte ein Zuwachs von 14 Prozent registriert werden, wie das Unternehmen Postauto mitteilt.  

Die Folgen des Subventionsskandals

«Als Konsequenz aus den subventionsrechtlichen Verfehlungen überprüft die Geschäftsleitung von Postauto jeden Geschäftsbereich», ist bei dem Unternehmen zu erfahren. «Postauto darf mit den Geldern aus dem abgeltungsberechtigten Personenverkehr keine touristischen Angebote ohne Erschliessungsfunktion querfinanzieren.» 

Dass sich Gemeinden an touristischen Buslinien beteiligen, zeigt das Beispiel Emmental (siehe rechts).

Wer übernimmt das Defizit? 

Bislang beteiligte sich nur die Gemeinde Giswil mit einem Betrag am Postautobetrieb auf der Panoramastrasse, welche sich fast ausschliesslich auf Obwaldner Boden befindet. Derzeit würden Gespräche mit den Kantonen Obwalden und Luzern und weiteren möglichen Geldgebern geführt, erklärt Postauto. Die Obwaldner Regierung hat sich gemäss der «Luzerner Zeitung» in einem ersten Entscheid bereits gegen einen Beitrag von 100’000 Franken ausgesprochen. 

Romeo Degiacomi vom Verkehrsverbund Luzern (VVL) bestätigt, dass Gespräche mit Postauto Zentralschweiz sowie dem Kanton Obwalden über den genauen Fahrplan und eine mögliche Finanzierung geführt würden. «Der Kanton Luzern prüft auch eine Variante, die Linie von der Post in Sörenberg bis zum Parkplatz Glaubenbielen zu bestellen», erklärt Degiacomi. Es sei aber noch offen, ob diese Busse täglich oder nur an Wochenenden verkehren würden. 

«Für den VVL denkbar wäre auch ein ausgebautes Angebot an den Wochenenden und Feiertagen von Juni bis Mitte Oktober oder gar 1. November – sicherlich zwischen Sörenberg bis Glaubenbielen», erklärt Romeo Degiacomi. Ob es auch für die Obwaldner Seite eine Lösung gebe, sei noch offen und Teil der laufenden Gespräche, ist beim VVL zu erfahren. Die Zeit drängt. Bis Mitte September entscheidet der Verkehrsverbund Luzern über den Fahrplan 2020. 

Rückschlag für Sommertourismus

Flühli-Sörenbergs Toursimus-Direk-torin Carolina Rüegg hofft inständig, dass die Gäste auch im kommenden Jahr mit dem öffentlichen Verkehr in das beliebte Wandergebiet gelangen können – oder von da auch wieder zurück ins Tal. «Wir versuchen generell den Sommertourismus zu fördern, da wäre natürlich die Streichung dieser Linie schlecht», sagt Carolina Rüegg. «Ich hoffe, das die Beteiligten eine Lösung finden.» Man dürfe die Rentabilität der Postautofahrten über die Panoramastrasse nicht isoliert anschauen. Wenn man das Ganze betrachtet, sind die Ausflügler für die Region sicher ein Gewinn.» 

Dass die Gemeinde und die Bergbahnen ein Angebot wie den Sportbus, welcher im Winter in Sörenberg verkehrt, auch im Sommer finanzieren können, ist für Carolina Rüegg ausgeschlossen. Für den Sportbus werde ein sechsstelliger Betrag aufgewendet, erklärt die Tourismus-Direktorin. Für den Betrieb im Sommer könne kein so grosser Beitrag aufgewendet werden.

Zusätzliche Verbindungen Schüpfheim–Sörenberg

Der Verkehrsverbund Luzern (VVL) plant einen Angebotsausbau am Abend auf der Linie 241 Bahnhof Schüpfheim–Sörenberg. Ab 15. Dezember 2019 ist täglich zusätzlich um 21.33 Uhr eine Verbindung Schüpfheim–Sörenberg geplant; mit Anschluss an den Regio-Express aus Luzern und Bern.

Am Freitag- und Samstagabend sind zwei weitere Zusatzkurse um 22.33 Uhr und 23.33 Uhr ab Schüpfheim Bahnhof geplant, teilt der VVL mit. Alle Zusatzkurse fahren auch von Sörenberg wieder nach Schüpfheim zurück. 

«Damit setzt der VVL einen mehrfach geäusserten Wunsch der Kunden sowie der Gemeinde Flühli-Sörenberg um», orientiert der Verkehrsverbund Luzern.

11.07.2019 :: Bruno Zürcher
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