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Truber Qualität und Hartnäckigkeit
Truber Qualität und Hartnäckigkeit Trub:

Die Bruno Lehmann AG kann heuer ihr 75-jähriges Bestehen feiern. Das Unternehmen setzt auf verschiedene Standbeine, viel Innovation und eine Prise Humor.

«Sehen Sie, wie leicht selbst eine Frau mit diesen Arbeitsgeräten hantieren kann!» So tönt es im Werbespot. Die Frau, im typischen Sechzigerlook gekleidet, hebt die Seilrolle immer wieder lächelnd in die Höhe. Der Spot gehört zu einer Reihe von acht Werbefilmen, von den Vierzigerjahren bis in die Gegenwart, für jedes Jahrzehnt ein Spot. «Wir wollten zum 75-Jahr-Jubiläum etwas anderes machen als etwa ein Buch», sagt Simon Lehmann, Geschäftsführer der Bruno Lehmann AG. «Der Fernseher ist in derselben Zeit aufgekommen, in der unser Unternehmen gegründet wurde; ich denke, in ein, zwei Jahrzehnten wird es einen reinen Fernsehapparat nicht mehr geben – also passt das gut zu unserem Jubiläum.» 

Die Seilrolle, die im Spot angepriesen wird, ist eines der bekannten Produkte der Bruno Lehmann AG. Und sie passt gut zu den Anfängen der Firma, welche in der Landwirtschaft zu finden sind. Hans Lehmann, der das Unternehmen 1944 gegründet hatte, verkaufte vor allem landwirtschaftliche Geräte. Beispielsweise seien die Motormäher von Bucher-Guyer ein Verkaufsschlager gewesen, weiss Simon Lehmann. Hans Lehmann und sein Bruder Ernst waren offenbar pfiffige Buben, und das war für sie ein grosses Glück. Denn die Halbwaisen waren als Pflegekinder aufgewachsen. Ihre Mutter habe geklagt, dass ihre Buben nur dummes Zeug im Kopf hätten – aber sie hatten auch das Talent, den Bauern die Geräte zu flicken und zu verbessern. 

Seilrollen stopften das Winterloch

Mit den Landmaschinen hatten die Lehmanns einiges zu tun; zumindest von Frühling bis Herbst. Um die Flaute im Winter auszugleichen, begannen sie, Seilrollen herzustellen, welche die Bauern zum Holzen einsetzen konnten. Mit der Mechanisierung mussten die Seilrollen immer grösseren Kräften standhalten und wurden generell immer schwerer – nicht so jene aus der Werkstätte aus Trub, wie der Werbespot zeigt. 

«Mit den Seilrollen können wir auch heute noch unsere Kernkompetenzen gut aufzeigen», erklärt Simon Lehmann: fräsen, drehen, Oberflächen bearbeiten. Die Seilrollen seien auch eine Art Türöffner, meint er. Das funktioniere auch in Indonesien, wo die Truber Firma seit 2015 eine Niederlassung betreibt. 15 Leute, alles Einheimische, werden beschäftigt. Die dortigen Mitarbeiter sind, wie jene in Trub, vor allem mit Lohnfertigungen beschäftigt. «Aktuell können wir einige Aufträge für Siemens ausführen», weiss Lehmann. Der Standort Indonesien sei ideal, um den asiatischen Raum oder auch Australien zu beliefern.

Mehr arbeiten für den gleichen Ertrag

Die Lohnfertigung macht bei der Bruno Lehmann AG rund 60 Prozent des Umsatzes aus. «Wir arbeiten fast ausschliesslich für Kunden aus der Schweiz, welche bei uns komplexe Teile herstellen lassen», erklärt der Geschäftsführer. So fertigt das Truber Unternehmen seit Jahrzehnten auch Stücke für die Seilerei Jakob in Trubschachen. 16 computergesteuerte Maschinen stehen auf dem Firmenareal – oder besser gesagt: laufen. «Heute müssen wir viel mehr Volumen bewältigen, um gleich viel zu erwirtschaften», hält Simon Lehmann fest. Dies werde dank einer hohen Flexibilität seitens der Mitarbeiter erreicht. Tagsüber arbeiten die Angestellten an kleinen, hochkomplexen Serien. Abends stellen sie die Maschine um, es werden grössere Serien einfacherer Teile hergestellt. «Im optimalen Fall kann ich eine Maschine bis zu 30 Stunden autonom arbeiten lassen», erklärt ein Polymechaniker. Das Unternehmen beschäftigt in Trub 35 Personen, deren Arbeitspensum rund 28 Vollzeitstellen entspricht. «Wir haben immer mehr Mühe, genügend Fachkräfte zu finden», bilanziert Simon Lehmann. Insbesondere Langdreher und Polymechaniker seien rar. Das Unternehmen bildet auch selber Lehrlinge aus. Am Standort Trub will Simon Lehmann trotz der Personalsorgen festhalten und auch an der Tradition, stets offen für Innovation zu sein. 

Die Maschinen sind heute so weit entwickelt, dass sie das Werkstück selber messen und wenn nötig nachjustieren. Auch sind die Anlagen, die mehrere hunderttausend Franken kosten, in der Lage, die Werkzeuge zu kontrollieren und automatisch auszuwechseln. «Die Maschinen und auch der Beruf des Polymechanikers haben sich enorm gewandelt», findet Simon Lehmann. Er selber hat als Jugendlicher in Bern «d Lädere» absolviert und anschliessend die Berufsmatur erlangt. Nach dem Studium zum Betriebsökonomen und zwei Arbeitsstellen bei grösseren Betrieben in der Schweiz stieg er 2011 ins Unternehmen seines Vaters, Bruno Lehmann, ein und leitet dieses seit dem Jahr 2012. 

Traktorenteile direkt importieren

Per 2013 wurde der Landmaschinenbetrieb ausgelagert. Der ehemalige Mitarbeiter Jürg Habegger führt in Ried bei Trub seither eigenständig eine Landmaschinenwerkstätte. Nach wie vor zur Bruno Lehmann AG gehört der Handel mit Ersatzteilen für Traktoren der CNH-Gruppe. Dazu gehören die Marken New Holland, Fiat, Ford, Case und Steyr. «Wir haben über 20’000 Teile an Lager», erklärt Simon Lehmann. Bezogen werden diese bei rund 50 Herstellern vorwiegend in Europa. «Unser Ziel ist immer, möglichst nahe an den wirklichen Hersteller zu gelangen, damit die Qualität, Verfügbarkeit und der Preis stimmen», hält Lehmann fest. 

Die günstigen Parallelimporte der Truber Firma waren der Firma Bucher Landtechnik AG ein Dorn im Auge. Sie hielt die Betreiber von Landmaschinenwerkstätten an, bei den Lehmanns keine Teile mehr zu beziehen (siehe Kasten). «Wir stellten fest, dass der Umsatz stetig sank», erinnert sich Simon Lehmann. Im März 2017 hat die Wettbewerbskommission (Weko) schliesslich bekanntgegeben, dass sie Untersuchungen bei der Bucher Landtechnik AG eingeleitet habe. Nicht ohne Wirkung: Die Verkaufszahlen seien nach der Intervention der Weko schlagartig wieder auf das frühere Niveau gestiegen, berichtet der Geschäftsführer der Bruno Lehmann AG. 

«Frau Lehmann erklärt den Direktimport» heisst passenderweise der Fernsehspot zur aktuellen Zeit, welcher auf www.lehmann-trub.ch gesehen werden kann. Dabei geht es um ein digitales Armaturenbrett für einen New-Holland-Traktor. 

Bei der Truber Firma koste dieses rund 1000 Franken – «bei den offiziellen Importeuren für New-Holland-Produkte kann das Teil durchaus mehr kosten», erklärt Frau Lehmann in dem Spot.

Wettbewerbskommission büsst Bucher Landtechnik AG mit 150’000 Franken

Die Wettbewerbskommission (Weko) schliesst mit der Bucher Landtechnik AG aus Niederweningen eine einvernehmliche Regelung ab und büsst das Unternehmen mit rund 150’000 Franken. «Bucher Landtechnik hat mit ihren Händlern beim Vertrieb von Traktorersatzteilen unzulässige, absolute Gebietsschutzabreden getroffen und damit Importe behindert», hält die Weko in ihrer Stellungnahme fest. «Bucher Landtechnik verpflichtete ihre Händler vertraglich dazu, sämtliche Ersatzteile für Traktoren der Marke New Holland bei ihr zu beziehen. Zusätzlich zu dieser Bezugspflicht bestand ein Anreizsystem, welches die Bezugsmenge von Ersatzteilen mit den Rabattkonditionen für Traktoren dieser Marke New Holland verknüpfte.» 

Verstoss gegen Kartellgesetz

Die Bezugspflicht wie auch das Anreizsystem hätten Verkäufe von ausländischen Lieferanten an Händler von Bucher Landtechnik vertraglich ausgeschlossen und damit den Wettbewerb behindert. Die Wettbewerbskommission entschied, dass diese Verhaltensweisen von Juli 2016 bis April 2017 unzulässige Gebietsschutzabreden darstellten. «Solche Verhaltensweisen sind gemäss Kartellgesetz zu sanktionieren», hält die Weko fest. 

Das Unternehmen verpflichtet sich, gemäss der mit der Weko vereinbarten Regelung dazu, ihre Händler fortan beim Vertrieb von Traktoren der Marke New Holland nicht daran zu hindern, Ersatzteile bei einer Bezugsquelle ihrer freien Wahl zu beziehen. Inskünftig sollte der Import von Ersatzteilen und Traktoren der Marke New Holland uneingeschränkt möglich sein. «Das kooperative Verhalten von Bucher Landtechnik hatte eine Sanktionsminderung zur Folge», hält die Weko weiter fest.

25.07.2019 :: Bruno Zürcher
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