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Trockenheit und fehlende Feuerspritze erschwerten die Löscharbeiten
Trockenheit und fehlende Feuerspritze erschwerten die Löscharbeiten Lauperswil/Rüderswil:

Am 14. August 1919 brannte der Dorfkern vollständig nieder. Brandursache war ein Waschherd in der Tenne des
«Löwen». Aus dem Grossbrand wurden die Lehren gezogen.

Vor hundert Jahren ereignete sich in Lauperswil ein Grossbrand. Das Feuer ging von einem Waschherd im Gasthof Löwen aus (siehe Kasten). Hans Minder, Lokalhistoriker, hat den Dorfbrand, die Löscharbeiten, die Bewältigung der Folgen und die aus dem Grossbrand gezogenen Lehren eingehend erforscht und in einem Gespräch erläutert. Er habe mit Zeitzeugen und deren Nachfahren gesprochen sowie Zeitungsartikel, die über den damaligen Brand berichteten, studiert. «Besonders überrascht hat mich die Tatsache, dass der erste Bericht in der «Neuen Zürcher Zeitung» erschienen ist», sagt er und lacht. Er fügt an, dass für seinen Grossvater, Fritz Minder, dieser Brand der erste Einsatz als Feuerwehrmann gewesen sei.

Dank Hilfe Schlimmeres verhütet

Das einzige Telefon im Dorf habe damals im «Löwen» gestanden und sei verbrannt. Der Alarm sei durch die Kirchenglocken ausgelöst worden und Meldeläufer hätten Nachbarfeuerwehren bis hinunter nach Hasle um Unterstützung gebeten. «Lauperswil hatte damals noch keine Feuerspritze und mit Eimern war dem Grossbrand nicht beizukommen», erzählt Hans Minder. Zudem habe während zweier Monate grosse Hitze geherrscht. Regen sei ausgeblieben, was zu grossem Wassermangel geführt habe. 

Erst das Anzapfen der Wasserleitung Aeschau–Bern und der Einsatz von Feuerspritzen aus Nachbargemeinden hätten zu einer wirkungsvollen Brandbekämpfung geführt, sagt Minder. Er ergänzt, dass die abgebrannten Gebäude mit Schindeln gedeckt gewesen seien. Das Schulhaus, die Kirche und das Salzbüttestöckli hätten dagegen, dank Ziegeldächern, nicht Feuer gefangen. 

Pech für den Besitzer des «Löwen»

Einer Schrift von Hans Minder ist zu entnehmen, dass ein gewisser Chris-
tian Bärtschi, Wirt und Viehhändler, den «Löwen» am 23. Juli 1919 gekauft und in den folgenden Wochen den Hausrat gezügelt hatte. Diese Arbeiten waren noch nicht abgeschlossen, als der Gasthof abbrannte. Zu allem Pech kam die Tatsache dazu, dass der Gastwirt noch keine Brandversicherung abgeschlossen hatte. Durch die Kosten des Wiederaufbaus musste er den «Löwen» sozusagen ein zweites Mal kaufen. Christian Bärtschi habe sich von diesem finanziellen Schaden nie ganz erholen können und sei später in Konkurs geraten, schildert der Lokalhistoriker die Folgen des Brandes für den «Löwen»-Wirt.

 

 

Zu den durch den Brand Geschädigten gehörten nicht nur die Hausbesitzer, sondern zum Beispiel auch die Lauperswiler Theaterspieler. So hat es Hans Kühni, Zeitzeuge des Brandes, dem Lokalhistoriker Hans Minder berichtet. Da alle Requisiten und Kulissen im «Löwen»-Saal verbrannt seien, habe das Theaterspielen nach dem Brand aufgehört und der örtliche Theaterverein mit dem Namen «Dramatische Vereinigung Lauperswil» sei aufgelöst worden.

Laut Hans Minder gab es beim Dorfbrand auch Profiteure. Versicherungsgesellschaften seien zu zahlreichen Vertragsabschlüssen für Brandversicherungen gekommen und der Absatz von Feuerspritzen habe geboomt. Zu den Nutzniessern hätten auch die vielen Schaulustigen gehört, die bereits am Tag nach dem Brand und dann vor allem am darauffolgenden Wochenende erschienen seien. «Diese Katastrophentouristen haben das vom Feuer gerettete und in der Hofstatt deponierte Hab und Gut gleich mitgenommen», hat Hans Minder recherchiert.


Lehren gezogen

In der Gemeinde Lauperswil sei der Dorfbrand von 1919 heute kein Thema mehr, sagen Jürg Sterchi, Gemeindeschreiber, und Jürg Rothenbühler, heutiger Besitzer des «Löwen», auf Anfrage. Für Hans Minder haben die Lauperswiler Behörden die Konsequenzen aus dem Dorfbrand gezogen. Bereits 1921 sei unter dem neuen Feuerwehrkommandanten Walter Klopfstein eine Motorspritze angeschafft worden. Die Wasserversorgung sei für die Belange der Feuerwehr aufgerüstet worden. «Auch im Baubereich ist dem Brandschutz eine deutlich höhere Bedeutung beigemessen worden, zum Beispiel durch eine Deckung der Dächer mit Ziegeln», hält Hans Minder fest. Was ihn besonders freue, sei die Tatsache, dass der Dorfplatz nach dem Brand nicht überbaut, sondern beibehalten worden sei. Gleiches gelte für den alten, gewölbten Keller des «Löwen», der trotz eines seitlich leicht verschobenen Wiederaufbaus des Gasthofs habe erhalten werden können.

 

Hier gehts zur Galerie mit weiteren Bildern des Brandes

Fünf Gebäude abgebrannt

Am 14. August 1919 um 22 Uhr brach im Gasthof Löwen in Lauperswil ein Feuer aus, das rasch um sich griff. Auch das Löwenstöckli, das Bauernhaus Hofer (heute
Locher), die Handlung Liechti und die Bäckerei Liechti brannten
lichterloh. Funken sprangen bis ins Unterdorf und gefährdeten auch diese Gebäude. Menschen kamen glücklicherweise nicht zu Schaden. Als Brandursache wurde ein Waschherd, der in die Tenne des «Löwen» gestellt wurde und bei dem noch Glut im Ofen war, ausgemacht. «Dieser Waschherd war der einzige weitherum und wurde von der ganzen Dorfbevölkerung ausgeliehen», sagt der Lokalhistoriker Hans Minder aus Lauperswil.


 

08.08.2019 :: Walter Marti
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