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«Sorge tragen zum Alten und es ­wieder zum Vorschein bringen»
«Sorge tragen zum Alten und es ­wieder zum Vorschein bringen» Kanton Bern: Zum 10. Mal wird der Denkmalpflegepreis verliehen – auch an den Verein «Handwerk in der Denkmalpflege». Malermeister Silvio Pfister liebt es, alte Häuser zu restaurieren.

 

Der Denkmalpflegepreis des Kantons Bern geht jeweils an eine Bauherrschaft, die ein Baudenkmal sorgfältig restauriert und weiterentwickelt hat. Heute Abend werden anlässlich des Jubiläums gleich fünf Preise im Kornhausforum in Bern verliehen. Einer davon geht an die Familie von Wattenwyl in Oberdiessbach (Kasten unten). Ebenfalls zu Ehren kommt der Verein «Handwerk in der Denkmalpflege» für die Lancierung des entsprechenden Lehrgangs (Kasten unten).

Vor sieben Jahren hat Silvio Pfister aus Häutligen diesen Lehrgang absolviert. Heute ist er als Experte tätig. In der Praxis kann er das erworbene Wissen in seinem Malergeschäft Optimaler anwenden. Er arbeite oft in Bern, etwa am Münster oder in Patrizierhäusern. Alte Häuser hätten ihn immer schon fasziniert, ebenso das echte Handwerk, sagt Pfister. Die Arbeit an Baudenkmälern unterscheide sich stark von jener an einem Neubau: «Wird etwas neu gemalt, muss es möglichst schnell gehen, günstig und perfekt sein. Bei der Arbeit an Kulturgütern steht dagegen im Vordergrund, das Originale möglichst zu erhalten. Die Devise lautet: So wenig wie möglich eingreifen und so viel als nötig.»

 

Schicht um Schicht abtragen

Bei einer Restauration ist es nicht damit getan, den Farbton anhand eines Farbfächers zu bestimmen und draufloszumalen. Die Arbeit ist viel umfassender, wie Silvio Pfister ausführt. Es werde eine Schadens- und eine Materialanalyse erstellt und eine Empfehlung abgegeben. Je nach Fall werden andere Handwerker oder ein Restaurator beigezogen. «Für mich als Maler bedeutet dies zum Beispiel, eine Farbtreppe zu erstellen: Ich trage Schicht um Schicht der alten Anstriche ab und analysiere sie auf ihre Zusammensetzung hin.» Aufgrund dieser Angaben könnten Bauherrschaft und Denkmalpflege entscheiden, welche Farbe und welcher Farbton in Frage kommen, erklärt der diplomierte Malermeister. Jeder einzelne Arbeitsschritt wird dokumentiert. «Die Nachwelt soll wissen, was man gemacht hat.»

Wichtig ist die Wahl des Baustoffes. Moderne Farben aus Kunststoff kämen nie zur Anwendung, betont Silvio Pfister. Sie würden auf Farben zurückgreifen, die sich seit hunderten von Jahren bewährt hätten, hauptsächlich Mineral-, Öl- und Naturharzfarben. Der Maler erstellt ein Handmischmuster, anhand dessen der Händler die Farben bereitstellt. Was nun folgt, ist das Handwerk: Das Holz wird abgeschliffen, ausser es ist handgehobelt, danach wird die Farbe aufgetragen. «Zuerst verwenden wir Roller und am Schluss arbeiten wir mit dem Pinsel, damit der Pinselstrich sichtbar ist.»

 

Allein das Wissen reicht nicht

Silvio Pfister bezeichnet den Lehrgang Handwerker in der Denkmalpflege als gute Möglichkeit, sich das Rüstzeug für die sensible Arbeit an Baudenkmälern zu holen. Es sei wichtig, zu wissen, nach welchen Grundsätzen die Denkmalpflege arbeite, wie man Analysen und Dokumentationen erstelle. Die Zusammenarbeit mit anderen Handwerkern wie Maurer, Steinhauer und Gipser sei zudem bereichernd. Genauso wichtig wie das erlernte Fachwissen ist für den Prüfungsexperten aber das Verständnis für die Baudenkmäler. «Man muss spüren, was das Haus braucht und sich auf die alten Materialien einlassen. Es geht darum, Sorge zu tragen zum Alten, es wieder zum Vorschein zu bringen.»

Preis für von Wattenwyls

 

Auch die Familie von Wattenwyl aus Oberdiessbach erhält einen Denkmalpflegepreis. Sie habe sich während Jahrzehnten für die langfristige Sicherung der Schlossdomäne Oberdiessbach eingesetzt, steht in der Mitteilung der Denkmalpflege. «Der Jubiläumspreis würdigt das Verantwortungsbewusstsein und das grosse persönliche Engagement der Familie von Wattenwyl und ihre aufgeschlossene Haltung gegenüber der Öffentlichkeit.»
Ein Lehrgang für acht Fachrichtungen
Das Interesse am Lehrgang «Handwerker/in in der Denkmalpflege» sei gross, es bestehe eine Warteliste, sagt Franziska Mitterecker, Leiterin der Geschäftsstelle. Aktuell seien rund 50 Personen eingeschrieben. Künftig würden drei, und nicht nur zwei Klassen geführt. Angeboten werden acht Fachrichtungen: Holzbau, Möbel/Innenausbau, Stuck, Malerei, Mauerwerk/Verputz, Naturstein, Pflästerung/Trockenmauerwerk, Gartenbau. Der berufsbegleitende Lehrgang dauert zwei Jahre. Er umfasst je nach Fachrichtung fünf bis acht Module. Zu durchschnittlich 500 Stunden Präsenzunterricht kommen Heimlektüre und das Verfassen der Abschlussarbeit.

Da es sich um einen eidgenössischen Fachausweis handelt, erstattet der Bund nach Absolvieren der Prüfung 50 Prozent der Kosten von 14’000 bis 18’000 Franken zurück. Der nächste Lehrgang beginnt im Frühling 2021.

16.05.2019 :: Silvia Wullschläger
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