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So wird die Geschichte der Vorfahren und der Heimat erlebbar gemacht
So wird die Geschichte der Vorfahren und der Heimat erlebbar gemacht Lauperswil:

In einem Workshop liessen sich ehrenamtliche Mitarbeiter des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern inspirieren zum Thema «von der Fragestellung bis zum Fundort». 


 

Wer sich mit der Geschichte unserer Vorfahren oder unserer Heimat befassen will, steht vor vielen offenen Fragen. Und bald einmal stellt sich auch die Frage, was wissenschaftlich erhärtet und was im Bereich der Sagen und Dichtungen anzusiedeln ist. In einem Workshop des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern liessen sich am vergangenen Freitag viele ehrenamtliche Mitarbeiter zum Thema «Archiv und Geländeprospektion – von der Fragestellung bis zum Fundort» weiterbilden und inspirieren. Der anerkannte Forscher und Buchautor Jonas Glanzmann zeigte auf, mit welchen Mitteln und Quellen erfolgreiche Nachforschungen möglich sind.

Wissen, wo Wissen ist

«Am Anfang jeder Forschung steht die Fragestellung», sagte Jonas Glanzmann. Wie etwa: Was möchte ich erfahren, was will ich erfassen, was ist für mein Projekt zentral und welche Möglichkeiten und Mittel eignen sich für meine Arbeit? Und je nach Interessensgebiet stünden dem Forscher verschiedenste Quellen zur Verfügung. Beispielsweise seien das alte Dokumente und Aufzeichnungen, alte Bilder und Fotoaufnahmen, Bücher, oder Landkarten. Aber auch Gespräche, Befragungen und insbesondere Feldbegehungen und Beobachtungen seien äusserst wichtig. Nicht zu unterschätzen sei die mündliche Überlieferung in Gesprächen mit dem Pfarrer, mit Lehrpersonen oder anderen geschichtlich interessierten Personen. Als wichtige Grundlagen bezeichnete er aber auch das Internet mit vielen nützlichen Angeboten an Kartenmaterial, dem Historischen Lexikon, dem Ortsnamenbuch oder dem Schweizerischen Idiotikon.

Nicht allem vertrauen

Gleichzeit warnte Jonas Glanzmann aber auch davor, allem zu vertrauen. Deshalb sei zwischen Primärquellen wie Urkunden, Protokollen, Funden, Monumenten und den Sekundärquellen wie Geschichtsbüchern, Familienchroniken oder anderen Publikationen klar zu unterscheiden. Die verwendeten Quellen seien immer kritisch zu hinterfragen, Autor und Zeitpunkt der Verfassung zu überprüfen und zu überlegen, zu welchem Zweck und in welchem geschichtlichen Kontext die Schrift verfasst worden sei. Und vor allem gelte es, die Ergebnisse aus Schriften und Archiven mit den Beobachtungen draussen zu vergleichen. «Wer aus Sekundärquellen abschreibt, läuft Gefahr, die eigenen Fehler um die bestehenden zu erweitern», ergänzte Jonas Glanzmann.

Forschen bedeute vernetztes Denken, verlange Ausdauer, Beharrlichkeit, Kombinationsgabe, Beobachtungssinn und oftmals kriminalistischen Spürsinn, sagte Jonas Glanzmann. So habe er in seinen Arbeiten und Recherchen auch die Werke von Geschichtsschreiber und Altertumsforscher Albert Jahn (1811-1900) und dem «Geschichtsschreiber des Emmentals», Fritz Häusler (1917-2001), hinterfragen und ihre Aussagen teilweise revidieren müssen. 

Aufgrund seiner Erfahrungen umfasse das Recherchieren rund zwei Drittel Archivarbeit und ein Drittel Feldarbeit.

Begehungen und Beobachtungen

Im Anschluss an sein Referat begleitete Jonas Glanzmann die Workshop-Teilnehmenden auf einen Rundgang durch Lauperswil und zeigte anhand von eindrücklichen Beispielen, wie er in seinen Forschungen das Archivwissen mit Begehungen und Beobachtungen überprüft und ergänzt. Und so sei er auch zur verblüffenden Erkenntnis gelangt, dass das Tal der Emme – wie er in seinem Buch Emmental, eine Landschaft erzählt Geschichte schreibt – Transitland von Norden nach Süden und begehrter Ort der Kelten und Alemannen war. 

 

 

Das im Text erwähnte Buch (ISBN 978-3-905980-35-6) und der geschichtliche Wanderführer (ISBN 978-3-905980-36-3) sind im Landverlag erschienen und im Buchhandel erhältlich. 


 

19.09.2019 :: Max Sterchi
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