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«Sie haben Essen, Arbeit, Lohn! Was ist noch?»
«Sie haben Essen, Arbeit, Lohn! Was ist noch?» Heiligkreuz: Die Bühne Amt Entlebuch bringt zwar nicht die Kochakademie auf Heiligkreuz, ist aber sehr erfolgreich mit dem Theater «Die Küche» gestartet.

Die Bühne Amt Entlebuch ist bekannt für professionelles Theater und ungewöhnliche Stücke mit Laiendarstellern. In der neuen Produktion «Die Küche» verwandelt sich die Schüür auf Heiligkreuz in eine Grossküche. Der Regisseur Schang Meier war schon bei der Gründung der Bühne dabei und bearbeitete die ersten drei Stücke. Nun wurde er erneut für eine Inszenierung angefragt. 

«Die geplante Kochakademie brachte mich auf die Idee, Heiligkreuz als Kochinsel bekannt zu machen», begründet der Theatermacher seine Stückwahl. «Das Aus für die Akademie kam für alle plötzlich und überraschend, gab uns aber die Möglichkeit, im ehemaligen Schwesternhaus zu proben. Wir durften die Infrastruktur des Hauses benutzen und Geschirr, Besteck und Kochtöpfe als Requisiten in die Scheune mitnehmen.» 

19 Darsteller auf der Bühne

Das 1960 in London uraufgeführte Drama «The Kitchen» gehört zu den wichtigsten gesellschaftskritischen Werken Arnold Weskers (1932–2016). Die Originalfassung ist für dreissig Schauspieler geschrieben. Schang Meier lässt in der von Georges Müller bearbeiteten Mundartfassung 19 Darstellerinnen und Darsteller auftreten. 

Den Anfang macht Willy Portmann,  der als Koch Max am Morgen der erste in der Küche ist. Nach und nach kommen weitere Leute dazu. Es ist ein reges Treiben, ein stetes Kommen und Gehen. Eine Serviererin klagt über die Party der vergangenen Nacht. Von einer Schlägerei reden andere. Der Koch Peter sei auch dabei gewesen. Warum muss der dauernd mit der Serviertochter flirten? 

Und Nicola. Die hat ihr Alkoholproblem nicht mehr im Griff. Hat nicht auch Max, der bereits beim vierten Bier angelangt ist, dieses Problem? Was ist mit dem Koch Jean, der sich wegen eins defekten Dampfventils die Wange verbrannte. Und wer übernimmt die Arbeit der krankgeschriebenen Jenny? 

Mikrokosmos Küche

Ein Mikrokosmos, ein Abbild der Gesellschaft ist diese Küche. Da wird geflirtet, geliebt, gestritten und gekämpft. Rangkämpfe und Feindschaften werden ausgetragen. Leute aus den unterschiedlichsten Milieus raufen sich zusammen. 

Zur Mittagszeit nimmt das Arbeitstempo zu, der Stress überhand. Der Chefkoch macht Druck: «Vier Forellen, hopp, hopp. Die Gäste warten.» Teller zerschellen am Boden. Patron Marango schreit: «Sabotage, Sabotage!» Nach der Mittagspause wird es ruhiger. Für kurze Zeit flackert Hoffnung und Menschlichkeit auf. Dann fängt alles von vorne an. In der Beziehung zwischen dem Koch Peter und der Kellnerin Monique kriselt es. Die schönen Träume scheinen zu zerplatzen. Sirenen heulen auf. Die Lampen beim Notausgang leuchten. Peter rennt weg.

Matthias Muff und Maria Portmann spielen das Liebespaar Peter und Monique. Als sie sich an der ersten Probe zum ersten Mal begegneten, sei es Liebe auf den ersten Blick gewesen –aber nur im Theater, erzählt Matthias Muff. Privat seien sie kein Paar. Ihre Theaterbeziehung haben sie mit dem Regisseur besprochen. Beim Gestalten der Rolle habe er ihnen sehr viele Freiheiten gewährt. 

Über Gefühle in die Rolle finden 

Im Spiel müssen sie starke Gefühle darstellen. Das sei gar nicht so schwer, sagen die beiden. Über Gefühle finde man schnell in eine Rolle hinein. Schwierig war es für sie, mit so vielen Leuten gemeinsam auf der Bühne zu stehen. Fehle mal jemand, funktioniere  schnell nichts mehr. Auch die vielen Proben waren intensiv. 

Am Ende des Stücks sagt Patron Marango: «Sie haben doch Essen, Arbeit und Lohn. Was ist noch? Was gibt es noch?» Der Mensch braucht halt noch mehr als nur Arbeit und Geld. Das zeigen die 19 Spielerinnen und Spieler überzeugend.

Weitere Aufführungen in der Schüür Heiligkreuz:
Freitag, 24. Mai; Samstag, 25. Mai; Mittwoch, 29. Mai, jeweils 20.00 Uhr. Donnerstag, 30. Mai und Sonntag, 2. Juni, jeweils 17.00 Uhr.  Freitag, 7. Juni und Samstag, 8. Juni, jeweils 20.00 Uhr. Sonntag, 9. Juni, 17.00 Uhr. Freitag, 14. Juni; Samstag, 15. Juni; Mittwoch, 19. Juni; Freitag, 21. Juni und Samstag, 22. Juni, jeweils 20.00 Uhr.
23.05.2019 :: Bernadette Waser
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