Anmelden
Satanus Bratus und die Sprühflasche
Kolumne:

Als ich vor elf Jahren in die Schweiz kam, schaffte ich mir sofort zwei Katzen an – quasi als gute Freunde in der Fremde. Das Katzenmädchen nannte ich Heidi, wie soll ein kleines Mädchen in der Schweiz auch sonst heissen. Mein Kater Mottek, über den ich hier auch schon erzählt habe, ist leider verschwunden. Heidi hält mir die Treue, aber beschert mir auch durchaus üble Momente. Inzwischen trägt sie Namen, die nicht so niedlich sind: Satansbraten oder auch Satanus Bratus, Saukatz oder Mephistoschnitzel treffen ihr Wesen manchmal besser. Und das kam so: Nebst verschmustem Charakter, verfressener Seele und verpennter Eigenschaft zeigt Heidi hin und wieder eine Verhalten, das an einen Werwolf erinnert. Denn so zwei, drei Mal im Jahr greift sie mich an. Die Rede ist nicht von ein paar Kratzern im Spiel oder so. Ich laufe an ihr vorbei und zack, klebt sie wie ein haariger Blutegel an meiner Wade und haut mir ihre Krallen bis zum Anschlag ins Fleisch. Mit Mühe und grossem Geschrei kann ich sie dann abschütteln, ins Bad laufen, um meine blutenden Wunden zu desinfizieren. Die Verletzungen sind das eine, meine Wut über dieses undankbare Geschöpf das andere. Immerhin frisst sie nur teures Futter, bekommt Streicheleinheiten en gros und blockiert die weichsten Kissen im Haushalt. Der Dank: Diese Vier-Kilo-Katze greift mich an, als ob ich ’ne Riesenmaus wäre. Heidi hasst es auch, wenn ich niese. Sitzt sie auf meinem Schoss, schaue ich ganz schnell, dass ich sie loswerde, bevor der Hatschi-Impuls zum Tragen kommt. Denn sonst beisst sie mir in den Unterarm. Irgendwie kann ich das noch verstehen, denn ihren Schreck muss sie wohl kompensieren. Die Angriffe allerdings kapiere ich nicht. Ich habe viel analysiert nach so einer Attacke: Sie mag zu schnelles Laufen nicht, wadenlanges Nachthemd hat sie gereizt, sie hat Hunger ... Es gibt aber kein klares Muster, auf das ich mich einstellen könnte. In
einer Tierzeitschrift bekam ich die Antwort. Meine Katze hat eine kurze Zündschnur, ähnlich wie ein jähzorniger Mensch. Seither laufe ich oft einer Intuition folgend wie eine Revolverheldin mit einer Sprühflasche durch die Wohnung. Denn schon beim Anblick dieser giftgrünen Flasche sucht Heidi das Weite, weil ich sie damit mal nass gespritzt habe.
Ein entscheidender Satz in einer TV-Tierdoku hat mich dann mit meinem Satanus Bratus halbwegs versöhnt: Katzen sind die einzigen Haustiere, die sich zu 100 Prozent ihre Ursprünglichkeit bewahrt haben. Beeindruckend, oder?



27.06.2019 :: Christina Burghagen Signau
Meistgelesene Artikel
«Love me tender, love me sweet, never let me go...», schmachtet Elvis dezent aus einem...
Zuerst möchte ich eine kurze Geschichte erzählen:  Ein Blinder und ein Lahmer...
Ört u Näme: O i de höcher glägne Region dörfti itz ds meischte Gwächs gärntet worde...
Schräglage: Platz 6 beim Motorrad-Grand-Prix von Österreich war nicht das Resultat, welches sich Thomas...
Aeschbacher gewinnt erstmals das Bernisch-Kantonale in Münsingen
Schwingen: Matthias Aeschbacher heisst der souveräne Sieger des Bernisch-Kantonalen. Thomas Sempach...
Wochen-Zeitung
Brennerstrasse 7
3550 Langnau i. E.
Tel. 034 409 40 01
Fax 034 409 40 09
info@wochen-zeitung.ch
Redaktion: 034 409 40 05
Öffnungszeiten:
Montag - Freitag
07:30 - 12:00 Uhr
13:30 - 17:00 Uhr